Bettenstopp: Verbände warnen vor Aufweichung der Regeln

Der Bettenstopp war 2022 nach längeren Beratungen eingeführt worden, um der touristischen Überentwicklung entgegenzuwirken und das Wachstum klar zu begrenzen. Viele Gemeinden und Betriebe hätten ihre Planungen seither an die Vorgaben angepasst, betonen die Verbände. Eine nachträgliche Öffnung durch Sonderregelungen bestrafe nun jene, die sich frühzeitig an die Regeln gehalten hätten, und gefährde das Vertrauen in politische Verlässlichkeit.
Aus Sicht der Organisationen ist die Verlagerung der Entscheidungskompetenz auf die kommunale Ebene problematisch. Gerade in stark touristisch geprägten Orten sei der Druck auf die lokale Politik besonders hoch. Sachliche und unabhängige Einzelentscheidungen seien unter diesen Umständen kaum möglich. Raumordnung und Tourismusentwicklung seien zu komplex und zu weitreichend, um sie isoliert auf Gemeindeebene zu regeln.
„Kein völliger Stillstand“
Zudem habe Tourismus Auswirkungen, die nicht an Gemeindegrenzen endeten. Verkehr, Mietpreise, Arbeitsmarkt und Bodenverbrauch beträfen ganze Regionen. Deshalb brauche es weiterhin klare landesweite Vorgaben statt einzelner Entscheidungen „hinter verschlossenen Türen“. Wenn jede Gemeinde eigene Wege gehe, werde das Grundprinzip des Bettenstopps faktisch ausgehöhlt, warnen die Verbände.
Gleichzeitig stellen die Organisationen klar, dass der Bettenstopp keinen völligen Stillstand bedeute. Auch innerhalb des bestehenden Rahmens seien maßvolle Entwicklungen möglich – etwa über Vorschusskontingente, qualitative Erweiterungen oder gezielte Bettenkontingente, insbesondere in strukturschwachen Gebieten.
Unterstützung erhält ihre Position durch eine laufende Online-Petition. Die Initiative „Bettenstopp jetzt für Südtirol!“ verzeichnet nach Angaben der Träger inzwischen rund 8.400 Unterschriften. Dies sei ein starkes Signal aus der Bevölkerung für eine Kurskorrektur in der Tourismuspolitik. Ziel sei nicht ein Entwicklungsstopp, sondern eine nachhaltige Ausrichtung „in Maßen statt in Massen“. Die Verbände rufen weiterhin zur Beteiligung an der Petition auf.






