von mmh 05.02.2026 13:54 Uhr

Mehrsprachige Schule sorgt für hitzige Diskussion im Landtag

Im Südtiroler Landtag hat der Landesgesetzentwurf der Grünen zur Einführung einer „mehrsprachigen Schule als Zusatzangebot“ eine intensive und teils emotionale Debatte ausgelöst.

Brigitte Foppa(Grüne). Sven Knoll(Süd-Tiroler Freiheit), (Fotomontage/UT24)

Befürworter sehen Chancen für Kinder

Die Grünen begründen ihren Vorschlag mit dem Wunsch großer Teile der Bevölkerung nach mehrsprachigen Bildungswegen. Als Grundlage wird die europäische Vorgabe „Muttersprache plus zwei Fremdsprachen“ genannt, die bereits 2002 auf EU-Ebene beschlossen wurde. Laut Erstunterzeichnerin Brigitte Foppa hätten aktuelle Astat-Daten gezeigt, dass mittlerweile 75 Prozent der Eltern zweisprachige Angebote im Vorschulalter befürworten. Viele Jugendliche fühlten sich unsicher beim Sprechen der jeweils anderen Landessprache. Foppa betonte: „Mehrsprachige Schulmodelle nehmen niemandem etwas weg und öffnen Kindern neue Chancen.“

Unterstützung erhielt der Gesetzentwurf unter anderem von Abgeordneten des Partito Democratico und von Renate Holzeisen (Vita). Sie hoben hervor, dass frühes Sprachenlernen die Bildungsgerechtigkeit stärkt und Kindern bessere Zukunftsperspektiven eröffnet.

SVP und Süd-Tiroler Freiheit warnen vor Risiken

Deutliche Kritik kam aus den Reihen der SVP, der Süd-Tiroler Freiheit und der Freiheitlichen. Sie warnten vor einer schleichenden Aushöhlung des muttersprachlichen Unterrichts, der als Grundpfeiler des Minderheitenschutzes und der Autonomie gilt. Art. 19 des Autonomiestatuts sei kein Hindernis für moderne Bildung, sondern das Fundament für den Erhalt der deutschen Sprache und Identität in Südtirol, hieß es mehrfach. Mehrsprachige Schulmodelle in anderen Regionen wie dem Aostatal wurden als abschreckendes Beispiel genannt.

Hannes Rabensteiner (Süd-Tiroler Freiheit) betonte: „Die Muttersprache ist die Seele eines Volkes. Wer sie schwächt, gefährdet die Identität unserer Kinder.“ Sven Knoll (Süd-Tiroler Freiheit) warnte, dass Experimente im Schulwesen die harte Arbeit der vergangenen Generationen für den Erhalt der deutschen Sprache zunichte machen könnten.

Ulli Mair (Freiheitliche) unterstrich, dass die deutsche Schule nicht verwässert werden dürfe. Sie forderte, dass Qualität und Intensität des bestehenden Deutschunterrichts Vorrang haben müssten, bevor man zusätzliche Modelle einführt.

Landesrat Christian Bianchi mahnt pragmatische Lösung an

Landesrat Christian Bianchi wies darauf hin, dass viele Jugendliche nach 13 Jahren Schulpflicht noch Schwierigkeiten beim Zweisprachigkeitsnachweis hätten. Dies wirke sich zunehmend auf den Arbeitsmarkt und die öffentliche Verwaltung aus. Gleichzeitig betonte er den Respekt vor allen Positionen und die Bedeutung von Identität und Minderheitenschutz: „Wir müssen die Chancen unserer Kinder sichern, ohne die Grundlagen der Autonomie zu gefährden.“

Am Ende der Plenardebatte wurde deutlich, wie tief die Gräben beim Thema Schule, Sprache und Autonomie in Südtirol weiterhin sind. Die einen sehen im mehrsprachigen Zusatzangebot eine zeitgemäße Antwort auf gesellschaftliche Entwicklungen, die anderen befürchten eine Gefährdung eines hart erkämpften Systems.

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