von lif 31.01.2026 18:17 Uhr

Identitätsverlust durch gemischtsprachige Schulen

Der Streit um gemischtsprachige Schulen in Südtirol flammt wieder auf. Die Süd-Tiroler Freiheit sieht in den Plänen der Grünen eine Gefahr für die deutsche Sprache und die Tiroler Identität.

Bild: APA

Im Landtag hat die Debatte kürzlich an Fahrt aufgenommen. Die Grünen haben einen neuen Vorstoß gemacht, um zweisprachige Klassen als freiwilliges Zusatzangebot einzuführen. Das soll bei einer Mindestanzahl von Anmeldungen möglich sein: 14 Kinder im Kindergarten und 15 in den Schulstufen. Laut den Grünen basiert das auf Umfragen, die eine Zustimmung von rund 60 Prozent der Bürger zeigen. Die Idee ist nicht neu, denn schon 2019 legten die Grünen einen ähnlichen Gesetzentwurf vor, der als „Recht auf Mehrsprachigkeit im Bildungssystem“ bezeichnet wurde. Damals scheiterte es, und auch 2023 und 2025 gab es Ablehnungen. Nun warnen Kritiker vor langfristigen Folgen für die Region.

Die Warnung der Süd-Tiroler Freiheit

Die Süd-Tiroler Freiheit spricht sich entschieden gegen die Pläne aus. Wie die Partei auf ihrer Facebook-Seite mitteilt, verbirgt sich hinter dem Vorwand der Mehrsprachigkeit ein ideologisches Projekt, das die deutsche Sprache schwächt und die Tiroler Identität gefährdet. Südtirol drohe die Assimilierung zur italienischen Provinz, heißt es dort weiter. Die muttersprachliche Schule bleibe unverzichtbar für den Minderheitenschutz und die Autonomie, betont die Bewegung. Als negatives Beispiel wird das Aostatal genannt: Dort haben gemischtsprachige Schulen dazu geführt, dass lokale Sprachen wie Französisch und Frankoprovenzalisch fast aus dem Alltag verschwunden sind. Nach dem Zweiten Weltkrieg sprachen dort knapp 90 Prozent diese Sprachen, heute nur noch ein Viertel Frankoprovenzalisch und zwei Prozent Französisch, wie die Süd-Tiroler Freiheit in einem Post von 2020 hervorhebt. Die Partei sieht in dem Vorschlag keinen Beitrag zur Vielfalt, sondern einen Angriff auf die muttersprachliche Schule und den Kern des Minderheitenschutzes. Freiwilligkeit sei irreführend, da gesellschaftlicher Druck entstehen könne, der Eltern stigmatisiere, die die traditionelle deutsche Schule wählen.

Die Position der Grünen

Die Grünen werben für die gemischtsprachigen Klassen als freiwilliges Angebot, das das bestehende System ergänzt. Es soll Kindern helfen beide Landessprachen besser zu lernen und basiert auf dem Recht auf Mehrsprachigkeit, wie sie in ihrem Gesetzentwurf von 2019 darlegen. Die Einschreibung sei freiwillig und ersetze keine bestehenden Angebote, betonen sie. Als positives Beispiel nennen die Grünen das ladinische Schulmodell, wo Kinder seit Jahrzehnten mehrsprachig unterrichtet werden. Doch Kritiker wie die Süd-Tiroler Freiheit werfen den Grünen vor, den Begriff Mehrsprachigkeit einseitig auszulegen. Zugunsten des Italienischen auf Kosten des Deutschen. Die Partei kritisiert, dass die Grünen Verletzungen der deutschen Sprachrechte in Verwaltung oder Handel nicht anprangern, während sie italienische Begriffe wie „Alto Adige“ verteidigen. Es fehlten wissenschaftliche Studien, die beweisen, dass solche Modelle Minderheitensprachen stärken, heißt es in der Debatte. Stattdessen sehe man es als Versuch, die deutsche Schule zu zerstören, wie Myriam Atz Tammerle von der Freiheit 2019 erklärte.

Stimmen aus der Gesellschaft

In Kommentaren zu Posts der Süd-Tiroler Freiheit zeigen sich geteilte Meinungen. Einige Bürger fordern mehr Sprachenlernen schon im Kindergarten, um im Berufsleben besser zurechtzukommen. Andere warnen vor einer „Salami-Taktik“ zur Assimilation und berufen sich auf Artikel 19 des Autonomiestatuts, das getrennte Schulen vorschreibt. Die Debatte berührt auch den Alltag: Viele sehen Defizite beim Erlernen der zweiten Landessprache, wie das Sprachenbarometer zeigt. Dennoch bleibt die muttersprachliche Schule für viele ein Grundpfeiler der Südtiroler Autonomie.

Ausblick auf die Debatte

Der Vorstoß der Grünen wird nun im Landtag diskutiert. Frühere Versuche scheiterten. Ob es diesmal zu einer Umsetzung kommt, bleibt offen. Die Süd-Tiroler Freiheit fordert, die bestehenden Strukturen zu schützen, um die Identität der Region zu wahren.

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