Tätigkeitsbericht des Südtiroler Heimatbundes 2025

Autonomiereform: Landesweite Aufklärung und deutliche Warnungen
Geprägt war das Vereinsjahr 2025 vor allem durch das Für und Wider der von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Landeshauptmann Arno Kompatscher geplanten Reform des Südtiroler Autonomiestatuts, wie SHB-Obmann Roland Lang in seinem Tätigkeitsbericht festhält. Bereits im Frühjahr seien die Verhandlungen ausschließlich von der SVP mit Rom geführt worden, während die Bevölkerung lange Zeit im Unklaren gelassen worden sei.
Erste Zweifel seien bereits aufgekommen, als die SVP drei Vertreter der postfaschistischen Rechten in die Landesregierung berief. Kritik daran sei jedoch von Landeshauptmann Kompatscher und insbesondere von SVP-Parteiobmann Dieter Steger nicht zugelassen worden. Mit der Veröffentlichung des Reformtextes sei schließlich deutlich geworden, so Lang, welche weitreichenden Folgen die geplanten Änderungen hätten.
Besonders der Einsatz des italienischen Politikers Alessandro Urzà für die Reform habe für große Skepsis gesorgt. Was der Bevölkerung als Rückholung verlorener Kompetenzen präsentiert worden sei, entpuppte sich laut SHB als massive Schwächung der Autonomie. Eine erste Analyse des Verfassungsrechtlers Prof. Peter Hilpold bestätigte diese Einschätzung: Die völkerrechtliche Absicherung werde durch eine weitgehend wirkungslose Einvernehmensklausel ersetzt, zudem sei der Text gegenüber dem Entwurf von 2024 erheblich abgeschwächt. Auch Rechtsanwalt Paolo Gobbato kritisierte, dass eine echte Aufwertung der Autonomie fehle und das nationale Interesse weiterhin Vorrang habe.
Als Reaktion startete der Südtiroler Heimatbund im Mai 2025 eine landesweite Plakataktion mit der klaren Botschaft „SÜDTIROLER VERRATEN! AUTONOMIE VERKAUFT.“ Über einen QR-Code wurden sachlich auf die aus Sicht des SHB größten Gefahren der Reform hingewiesen: Rom könne weiterhin unter Berufung auf das nationale Interesse gegen den Willen Südtirols entscheiden, die Schutzfunktion Österreichs werde untergraben, Minderheitenrechte würden zu inneritalienischen Angelegenheiten erklärt. Besonders kritisiert wurde auch die geplante verpflichtende Verwendung der Bezeichnung „Alto Adige“ in deutscher Sprache sowie die vorgesehene Ausweitung des Wahlrechts auf Personen mit nur zweijährigem Wohnsitz.
Foto: Südtiroler Heimatbund
Der SHB betont zudem, dass die im Autonomiekonvent von hunderten Bürgern erarbeiteten Reformvorschläge von den Verhandlungen völlig ausgeklammert worden seien. Anstatt Kompetenzen auszubauen – etwa in Steuer- und Finanzfragen, im Energiesektor oder beim Schutz der Orts- und Flurnamen – sei laut SHB sogar auf bestehende Zuständigkeiten verzichtet worden.
Vereinsleben und Gedenken: Kultur, Erinnerung und Abschied
Neben der politischen Arbeit kam auch das Vereinsleben 2025 nicht zu kurz. Am 25. Mai unternahmen zahlreiche Mitglieder eine Kulturfahrt in die nach dem Ersten Weltkrieg von Südtirol abgetrennten ladinischen Täler. Unter der Leitung von Thomas Winnischhofer führte die Fahrt über das Grödental und das Pordoijoch zur Burg Andraz am Fuß des Col di Lana. Einen besonderen Höhepunkt bildete der Besuch des Museums „la gran vera“ in Moena, wo einer der Gründer, Michele Simonetti Federspiel, die Gruppe persönlich empfing und im Zeichen der Freundschaft eine österreichische Fahne überreichte.
Foto: Südtiroler Heimatbund
Abseits der üblichen Gedenkfeiern erinnerte der Südtiroler Heimatbund im Juli an einen bis heute ungesühnten faschistischen Mord im Pfossental. Am Marterle für den 72-jährigen Hirten Johann Spechtenhauser, der 1942 von einem faschistischen Grenzmilizionär erschossen wurde, legte der SHB einen Kranz nieder. An der Gedenkfeier nahmen unter anderem Mitglieder der Schützenkompanie Naturns sowie Vertreter aus Politik, Medien und Geschichtsforschung teil. In seinem Grußwort mahnte Bürgermeister Peter Grüner zu Erinnerung, Zivilcourage und Menschlichkeit. Buchautor Günther Rauch warnte vor der Gefahr neuen Totalitarismus, wenn staatliche Verbrechen unaufgearbeitet blieben.
Foto: Südtiroler Heimatbund
Ein weiterer denkwürdiger Moment war der Gedenktag für Sepp Kerschbaumer in St. Pauls. Strafverteidiger und Menschenrechtsexperte Dr. Nicola Canestrini forderte dort eine vollständige Aufarbeitung der Menschenrechtsverletzungen an Südtiroler Häftlingen der 1950er- und 1960er-Jahre und kritisierte das Ausbleiben juristischer Verantwortung Italiens.
Der SHB begleitete im Jahr 2025 auch zwei ehemalige Freiheitskämpfer auf ihrem letzten Weg. Andreas Ladurner war im zweiten Mailänder Südtirol-Prozess zu mehreren Jahren Haft verurteilt worden, konnte jedoch 1968 nach einem Strafnachlass in seine Heimat zurückkehren. Sepp Forer, Mitglied der „Pusterer Buam“, verstarb am 5. Februar 2025 im Nordtiroler Exil. Trotz seiner Betonung, dass sich der Widerstand ausschließlich gegen Sachwerte gerichtet habe, war er in Italien in Abwesenheit zweimal zu lebenslanger Haft verurteilt worden. In Österreich wurde er auf italienischen Druck inhaftiert, jedoch auf Intervention von Landeshauptmann Eduard Wallnöfer wieder freigelassen. Forer lebte später mit seiner Familie in Nordtirol.






