Olympia-Gold für Österreich: Wahltiroler Benjamin Karl triumphiert in Livigno

„Ich habe das vom Hermann Maier. Er hat sich mal den Rennanzug vom Leib gerissen, und ich habe mir oben am Start gedacht, ich mache das jetzt auch“, erklärte Karl seine emotionale Geste im Zielraum, nachdem er sich am Oberkörper alles ausgezogen und eine Muskelpose des Triumphs gezeigt hatte. Maier sei immer ein großes Vorbild von ihm gewesen. „Es waren meine ersten Olympischen Spiele, wo ich ins Finale gekommen bin und meine Emotionen unter Kontrolle gehabt habe. Ich habe nichts zu verlieren gehabt. Usain Bolt hat gesagt, ’never forget, I am the greatest'“, sagte er scherzhaft und fügte hinzu: „Das ist die Krönung meiner Karriere“.
Karl gratulierte auch Payer
Auch für Payer freute er sich in der Stunde seines Triumphes, vor vier Jahren hatte mit Daniela Ulbing ebenfalls eine ÖSV-Dame an seinem Goldtag Silber gewonnen. „Sabine hat Ester Ledecka rausgehaut, wie geil war das? Wir wissen, dass sie schnell ist, das zeigt, dass sie auch stark im Kopf ist“, sagte der Doppel-Olympiasieger.
Benjamin Karl, der schon vor den Spielen über einen kompletten olympischen Medaillensatz verfügt hatte, rang im Finale den Südkoreaner Kim Sang-kyum um 0,19 Sekunden nieder, war zuvor noch zurückgelegen. Nach Silber 2010, Bronze 2014 und Gold 2022 triumphierte der fünffache Weltmeister neuerlich im Zeichen der Fünf Ringe.
Sabine Payer besiegte Ledecka
Payer ebnete sich im Viertelfinale den Weg zur Medaille: Sie besiegte die tschechische Favoritin Ester Ledecka um sechs Hundertstel und danach auch im Halbfinale die spätere Bronzegewinnerin Lucia Dalmasso aus Italien. Im großen Finale musste sich die 33-jährige Kärntnerin dann aber mit Zuzana Maderova Ledeckas Landsfrau nach mehreren Fehlern um 0,83 Sekunden geschlagen geben.
„Das ist jetzt mehr als schön. Ich war gut drauf, aber ich habe es nicht erwartet“, erklärte Payer, die wegen ihrer Vorgeschichte eine sehr nervöse vergangene Woche hinter sich hat. „Ich war dermaßen nervös und habe Sorge gehabt, das mir was passiert.“ Erst am Tag vor dem Rennen hatte sie sich etwas beruhigt. „Dann ist es leicht, dann muss ich nur mal Snowboarden“, scherzte sie. In der Qualifikation sei sie noch etwas verhalten gefahren, nicht mehr dann gegen Ledecka. „Ich habe gewusst, da muss ich all-in gehen, wenn ich um eine Medaille mitfahren will, dass der aufgegangen ist, war mega.“
Dem verlorenen Finale trauerte Payer nicht nach. „Ich habe ‚derstrudelt‘ im großen Finale und ein bisserl einen Fehler gemacht. Sechs Läufe müssen sitzen, das ist gar nicht so einfach. Ich bin mehr als happy mit der Silbernen.“
Karl gewann auch Dacapo vom Oly-Finale 22
Karl hatte sich im Halbfinale in einer Wiederholung des großen Olympia-Finales von 2022 wieder gegen den Slowenen Tim Mastnak um 0,24 Sekunden durchgesetzt. Zuvor hatte er sich im spannenden Achtelfinale gegen den starken Italiener Maurizio Bormolini hauchdünn um 3 Hundertstel durchgesetzt und ein Österreicher-Duell mit Andreas Prommegger fixiert. Letzterer setzte sich zuvor im Achtelfinale gegen den Südkoreaner Lee Sangho um 0,17 Sekunden durch. Im Viertelfinalduell mit Karl musste sich Prommegger bei seinen sechsten Olympischen Spielen um 0,12 Sekunden geschlagen geben, damit bleibt er ohne Olympia-Edelmetall.
Ebenfalls bis ins Achtelfinale vorgestoßen war Claudia Riegler. Die 52-Jährige war dann allerdings gegen die tschechische Olympiasiegerin Ester Ledecka chancenlos.
Lob vom Landeshauptmann
Landeshauptmann Anton Mattle zeigte sich beeindruckt von der Leistung des Wahltirolers und gratulierte herzlich zum Olympiaerfolg. Benjamin Karl gehöre seit vielen Jahren zur absoluten Weltspitze im Snowboard-Sport. Der Olympiasieg unterstreiche seine außergewöhnliche Klasse und sei ein großer Erfolg für den österreichischen Wintersport, so Mattle.
Vorbild für den Nachwuchs
Auch Sportreferent Landeshauptmannstellvertreter Philip Wohlgemuth fand klare Worte der Anerkennung. Mit seinem Einsatz und seiner Professionalität sei Benjamin Karl ein Vorbild für viele junge Sportler. Der Olympiasieg in Livigno sei das Ergebnis harter Arbeit und jahrelanger Konstanz auf höchstem sportlichem Niveau.
ÖSV-Trio schied schon in Qualifikation aus
Bereits in der Qualifikation mit zwei Zeitläufen hatten sich drei Österreicher verabschieden müssen. Darunter auch Fabian Obmann, der sich nach zuletzt drei Podestplätzen Medaillenchancen ausgerechnet hatte. „Es ist ein selektiver Hang mit einigen Kuppen, wir haben das nie trainiert“, sagte Obmann. Er verlor durch einen schweren Fehler über eine solche Kuppe vor dem Flachstück bereits im ersten Lauf 1,90 Sek. auf die Schnellsten. „Ich weiß, dass ich den Speed für die Medaillen gehabt hätte. Es tut extrem weh, wenn es vor dem eigentlichen Rennen endet“, sagte der Kärntner, der am Ende nur 20. wurde. „Ich bin mit vollem Selbstvertrauen gestartet. Es tut mir leid, dass mir meine Familie und Freunde nicht länger zuschauen konnten.“
Das Aus kam auch für Alexander Payer (17.), der danach seiner Frau Sabine die Daumen drückte. „Ob du 15. oder 17. bei Olympia wirst, ist auch schon wurscht. Was mich eher wundert, ist der Zeitrückstand auf die Italiener. Ich wüsste auch nicht, wie ich die 2,50 schneller fahren sollte – null Idee.“ Ein Materialthema könne es nicht sein. „Ein Wunderboard können sie nicht haben, weil ich fahre das Gleiche wie der Aaron. Sie sind in einer Überform und treffen es auch brutal gut.“ Im Achtelfinale zuschauen musste auch Martina Ankele (23.).
UT24/APA






