So erleben Südtirols Hotels die Wintersaison

Die Stimmung in Südtirols Hotellerie ist besser als gedacht. Zumindest was die Auslastung betrifft. Mehrere Betriebe berichten von guten bis sehr guten Buchungszahlen, der jüngste Schneefall habe sein Übriges dazu beigetragen. Doch hinter den Kulissen brodelt es: Der Bettenstopp, der Personalmangel und steigende Kosten sorgen für hitzige Diskussionen.
Gute Auslastung, aber die Kurzfristigkeit nimmt zu
Wer bei Südtirols Hoteliers nach der Auslastung fragt, bekommt überwiegend positive Rückmeldungen. Ein Hotelier aus dem Meraner Raum beschreibt die Lage als „sehr gut“ für die Monate November und Dezember, räumt aber ein, dass die zunehmende Kurzfristigkeit bei den Buchungen eine echte Herausforderung darstellt. Wie der März oder April laufen werden, lasse sich kaum vorhersagen. „Die Kurzfristigkeit war bei uns immer schon ein Thema und sie wird immer mehr zum Thema“, heißt es.
Aus einem anderen Betrieb klingt es ähnlich zuversichtlich: Die Auslastung sei gut, der erneute Schneefall habe sicherlich dazu beigetragen. Sorgen macht man sich hier weniger um die Buchungslage, dafür umso mehr um die politischen Rahmenbedingungen.
Bettenstopp: „Feingefühl statt Gießkanne“
Beim Thema Bettenstopp gehen die Meinungen auseinander, doch in einem Punkt sind sich die befragten Hoteliers einig: Eine pauschale Regelung für ganz Südtirol halten sie für den falschen Weg.
Ein Hotelier bringt es auf den Punkt: Man könne diese Regelung nicht einfach über den gesamten Sektor stülpen, denn es brauche individuelles Feingefühl, je nach Dorf und Region. Als Beispiel nennt er den oberen Vinschgau, wo in vielen Dörfern durchaus noch Potenzial für neue Betriebe bestehe und Menschen nach Arbeitsplätzen suchten, um nicht in die Schweiz pendeln zu müssen. In solchen Gebieten sei ein Bettenstopp schlicht fehl am Platz.
Ein anderer Betrieb wird deutlicher: Eine „Verbietung“ in der privaten Wirtschaft sei äußerst bedenklich. Man stelle sich vor, das Prinzip würde auf die Landwirtschaft oder den Handel ausgeweitet „du darfst nicht mehr Äpfel ernten, du darfst nicht mehr Schuhe verkaufen als geplant“. Das sei schlicht lächerlich. Stillstand sei Rückstand und jeder Betrieb wisse selbst am besten, wie weit er gehen könne, hieß es.
Gleichzeitig räumt ein Hotelier offen ein, dass ein Stopp in bestimmten Gebieten durchaus sinnvoll sei. Die Qualität der Unterkünfte habe sich in den letzten 20 bis 30 Jahren enorm verbessert und eine Grenze in überlasteten Regionen könne er nachvollziehen.
Das eigentliche Problem: Wohnungen statt Hotelbetten
Ein Thema, das in der öffentlichen Debatte oft untergeht, sprechen die Hoteliers klar an: die Vermietung von Wohnungen an Touristen, die dem regulären Wohnungsmarkt entzogen werden. Ein Hotelier schildert die Situation in Meran drastisch: Die Stadt habe heute weniger Betten als vor dem Ersten Weltkrieg. Es seien vor allem die privaten Wohnungsvermietungen und Agenturen, die mittlerweile ganze Mietwohnungen touristisch vermarkteten und so „das Fass zum Überlaufen“ brächten. Die wenigen gewerblichen Betten in Meran auf die bestehenden Betriebe aufzuteilen sei richtig gewesen, den Bettenstopp nun zu verlängern, müsse laut ihm nicht sein.
Personal, Kosten und die Akzeptanz der Bevölkerung
Neben dem Bettenstopp treiben die Hoteliers weitere Sorgen um. Der Personalmangel bleibt eine der größten Herausforderungen. Es fehlen qualifizierte Arbeitskräfte aus den Berufsschulen und oft mangele es an Motivation, die nötigen Stundenleistungen zu erbringen. Trotz jährlicher Lohnerhöhungen, die in manchen Betrieben über dem Niveau der Landesbetriebe liegen. Auch die Kostensteigerungen seit der Corona-Pandemie schlagen durch. Zwar hätten die Betriebe die Preise erhöht, doch im Gegenzug müssten sie auch die Leistung stetig verbessern. Ein Hotelier berichtet von Investitionen in Fotovoltaik, aber die Energiekosten seien trotzdem noch hoch.
Was den Hoteliers zunehmend Sorgen macht, ist allerdings etwas anderes: die schwindende Akzeptanz des Tourismus in der Bevölkerung. Hoteliers, die investieren und sich weiterentwickeln, würden von Nicht-Touristikern oft kritisiert mit „nia genug“ oder „immer mehr“ seien die Vorwürfe. Dabei sei etwa das Verkehrsproblem „viel auch hausgemacht“, wie ein Hotelier betont. Seine Gäste blieben im Schnitt über vier Tage und bewegten ihr Auto während des Aufenthalts meist gar nicht.
Trotz allem: Südtirol bleibt gefragt
Bei aller Kritik und allen Herausforderungen steht eines fest: Die Gäste kommen gerne und wieder. Sie schätzten die gute Küche, den Service und die Freundlichkeit. Südtirol sei ein „kleines Paradies mitten in Europa“, wie es ein Hotelier formuliert. Das solle auch so bleiben „aber bitte nicht mit aller Gewalt den Tourismus einbremsen, dann bekommen es alle zu spüren.“





