von mag 12.02.2026 15:46 Uhr

Unsinniger Donnerstag: Wenn in Tirol die „fünfte Jahreszeit“ ihren Höhepunkt erreicht

Während in Büros früher Schluss gemacht wird und sich in vielen Orten die ersten Faschingsumzüge formieren, beginnt auch in Tirol der Höhepunkt der „fünften Jahreszeit“. Doch woher kommt dieser Tag eigentlich – und was hat er mit unserer heimischen Fasnacht zu tun?

Die größte Fasnacht im Alpenraum, das Imster Schemenlaufen, findet alle vier Jahre statt. Bild: Andreas Praefcke, Wikimedia Commons, lizenziert unter Creative Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0).

Woher stammt der „Unsinnige Donnerstag“?

Der Unsinnige Donnerstag – im Rheinland auch als Weiberfastnacht bekannt – ist der Donnerstag vor dem Aschermittwoch und markiert traditionell den Beginn des Straßenkarnevals.

Seine Wurzeln reichen bis ins Mittelalter zurück. Vor der 40-tägigen Fastenzeit wurde noch einmal ausgelassen gefeiert. Essen, Trinken, Maskieren – die Welt stand sprichwörtlich Kopf. Der Begriff „unsinnig“ bedeutete ursprünglich nicht „dumm“, sondern „außer der Ordnung“: Die gesellschaftlichen Regeln wurden für kurze Zeit außer Kraft gesetzt.

Eine organisierte Form erhielt dieser Brauch im Jahr 1824 in Bonn, als Wäscherinnen erstmals ein eigenes Damenkomitee gründeten und symbolisch das Rathaus stürmten. Von dort verbreitete sich die Tradition vor allem im Rheinland – etwa in Köln und Düsseldorf.

Und Tirol? Zwischen Karneval und uralter Fasnacht

In Tirol spricht man weniger vom Karneval, sondern von der Fasnacht – und die ist oft deutlich älter als die rheinischen Bräuche.

Besonders eindrucksvoll zeigt sich das bei traditionsreichen Veranstaltungen wie dem Telfer Schleicherlaufen oder dem Imster Schemenlaufen, das sogar zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe zählt. Diese Fasnachten gehen in ihren Ursprüngen teils bis ins 16. Jahrhundert zurück – manche Maskenbräuche sogar noch weiter.

Während im Rheinland am Unsinnigen Donnerstag vor allem das „närrische Treiben“ im Vordergrund steht, ist die Tiroler Fasnacht stärker von alpenländischer Symbolik geprägt: kunstvoll geschnitzte Larven, traditionelle Figuren, strenge Abläufe und jahrhundertealte Rituale.

Der „Schmotzige“ im Alpenraum

Im alemannischen Raum – also etwa in Vorarlberg oder im schwäbischen Raum – heißt der Tag „Schmotziger Donnerstag“. „Schmotzig“ kommt von „Schmalz“ und verweist auf das letzte üppige Mahl vor der Fastenzeit.

Auch in Tirol war es üblich, vor Aschermittwoch noch einmal deftig aufzutischen. Krapfen, Kiachl und gebackene Spezialitäten gehören bis heute dazu. Der Gedanke dahinter ist überall derselbe: Noch einmal ausgelassen feiern, bevor mit dem Aschermittwoch die Fastenzeit beginnt.

Zwischen Brauchtum und moderner Feierkultur

Heute ist der Unsinnige Donnerstag auch in Tirol vielerorts ein Anlass für Schulbefreiungen, Betriebsfeiern und Faschingsumzüge – etwa in Innsbruck, Hall oder Kufstein. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein für die Pflege des überlieferten Brauchtums.

Gerade in einer Zeit, in der vieles schnelllebig geworden ist, wirkt die Tiroler Fasnacht wie ein Anker: Sie verbindet Generationen, Dörfer und ganze Regionen. Der Unsinnige Donnerstag steht damit nicht nur für Ausgelassenheit, sondern auch für kulturelle Identität.

Ein Tag, der die Ordnung auf den Kopf stellt

Ob rheinische Weiberfastnacht oder Tiroler Fasnacht – der Kern ist derselbe: Für wenige Tage darf die Welt anders sein. Masken erlauben Rollenwechsel, Humor durchbricht Hierarchien, das Dorf wird zur Bühne.

Und vielleicht liegt gerade darin die zeitlose Faszination dieses Tages: Bevor die Fastenzeit beginnt, gönnt man sich noch einmal das bewusste „Aus-der-Reihe-Tanzen“.

In diesem Sinne: Einen fröhlichen Unsinnigen Donnerstag – oder wie man in Tirol sagt: A schiane Fasnacht!

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