von ih 30.01.2026 10:42 Uhr

„Unseriöse Hetzkampagne gegen Bauern wegen fünf Äpfeln“

Eine Presseaussendung der Umweltorganisation Pesticide Action Europe (PAN) zu Pestizidrückständen in Südtiroler Äpfeln sorgt für heftige Kritik. Obwohl bei den untersuchten Proben kein einziger gesetzlicher Grenzwert überschritten wurde, sprechen Landwirte und politische Vertreter von einer alarmistischen Darstellung, die von Teilen der Medien unkritisch übernommen worden sei.

Foto: Jürgen Wirth Anderlan

Auslöser der Debatte war ein Bericht von RAI Südtirol vom 29. Jänner 2026 mit dem Titel „Umweltschützer sehen Mehrfachbelastung durch Pestizide in Äpfeln aus Südtirol“. Darin hieß es, PAN habe auf Südtiroler Bauernmärkten „erhebliche Rückstände von Pestiziden“ festgestellt. Unerwähnt blieb jedoch, dass der Untersuchung lediglich fünf Äpfel zugrunde lagen – eine Stichprobe, die nach Ansicht von Fachleuten keine belastbare wissenschaftliche Aussage erlaubt.

Zwar wurden laut PAN insgesamt 13 Wirkstoffe nachgewiesen, darunter neun Fungizide und vier Insektizide, doch keiner dieser Stoffe überschritt die gesetzlich zulässigen Höchstwerte. Auf diesen Punkt weist der Obstbauer und Landtagsabgeordnete Jürgen Wirth Anderlan ausdrücklich hin: „Unsere Äpfel gehören zu den am strengsten kontrollierten Lebensmitteln Europas. Eine derart dichte Überwachung der Qualitäts- und Gesundheitsstandards findet man weltweit kaum“, so Wirth Anderlan.

Grundsätzliche Kritik am Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sei legitim, betont er, müsse jedoch sachlich und faktenbasiert erfolgen. Die einseitige Darstellung habe in der bäuerlichen Bevölkerung für Unmut gesorgt. Bereits einen Tag später veröffentlichte RAI Südtirol einen ergänzenden Artikel unter dem Titel „Pestizidgegner räumen ein: Rückstände auf Äpfeln haben keinen Grenzwert überschritten“.

Darin wurde klargestellt, dass einer der untersuchten Äpfel vollständig rückstandsfrei war und dass es sich insgesamt lediglich um eine „Momentaufnahme“ handle, die „nicht repräsentativ“ sei. Zudem räumten die Autoren der Studie ein: „Jeder einzelne Wirkstoff, den wir gefunden haben, hat den Grenzwert nicht überschritten.“

Für zusätzliche Diskussionen sorgt der Umstand, dass der erste Bericht weiterhin in sozialen Netzwerken geteilt werden kann, während diese Funktion beim relativierenden Folgeartikel offenbar deaktiviert wurde.

Jürgen Wirth Anderlan warnt vor den Folgen solcher Darstellungen: „Solche Kampagnen schaden nicht nur den Bauern, sondern auch den Konsumenten, die unnötig verunsichert werden.“ Notwendig sei eine differenzierte öffentliche Debatte über Landwirtschaft und Pflanzenschutz – „ohne Panikmache und ohne ideologische Zuspitzung“.

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