von mmh 18.02.2026 15:47 Uhr

Suspendierungen, Schulschließungen, Einsamkeit in Heimen: Corona-Maßnahmen unter der Lupe

Am Mittwoch, 18. Februar, hat der Untersuchungsausschuss des Südtiroler Landtages zur Aufarbeitung der Corona-Maßnahmen der Jahre 2020–2023 seine Arbeit fortgesetzt. Unter dem Vorsitz von Brigitte Foppa standen Vormittagssitzungen mit Stellungnahmen des ehemaligen Gesundheitslandesrats Thomas Widmann sowie der damals Verantwortlichen der Bezirkskrankenhäuser im Mittelpunkt. Am Nachmittag sind weitere Anhörungen mit Experten aus Deutschland und Österreich geplant, darunter auch der aktuelle Generaldirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebs, Christian Kofler.

APA/dpa (Themenbild)

Ehemaliger Landesrat Widmann blickt kritisch zurück

Thomas Widmann, heute Landtagsabgeordneter und Mitglied des Ausschusses, führte aus, dass viele der in Südtirol getroffenen Maßnahmen auf Vorgaben aus Rom zurückzuführen waren. „Die Verhandlungen mit dem Ministerium waren schwierig, die Spielräume gering“, so Foppa zusammenfassend. Einige Maßnahmen habe Widmann nachträglich auch kritisch bewertet: Beispielsweise habe der Massentest nicht den erhofften Erfolg gebracht. Er habe zudem wörtlich eingeräumt: „Gegen einige Maßnahmen, die nicht vertretbar sind, hätten wir rebellieren müssen.“ Diese Aussage bezog sich insbesondere auf das Sterben von Menschen in Seniorenheimen in Einsamkeit und die Einschränkungen für Kinder und Jugendliche während der Pandemie.

Panel-Anhörung der Krankenhausverantwortlichen

Im Anschluss wurden die damaligen Leitungen der Südtiroler Bezirkskrankenhäuser angehört: Irene Pechlaner (Meran), Kurt Habicher (Schlanders), Gottfried Kühebacher (Innichen) und Michael Engl (Sterzing). Die Diskussion konzentrierte sich auf Impfungen, die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen, Suspendierungen des Pflegepersonals sowie das Zusammenspiel von Sanität und Sozialwesen.

Beim Thema Impfungen hoben die Ärzte hervor, dass diese die Situation in den Einrichtungen deutlich erleichtert hätten. Gleichzeitig räumten sie ein, dass es auch heute noch Folgen und Schäden gebe.

Die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen stand ebenfalls im Fokus. Kritisch diskutiert wurde unter anderem, ob Schulschließungen und Freitesten tatsächlich den gewünschten gesundheitlichen Effekt gebracht hätten. Die Panelteilnehmer betonten, dass die Priorität während der Pandemie auf der Sicherstellung der Intensivmedizin lag und andere medizinische Leistungen, wie Vorsorgeuntersuchungen oder Operationen, teilweise zu kurz gekommen seien. Viele Menschen hätten die Krankenhäuser gemieden.

Suspendierungen und Seniorenheime

Zu den Suspendierungen von Pflegepersonal berichteten die Krankenhausleiter, dass die meisten Beschäftigten nach der Maßnahme zurückkehren konnten, Ausnahmen gab es im Vinschgau und in Meran aufgrund der Abwanderung von Pflegekräften. Die Suspendierungen seien stets schweren Herzens durchgeführt worden, jedoch gesetzlich vorgeschrieben.

Ein zentrales Thema war auch die Situation in den Seniorenheimen. Foppa betonte, dass das Zusammenspiel zwischen Sanität und Sozialem verbessert werden müsse. Das Sterben von Bewohnern in Einsamkeit sei eine gesellschaftliche Tragödie, die künftig verhindert werden müsse.

Die Sitzung des Corona-U-Ausschusses wird am Nachmittag mit weiteren Expertenanhörungen fortgesetzt.

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