von ih 14.02.2026 11:31 Uhr

Realität der Pendler gegen Statistik des Landes

Der im Jänner veröffentlichte UT24-Artikel mit dem Titel „Eineinhalb Stunden Verspätung – das kann nicht mehr normal sein“ hat bei vielen Lesern einen Nerv getroffen (hier geht’s zum Artikel). Auslöser war der Bericht einer Mutter, die schilderte, dass Zugverspätungen von 20 bis 30 Minuten auf der Strecke ihres Sohnes beinahe alltäglich geworden sind. In einem konkreten Fall habe sich die Ankunft sogar um rund eineinhalb Stunden verzögert. Für Schüler, Pendler und Familien bedeutet das verpasste Anschlüsse, lange Wartezeiten und erhebliche Planungsunsicherheit. UT24 hat deshalb weiter recherchiert.

Bild: UT24/fe

Erst nicht reagiert, dann unklar

Die Äußerungen der betroffenen Mutter warfen nicht nur Fragen zur Servicequalität auf, sondern auch zur politischen Verantwortung. Wie zuverlässig ist der Bahnverkehr tatsächlich, und wie oft kommt es zu massiven Verspätungen? Um hier Klarheit zu schaffen, richtete UT24 eine Anfrage an den zuständigen Mobilitäts-Landesrat Daniel Alfreider (SVP) und bat um offizielle Zahlen.

Eine direkte Antwort blieb zunächst aus. Erst nach mehreren Wochen reagierte das Ressort und ließ über einen Mitarbeiter eine rein italienische Statistik übermitteln. Diese bezog sich allerdings nicht auf Verspätungen, sondern ausschließlich auf ausgefallene Züge.

Demnach wurden von insgesamt 1.442 Verbindungen 37 komplett gestrichen. Als Hauptursache wurden Streiks genannt, dazu kamen Probleme beim Infrastrukturbetreiber sowie betriebliche Gründe der Bahnunternehmen und einzelne Sonderfälle. Diese Angaben liefern zwar ein Bild über Zugausfälle, gehen jedoch am Kern der ursprünglichen Fragestellung vorbei. Denn im UT24-Artikel ging es nicht um gestrichene Fahrten, sondern um drastische Verzögerungen bei regulär verkehrenden Zügen.

Konkrete Daten bleiben aus

Auf erneute Nachfrage stellte UT24 klar, dass konkrete Verspätungsdaten benötigt würden. Die Antwort darauf fiel erneut knapp aus. Man teilte mit, die durchschnittliche Verspätung an den Bahnhöfen im Unterland liege bei fünf bis sechs Minuten. Diese Information stamme aus den Rückmeldungen der Zugunternehmen. Weitere Details wurden nicht übermittelt.

Weder wurde offengelegt, über welchen Zeitraum sich dieser Durchschnittswert erstreckt, noch wie sich die Verspätungen verteilen. Ebenso blieb unbeantwortet, wie viele Züge deutlich über diesem Schnitt liegen und wie oft es zu gravierenden Verzögerungen kommt. Für genauere Auskünfte müsse man jeweils Datum und Uhrzeit eines konkreten Zuges kennen, um den Einzelfall prüfen zu können, hieß es ergänzend.

Gerade dieser Verweis auf den Durchschnitt sorgt jedoch für Skepsis. Denn ein Mittelwert von wenigen Minuten kann auch dann entstehen, wenn zahlreiche Züge pünktlich fahren, während gleichzeitig eine spürbare Zahl von Verbindungen stark verspätet ist. Solche Ausreißer fallen im Durchschnitt kaum ins Gewicht, treffen die Fahrgäste im Alltag aber umso härter. Wer 30, 60 oder gar 90 Minuten zu spät ankommt, dem hilft die statistische Glättung wenig. Für Pendler zählen nicht Rechenmodelle, sondern reale Ankunftszeiten.

Mittelwert ist nicht aussagekräftig

Entsprechend wächst der Wunsch nach transparenteren Zahlen. Fahrgäste interessiert vor allem, wie häufig Züge deutlich verspätet sind, auf welchen Strecken die meisten Probleme auftreten und zu welchen Tageszeiten sich die Lage zuspitzt. Nur eine differenzierte Darstellung könnte zeigen, ob extreme Verzögerungen seltene Ausnahmen oder doch ein wiederkehrendes Muster sind.

Die von einem Mitarbeiter von Landesrat Daniel Alfreider übermittelten Zahlen beantworten somit nur einen kleinen Teil der offenen Fragen. Sie zeigen, wie viele Züge ausgefallen sind, lassen aber offen, wie verlässlich der Betrieb im Alltag tatsächlich läuft.

 

Der Eindruck vieler Pendler, dass massive Verspätungen häufiger vorkommen, wird durch die vorgelegten Durchschnittswerte weder bestätigt noch widerlegt. UT24 wird daher weiter nachhaken und die Sache weiterhin aufmerksam verfolgen.

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