von Alexander Wurzer 07.02.2026 10:00 Uhr

Ã…land und die Schule: Konsequenter Minderheitenschutz ohne Experimente

In Südtirol wird derzeit erneut eine alte Debatte aufgewärmt: die Forderung nach „mehrsprachigen Schulen“. Was als modern, weltoffen und zukunftsorientiert etikettiert wird, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als riskantes Experiment – eines, das genau jene Schutzmechanismen infrage stellt, auf denen Autonomie und Minderheitenschutz in diesem Land beruhen.

Schule auf Åland Schwedisch als selbstverständliche Unterrichtssprache

Ein Blick nach Norden reicht, um zu erkennen, dass es auch anders geht. Die Åland-Inseln sind klein, überschaubar und von einer deutlich größeren Mehrheitssprache umgeben. Die Situation ist jener Südtirols strukturell ähnlich. Der Unterschied liegt jedoch in der Haltung: Auf Åland ist Schwedisch selbstverständlich Unterrichts-, Amts- und Verkehrssprache. Punkt.

Finnisch wird respektiert, gelernt und gesprochen, aber es strukturiert nicht die Schule. Niemand empfindet das als Ausgrenzung, niemand fordert „mehrsprachige Modellversuche“, niemand sieht darin ein Integrationsproblem. Im Gegenteil: Gerade diese Klarheit schafft Stabilität, Ruhe und einen funktionierenden Minderheitenschutz. Åland schützt seine Sprache nicht defensiv, sondern selbstbewusst.

Unterrichtssprache ist eine politische Entscheidung

Auf Åland weiß man, dass die Unterrichtssprache kein pädagogisches Detail ist, sondern eine strategische Grundsatzentscheidung. Wer die Schule relativiert, relativiert langfristig die eigene Sprachgemeinschaft. Deshalb ist die Schule dort kein Ort für modische Reformideen, sondern das Rückgrat der Autonomie.

Diese Einsicht war auch in Südtirol einmal unbestritten. Das getrennte Schulwesen für deutsche, ladinische und italienische Sprachgruppen wurde geschaffen, um Assimilation zu verhindern und sprachliche Kontinuität zu sichern. Es war – und ist – ein Schutzinstrument.

Südtirols Schulen sind Schutzräume

Das bestehende Südtiroler Modell ist keine „Trennung“, sondern ein Schutzraum. Es garantiert, dass jede Sprachgruppe ihre Sprache nicht nur privat, sondern im zentralen öffentlichen Bereich Bildung lebt. Genau das ist funktionierender Minderheitenschutz.

Auf Åland würde man diese Logik sofort nachvollziehen. Dort gilt es als normal, dass eine Minderheit ihre zentralen Institutionen schützt, anstatt sie aus falsch verstandener Offenheit aufzuweichen. Niemand erwartet von den Åländern, ihre Schule „mehrsprachig“ zu machen, um moderner zu wirken.

Mehrsprachige Schule: Das Experiment beginnt leise – und endet selten freiwillig

Auch in Südtirol beginnt alles scheinbar harmlos: Modellversuche, Pilotprojekte, „freiwillige Angebote“. Doch Erfahrungen aus anderen Regionen zeigen, dass solche Experimente selten freiwillig bleiben. Was heute Option ist, wird morgen Erwartung und übermorgen Norm.

Åland zieht hier eine klare Linie. Man weiß dort, dass Sprachen in kleinen Gemeinschaften nicht gleichberechtigt konkurrieren. Setzt man zwei Sprachen dauerhaft nebeneinander, setzt sich die stärkere durch. In Südtirol wäre das Italienisch – mit absehbaren Folgen für Deutsch.

Selbstbewusstsein statt Rechtfertigungsdruck

Ein entscheidender Unterschied liegt im öffentlichen Diskurs. In Südtirol müssen sich Verteidiger des muttersprachlichen Schulwesens rechtfertigen. Auf Åland wäre das unvorstellbar. Dort gilt eine einfache Wahrheit: Eine Minderheit, die ihre Institutionen nicht schützt, wird langfristig zur Folklore.

Gerade deshalb sind die Inseln ein so starkes Referenzmodell. Sie zeigen, dass Minderheitenschutz europäisch, demokratisch und modern sein kann – ohne Entschuldigungen, ohne moralische Selbstkasteiung.

Mehrsprachigkeit braucht ein Fundament

Mehrsprachigkeit ist ein Wert, daran zweifelt niemand. Aber sie entsteht nicht durch das Vermischen von Unterrichtssprachen, sondern durch hochwertigen Zweit- und Drittsprachenunterricht auf einer stabilen muttersprachlichen Basis. Ã…land beweist, dass klare schulische Strukturen und gesellschaftliche Mehrsprachigkeit kein Widerspruch sind.

Die Lehre von Ã…land

Die Konsequenz ist eindeutig: Ja zu starken deutschen, ladinischen und italienischen Schulen. Ja zu klaren Zuständigkeiten. Nein zu schulischen Experimenten auf dem Rücken der Minderheiten.

Südtirol muss sich nicht neu erfinden, um modern zu sein. Es muss nur den Mut haben, das zu verteidigen, was andere Minderheiten in Europa längst als selbstverständlich betrachten. Åland macht vor, wie Minderheitenschutz in der Schule wirklich aussieht.

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