von lif 05.02.2026 11:18 Uhr

Italien schlechter als Österreich: 98 Kilo Lebensmittelabfall pro Person

Am heutigen 5. Februar begeht Italien zum 13. Mal den Nationalen Tag zur Vorbeugung der Lebensmittelverschwendung. Das diesjährige Motto lautet „2030Calling“, denn um die global bzw. auf EU-Ebene angestrebte Verringerung der Lebensmittelverluste und -abfälle zu erreichen, würden nur mehr etwas mehr als vier Jahre bleiben.

Bild: APA (Archiv/epa)

Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (SDGs – Sustainable Development Goals) aus 2015 sehen eine Halbierung der Menge der Lebensmittelabfälle (pro Kopf) im Einzelhandel und in den Haushalten vor (Ziel 12.3). Zusätzlich sollen die Nahrungsmittelverluste entlang der Produktions- und Lieferkette deutlich verringert werden. Zweifel am Erreichen dieser Ziele sind mehr als berechtigt, so die Verbraucherzentrale Südtirol in einer Aussendung. Den aktuellen Berichten der internationalen Organisationen zufolge gingen im Jahr 2021 schätzungsweise 13 Prozent der globalen Lebensmittelproduktion entlang der Lieferkette verloren, also nach der Ernte, während Lagerung und Transport, in der Industrie sowie im Großhandel (FAO 2023), und 19 Prozent der verfügbaren Lebensmittel (über eine Milliarde Tonnen) wurden in Haushalten, in der Außer-Haus-Verpflegung und im Einzelhandel entsorgt – für den Löwenanteil davon (60 Prozent) waren die Haushalte verantwortlich (UNEP 2024). Das alles habe gravierende Folgen für die Welternährung, aber auch für das Klima: schätzungsweise acht bis zehn Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen sind durch Lebensmittelverluste und Lebensmittelabfälle verursacht (IPCC 2019).

Italien stellt hier keine Ausnahme dar. Im EU-Vergleich schneidet Italien mit 98 kg Lebensmittelabfällen (einschließlich der nicht essbaren Teile wie Eier- oder Nussschalen) pro Person und Jahr in den Haushalten sogar deutlich schlechter ab als Deutschland (76 kg), Österreich (70 kg), Frankreich (61 kg) oder Slowenien (34 kg) und liegt auch deutlich über dem EU-Durchschnitt von 69 kg pro Person und Jahr (Eurostat 2025, Daten aus 2023).

Doch nun dürfte es tatsächlich Ernst mit der Verringerung der Lebensmittelabfälle werden: im September 2025 hat das Europäische Parlament im Zuge der Überarbeitung der Abfallrahmenrichtlinie (Richtlinie (EU) 2025/1892) erstmals verpflichtende Reduktionsziele beschlossen. Seit 2019 gilt EU-weit eine einheitliche Methode zur Erhebung der Menge der Lebensmittelverluste und -abfälle entlang der Lieferkette. „Bis Ende 2030 müssen die EU-Mitgliedstaaten die Lebensmittelabfälle im Einzelhandel, in der Außer-Haus-Verpflegung und in den privaten Haushalten um 30 Prozent sowie die Lebensmittelverluste in der Verarbeitung und Herstellung um zehn Prozent verringern“, erläutert Silke Raffeiner, die Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Südtirol (VZS). „Als Vergleichsbasis dienen die durchschnittlichen Lebensmittelabfallmengen pro Kopf und Jahr im Zeitraum 2021 bis 2023.“

Wie sieht’s in Südtirol aus?

Die Lebensmittelverluste und -abfälle in Südtirol werden derzeit durch das Landesamt für Abfallwirtschaft in Zusammenarbeit mit der österreichischen Universität für Bodenkultur und allen relevanten Interessensgruppen erhoben. Erst wenn diese Zahlen als Vergleichsbasis vorliegen, wird man auch die erreichte Reduktion überprüfen können.

Zusätzlich zur Belastung des Klimas, zum unnötigen Ressourcenverbrauch und zu Fragen der Ethik stellt die Verschwendung von Lebensmitteln auch einen Kostenfaktor dar, vor allem angesichts der Teuerung der vergangenen Jahre im Lebensmittelbereich. Schließlich bezahlen Haushalte auch für jene Lebensmittel, die sie später entsorgen. Landwirtschaftliche Betriebe und Unternehmen verlieren Geld, wenn Lebensmittel entlang der Lieferkette verloren gehen. EU-weit werden die Kosten der Lebensmittelverschwendung auf 132 Milliarden Euro (Marktwert) geschätzt, weitere 9,3 Milliarden Euro kostet die Sammlung und Entsorgung der Lebensmittelabfälle (EU-Kommission 2023).

Jetzt
,
oder
oder mit versenden.

Es gibt neue Nachrichten auf der Startseite