Gstrein gewinnt Olympia-Silber bei Slalom-Sieg von Meillard

„Richtig lässig – ich habe eine richtige Gaudi damit“, sagte Gstrein im ORF. Der Mann aus dem Ötztal, der bisher zweimal als Dritter auf dem Weltcup-Podest gestanden war, erfuhr in den vergangenen Wochen eine fast wundersame Wandlung. Bei der Krönung einer für ihn „brutal zach“ anlaufenden Saison erinnerte Gstrein auch daran, dass es in Adelboden vor etwas mehr als einem Monat nicht einmal mehr zur Qualifikation für den zweiten Durchgang gereicht hatte. Erst in Kitzbühel schüttelte er die Formkrise ab und konnte am Montag stolz sagen: „Ich habe mich herausgemausert.“
Fabios Großcousin Bernhard Gstrein hatte 1988 Olympia-Silber in der Kombination gewonnen. Meillard ist der erst zweite Slalom-Olympiasieger für die Schweiz nach Edi Reinalter (1948 in St. Moritz). „Fabio war schnell, habe ich am Start gehört. Es war dann ‚Alles oder Nichts‘, keine Frage. Dass es geklappt hat, ist einfach unglaublich“, sagte Meillard. Er hatte bereits in der Teamkombi Silber mit Marco Odermatt und im Riesentorlauf Bronze gewonnen. In vier der fünf Männer-Rennen standen Schweizer ganz oben. Nur der für Brasilien fahrende Lucas Pinheiro Braathen verhinderte mit seinem Sieg im Riesentorlauf den eidgenössischen „sweep“ in der männlichen Alpin-Sparte.
Gstrein rettete die Österreicher
Mitfavorit Manuel Feller schied bereits im ersten Durchgang aus. Michael Matt landete auf Rang acht, Marco Schwarz wurde Zehnter. Gstrein bewahrte die österreichischen Ski-Männer vor dem zweiten „Nuller“ in Einzelentscheidungen bei Olympia überhaupt. 2010 hatte es in Whistler in damals fünf Bewerben inklusive der traditionellen Kombination nichts zu feiern gegeben. Die Bilanz der diesjährigen Spiele poliert zusätzlich die Silbermedaille in der im Weltcup-Alltag nicht ausgetragenen Team-Kombination durch Vincent Kriechmayr/Feller auf.
Bei Schneefall und schlechter Bodensicht auf einem selektiven Kurs war die Ausfallquote im ersten Durchgang extrem hoch. Nur 44 der 95 Läufer schafften es überhaupt in die Wertung. Braathen erwischte es mit Zwischenbestzeit ebenso wie den zweifachen Saisonsieger Paco Rassat und den schnellen Finnen Eduard Hallberg. Für Feller war das Rennen nach 30 Sekunden in einer Haarnadel vorbei.
„Ich habe alles reingeschmissen, was ich gehabt habe. Mit der Sicht und der schlechter werdenden Piste entwickeln sich ein paar Überraschungen, die man nicht sieht. Für mich war es eine Überraschung zu viel“, sagte der von einer kleinen Unebenheit aus dem Konzept gebrachte Feller. „Es ist ein extrem schwerer Kurs noch dazu. Das wird mit jeder Nummer schwieriger.“
Nervenstärke
Davon scheinbar unbeeindruckt fuhr Gstrein mit der 12 auf die 3 und schuf sich damit eine perfekte Ausgangsposition. „Wir sind die Besten der Welt, mit der Kurssetzung sollten wir umgehen können“, sagte der Tiroler vor einem Finale mit einer ganz anderen Charakteristik. Der Schneefall hatte über Mittag aufgehört und der Kurs präsentierte sich wesentlich drehender. Kristoffersen legte als Sechstletzter eine Topzeit vor, doch Gstrein hielt mit der Laufbestzeit dagegen. Meillard entschied das Kopf-an-Kopf-Rennen erst auf den letzten Metern für sich. McGrath, der Meillard im ersten Durchgang knapp sechs Zehntel abgeknöpft hatte, fädelte früh ein und vergrub sich enttäuscht abseits der Piste im Schnee.
Schwarz zeigte seine beste Slalomleistung der Saison. Für den Kärntner war Rang zehn ein schwacher Trost. „Keine Medaille, nicht zufriedenstellend – ich freue mich, wenn ich heimfahren kann.“ Der erfolgreiche Medaillensammler bei Weltmeisterschaften wartet damit weiter auf seine erste olympische Einzelmedaille. Matt meinte, er freue sich „mit dem Ötzi“ schon sehr mit, deshalb sei die Gefühlslage zwiespältig. „Für mich war es nach dem ersten Lauf schon fast gegessen. Auch der zweite war nicht optimal. Aber auch mit einem fehlerfreien Lauf hätte es dann nicht mehr gereicht.“
Unbekannte im großen Schaufenster
Durch die Quotenbegrenzung für die traditionellen Skiländer und die vielen Ausfälle von Topfahrern konnte man sich 8,37 Sekunden Rückstand für die Top 30 erlauben. Den zweiten Durchgang eröffnete der Isländer Jon Erik Sigurdsson vor Viano Richardson, einem in Frankreich aufgewachsenen und für Haiti fahrenden Athleten. 70 verschiedene Nationen standen am Start.
apa
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