Geschwister Scholl: „Recht, die Meinung in der eigenen Sprache frei zu äußern!“

Die „Weiße Rose“ hat auch einen Tirol-Bezug: Christoph Probst, geboren in Murnau in Bayern, kam im Herbst 1942 zum Medizinstudium nach Innsbruck. Hier wurde der 23-Jährige – seine Frau hatte gerade das dritte Kind geboren – am 19. Februar 1943 als Mitglied der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ verhaftet, erzählt der Südtiroler Heimatbund. Die Geschichte der Geschwister Scholl habe für die Jugend in Südtirol eine besondere Relevanz, die über das allgemeine Gedenken hinausgeht. Hier treffen die Werte der Weißen Rose auf eine Region mit einer komplexen eigenen Geschichte zwischen Widerstand und Identität.
Die zentralen Punkte, warum ihr Erbe gerade für Südtirol wichtig ist, sind die Parallelen zum Südtiroler Widerstand. „In Südtirol gab es während der NS-Zeit und des Faschismus Widerstandskämpfer, wie zum Beispiel die Mitglieder des Andreas-Hofer-Bundes. Gemeinsame Werte: Genau wie die Weiße Rose setzten sich Südtiroler Widerstandskämpfer gegen die Unterdrückung der eigenen Kultur und gegen die NS-Ideologie ein“, erklärt Roland Lang. Das Gewissen: Für junge Südtiroler ist das Beispiel der Scholls eine Brücke, um den Mut der eigenen Vorfahren besser zu verstehen, die sich gegen den Faschismus und die „Option“ (die Umsiedlung unter den Nationalsozialisten) stellten.
Die Bedeutung von Sprache und Freiheit: Die Weiße Rose nutzte das geschriebene Wort (Flugblätter), um Freiheit einzufordern. In der Geschichte Südtirols war die Unterdrückung der deutschen Sprache durch den Faschismus ein zentrales Trauma. Sophie und Hans Scholl stehen symbolisch für das Recht, die eigene Meinung in der eigenen Sprache frei zu äußern – ein Grundpfeiler der Südtiroler Autonomie heute.
Die Geschwister Scholl lehren, dass Werte wichtiger sind als Grenzen. Sie zeigen, dass man Patriot sein kann (das „andere Deutschland“ liebt), ohne anderen Nationalitäten gegenüber hasserfüllt zu sein. Dies sei ein wichtiges Vorbild für ein friedliches Zusammenleben in einer Grenzregion, betont der SHB-Obmann. Deshalb können wir gewisse verantwortungslose Äußerungen eines Südtiroler Regierungsmitgliedes zu Tirol nur als überholten Nationalismus zurückweisen. Warum es heute für die Jugend in Südtirol aktuell bleibt: So die Zivilcourage im Alltag. In einer kleinen Gesellschaft wie Südtirol ist der soziale Druck oft hoch. Die Scholls inspirieren dazu, zur eigenen Meinung zu stehen, auch wenn sie unbequem ist. Der SHB hat wegen anderer Verpflichtungen (Andreas Hofer) bereits am Tag vor der Ermordung von Sophie Scholl, ihres Bruders Hans und Christoph Probst in ehrendem Gedenken an diese tapferen Jugendlichen Blumen an der Stele im Geschwister Scholl Platz in Bozen niedergelegt.






