Wolf-Debatte: CPA lehnt Abschussquote ab

„Die vorgeschlagene Höchstanzahl von nur zwei Entnahmen pro Jahr ist für Südtirol völlig unzureichend. Die Landwirtschaft ist für uns von zentraler Bedeutung – sowohl für die Produktion hochwertiger Lebensmittel als auch für die Pflege unserer Kulturlandschaft. Die traditionelle Almwirtschaft steht heute unter starkem Druck, nicht zuletzt durch die wachsende Wolfspopulation“, so Walcher.
Kritik an Zahlen und Verfahren
Walcher kritisierte, dass die im Dekretsentwurf genannten Zahlen auf unrealistischen Schätzungen der Wolfspopulation beruhen. Die vorgesehene jährliche Entnahmerate von drei bis fünf Prozent sei für eine wirksame Bestandsregulierung deutlich zu niedrig. Vergleichbare Länder wie Frankreich hätten Quoten von rund 20 Prozent – und das bei Anwendung derselben EU-Richtlinie.
Zudem seien die derzeitigen Entnahmeverfahren zu komplex und müssten vereinfacht werden, um eine effektive Umsetzung zu ermöglichen. Auch müsse die Zuständigkeit der Regionen mit Sonderstatus sowie der autonomen Provinzen Trento und Bozen ausdrücklich im Dekret verankert werden.
Andere Assessoren schlossen sich Walchers Forderungen an. Zunächst hatte die Kommission ein positives Gutachten mit Auflagen in Betracht gezogen, doch die klare Stellungnahme Walchers führte schließlich zu einem endgültigen negativen Gutachten. Gleichzeitig wurde ein zeitnahes Treffen mit den zuständigen Ministern angeregt, um einen Paradigmenwechsel hin zu einer effektiven Bestandsregulierung zu erarbeiten.
Hintergrund: Schutzstatus herabgesetzt
Ausgangspunkt der Debatte ist die Entscheidung der Europäische Union, den Schutzstatus des Wolfs im vergangenen Jahr von „streng geschützt“ auf „geschützt“ herabzusetzen. Voraussetzung für Entnahmen bleibt ein günstiger Erhaltungszustand der Population.
Um diesen zu definieren, hat das Umweltministerium einen Entwurf ausgearbeitet, der die jährliche Höchstanzahl an Wölfen pro Region oder autonomer Provinz festlegt. Praktische Folgen hatte die Herabsetzung des Schutzstatus auf staatlicher Ebene bislang kaum: Lediglich Südtirol und das Trentino hatten im vergangenen Sommer jeweils ein Exemplar entnommen.






