von mmh 10.02.2026 15:01 Uhr

Mehrsprachige Ortsnamen: Deutsche und Ladiner stimmen mehrheitlich dagegen

Eine aktuelle Umfrage des Südtiroler Sprachbarometers zur Toponomastik liefert ein eindeutiges Bild: Während in der deutschen Sprachgruppe 75 Prozent gegen eine durchgehend zwei- oder dreisprachige Ortsnamengebung sind, sprechen sich lediglich 25 Prozent dafür aus. Auch unter den Ladinern findet die Mehrsprachigkeit keine Mehrheit: 53 Prozent lehnen sie ab, 47 Prozent unterstützen sie. Bei der italienischen Sprachgruppe zeigt sich hingegen ein völlig anderes Bild: Nur 7 Prozent sprechen sich klar dagegen aus, während 53 Prozent mehrsprachige Ortsnamen befürworten.

Der Sprachwissenschaftler und Toponomastikexperte Dr. Cristian Kollmann (Foto: privat)

Die Umfrageergebnisse spiegeln die Haltung der Sprachgruppen wider, deren Orts- und Flurnamen historisch fundiert und kulturell verankert sind. Die italienische Sprachgruppe dagegen hat offenbar keine Probleme mit Mehrsprachigkeit – wohl auch, weil vielen Befragten das historische Wissen über die Entstehung der Ortsnamen fehlt. Viele italienische Orts- und Flurnamen stammen aus der faschistischen Zeit und wurden ideologisch konstruiert, um den Eindruck einer flächendeckenden historischen Italianität Südtirols zu vermitteln, die es historisch nie gab.

Landesregierung versäumt Aufklärungsarbeit

Dr. Cristian Kollmann vom Landtagsklub der Süd-Tiroler Freiheit kritisiert, dass die Landesregierung seit Jahren keine umfassende Informationsarbeit zur Toponomastik geleistet hat. Ein entsprechender Antrag der Partei aus dem Jahr 2016 forderte die Entwicklung einer Informationskampagne, um über historische, wissenschaftliche und sprachpolitische Aspekte aufzuklären – zehn Jahre später ist dies bislang nicht geschehen.

Sprachbarometer ohne Kontext kritisch

Kollmann weist darauf hin, dass das Sprachbarometer selbst ohne diesen Hintergrund kritisch zu sehen sei. Die Befragung hätte die historische Differenzierung berücksichtigen müssen: Viele italienische Ortsnamen wurden erst unter dem Faschismus eingeführt und sind nicht mit den authentisch überlieferten deutschen, ladinischen oder italienischen Ortsnamen vergleichbar. Ohne diesen Kontext wird die Mehrsprachigkeit auf eine Ebene gestellt, die die historischen Unterschiede nicht widerspiegelt.

Mehrheit gegen künstliche Mehrsprachigkeit

Trotz fehlender Aufklärung zeigt sich ein deutliches Ergebnis: Die deutsche Mehrheit und auch die Ladinische lehnen die flächendeckende Mehrsprachigkeit ab. Kollmann betont, dass bei entsprechender Aufklärung auch die italienische Sprachgruppe möglicherweise eine größere Wertschätzung für die historisch belegten Ortsnamen entwickeln würde.

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