Frauen und Männer verdienen erst 2043 gleich viel

Gegenüber 2023 zeichnete sich 2024 nach der Berechnung von BPW immerhin eine leichte Verringerung der Einkommenslücke von 12,2 auf 11,5 Prozent ab. Geht die Lücke künftig jedes Jahr um 0,7 Prozentpunkte zurück, schließt sich die Lohn- und Gehaltsschere zwischen ganzjährig und in Vollzeit beschäftigten Frauen und Männern erst im Jahr 2043. In absoluten Zahlen erhöhte sich das jährliche Medianeinkommen von Frauen von 47.154 auf 51.261 Euro brutto im Jahr 2024. Jenes ihrer männlichen Kollegen stieg von 53.694 auf 57.955 Euro an. Im Bundesländervergleich weist weiterhin Vorarlberg die größte Benachteiligung von Frauen mit einem Gehaltsunterschied von 20,1 Prozent auf, am geringsten ist der Einkommensunterschied in Wien mit 4,2 Prozent.
Zweiter Equal Pay Day am 5. November
Der Equal Pay Day wird jedes Jahr von verschiedenen Organisationen berechnet. Als Grundlage dienen die aktuellsten verfügbaren Daten der Lohnsteuer- und Sozialversicherungsdaten der Statistik Austria aus dem Jahr 2024. Ausschlaggebend für die Berechnung ist die Differenz zwischen weiblichen und männlichen Bruttojahreseinkommen. Je nach Berechnungsmethode fällt der Equal Pay Day aber auf unterschiedliche Tage.
Die AK Oberösterreich kündigte etwa auf APA-Anfrage den Equal Pay Day dieses Jahr für den 5. November an. Anders als BPW rechnet die AK vom Jahresende rückwärts, Basis ist hier statt dem Median- das Durchschnittseinkommen. Demnach arbeiteten Frauen 2024 rund 57 Tage „gratis“, was einer Verbesserung um drei Tage gleichkommt. Die AK gibt eine Einkommenslücke von 15,5 Prozent oder 10.542 Euro brutto jährlich an, gegenüber 2023 eine leichte Verbesserung um rund 0,8 Prozentpunkte.
Etwas mehr Frauen in Vollzeit
Den Aufwärtstrend führt die AK auf einen höheren nominellen Anstieg des durchschnittlichen Vollzeiteinkommens von Frauen zurück. Dem Anstieg von 8,1 Prozentpunkten bei den Frauen steht eine Erhöhung um 7,2 Prozentpunkte bei Männern gegenüber. Auch arbeiteten etwas mehr Frauen – um 0,7 Prozentpunkte mehr – in Vollzeit, während die Vollzeitbeschäftigungsquote vor allem aufgrund der Rezession der Industrie bei Männern um 0,5 Prozentpunkte zurückging.
Zu beachten ist allerdings, dass die Werte zum Equal Pay Day nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung sind. Ungleiche Bezahlung von Lehrlingen, Saisonkräften und Teilzeitbeschäftigten wird etwa von dieser statistischen Auswertung nicht erfasst. Um die Lücke weiter zu schließen, raten Expertinnen und Experten immer wieder dazu, Kinderbetreuungsplätze auszubauen, gerechte Modelle für den Bezug des Kinderbetreuungsgeldes einzuführen und für Transparenz bei Löhnen und Gehältern zu sorgen. Die EU-Lohntransparenzrichtlinie, die Österreich bis Juni in nationales Recht umsetzen muss, könnte sich hier zukünftig positiv auswirken.
APA
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