von ih 13.02.2026 19:25 Uhr

Der Tiroler Knödel ist nicht italienisch!

Die Aufregung kam nicht aus dem Nichts. Sie entstand im Dezember 2025, als die italienische Küche in das UNESCO-Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde. Was zunächst wie eine harmlose kulturpolitische Ehrung klang, entpuppte sich bei näherem Hinsehen als ein Akt mit weitreichender symbolischer Wirkung. Denn mit der pauschalen Anerkennung „der italienischen Küche“ wurden automatisch auch jene regionalen Traditionen einverleibt, die zwar derzeit auf italienischem Staatsgebiet liegen, kulturell und historisch aber aus ganz anderen Wurzeln stammen. Dazu gehört etwa der Tiroler Knödel. Und genau hier beginnt das Problem.

Knödel (Bild UT24/su)

Der Tiroler Knödel ist kein italienisches Gericht. Er ist ein Produkt der Tiroler Alpenkultur. Seine Geschichte ist bäuerlich, alpenländisch, deutsch geprägt. Er entstand in einer Region, die über Jahrhunderte Teil Tirols und damit Österreichs war. Zutaten, Zubereitung, Namen, Wirtshauskultur, Festtraditionen – all das entwickelte sich im gleichen Kulturraum wie nördlich des Brenners. Der Knödel ist dort nicht Beilage, sondern Identität. Wer seine Herkunft kennt, weiß das ohne jede ideologische Verrenkung.

Durch die UNESCO-Anerkennung der „italienischen Küche“ wird nun aber kommunikativ so getan, als sei diese Tradition automatisch italienisch. Nicht durch historische Herleitung, nicht durch kulinarische Entwicklungslinien, sondern durch staatliche Zuordnung. Das ist eine bürokratische Logik, keine kulturhistorische. Und sie verfälscht die Herkunft. Denn ein Gericht wird nicht dadurch italienisch, dass es heute innerhalb italienischer Grenzen gekocht wird. Sonst müsste man weltweit unzählige regionale Spezialitäten neu etikettieren, nur weil Grenzen im 20. Jahrhundert verschoben wurden.

Genau das hat viele Menschen irritiert und verärgert: Diese stillschweigende Mitnahme regionaler, nicht-italienischer Traditionen unter ein nationales UNESCO-Label. Der Knödel wurde nicht einzeln geprüft, nicht einzeln gewürdigt, nicht in seiner Herkunft differenziert eingeordnet. Er rutschte schlicht mit hinein. Kultur per Sammelantrag. Das mag formal zulässig sein, ist aber dennoch falsch.

Denn hier geht es nicht um Spitzfindigkeiten, sondern um kulturelle Wahrheit. Die italienische Küche hat ein starkes, reiches, eigenständiges Profil. Sie braucht den Tiroler Knödel nicht, um bedeutend zu sein. Umgekehrt verliert der Knödel seine Herkunft nicht, nur weil ein Staat ihn nun unter seinem UNESCO-Schirm mitführt. Aber die öffentliche Wahrnehmung verschiebt sich. Und genau dort entsteht kulturelle Vereinnahmung: nicht durch Verbote, sondern durch Erzählung.

Wenn Tourismuswerbung und offizielle Kommunikation nun suggerieren, der Knödel sei Teil der italienischen Küchentradition, dann ist das keine neutrale Beschreibung mehr, sondern nationalistisches Framing. Es schreibt Geschichte um, leise und marketingtauglich. Aus Tiroler Hausmannskost wird italienisches Kulturerbe. Das ist bequem, aber nicht korrekt.

Fakt ist: Der Tiroler Knödel ist nicht italienisch! Er ist Tiroler Kulturgut. Dass er nun unter einem italienischen UNESCO-Titel mitgeführt wird, macht ihn nicht italienisch. Sondern es zeigt nur, wie grob nationale Sammelkategorien manchmal über gewachsene Kultur hinweggehen. Wer kulturelles Erbe schützen will, sollte es zuerst korrekt benennen. Alles andere ist Etikettenschwindel mit Gütesiegel.

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