Mehr als drei Millionen Seiten: US-Justiz veröffentlicht neue Epstein-Akten

Damit ist der Umfang der zu prüfenden Epstein-Akten laut Justizministerium auf insgesamt 5,2 Millionen Seiten angewachsen, inklusive Duplikaten. Die nun veröffentlichten Dokumente sind auf der Website des Ministeriums abrufbar und enthalten auch Teile jener Unterlagen, die bei einer ersten Offenlegung im Dezember noch zurückgehalten worden waren.
Gesetzlicher Druck und monatelange Prüfung
Die Freigabe erfolgt auf Grundlage des sogenannten „Epstein Files Transparency Act“. Dieses Gesetz wurde nach monatelangem öffentlichem und politischem Druck verabschiedet und verpflichtet die US-Regierung, ihre Ermittlungsakten zum verstorbenen Finanzier Jeffrey Epstein und zu seiner langjährigen Vertrauten Ghislaine Maxwell offenzulegen. Bereits kurz vor Weihnachten hatte das Justizministerium Zehntausende Seiten veröffentlicht, darunter Fotos, Interview- und Telefonprotokolle sowie Gerichtsakten. Viele dieser Dokumente waren allerdings bereits bekannt oder stark geschwärzt.
Nachdem die vom Kongress gesetzte Frist zur vollständigen Veröffentlichung am 19. Dezember verstrichen war, setzte das Justizministerium Hunderte Anwälte ein. Diese prüfen seither die Unterlagen, um sensible Passagen zu anonymisieren und insbesondere die Identität von Opfern sexuellen Missbrauchs zu schützen.
Prominente Namen und alte Flugprotokolle
Unter den bereits früher veröffentlichten Dokumenten befinden sich auch Flugprotokolle, aus denen hervorgeht, dass der heutige US-Präsident Donald Trump in den 1990er-Jahren, noch vor dem Bruch mit Epstein, mehrfach dessen Privatjet nutzte. Zudem tauchen mehrere Fotos des ehemaligen Präsidenten Bill Clinton auf. Weder Trump noch Clinton wurden jemals offiziell eines Fehlverhaltens im Zusammenhang mit Epstein beschuldigt. Beide erklärten öffentlich, keine Kenntnis von Epsteins sexuellem Missbrauch minderjähriger Mädchen gehabt zu haben.
Im vergangenen Monat wurden zudem Protokolle von Zeugenaussagen veröffentlicht, die FBI-Agenten vor einer Grand Jury abgelegt hatten. Darin schilderten sie Interviews mit mehreren Mädchen und jungen Frauen, die angaben, von Epstein für sexuelle Handlungen bezahlt worden zu sein.
Ein Skandal mit langer Vorgeschichte
Jeffrey Epstein beging im August 2019 in einer New Yorker Gefängniszelle Selbstmord, einen Monat nachdem er wegen Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung angeklagt worden war. Bereits in den Jahren 2008 und 2009 hatte er in Florida eine Haftstrafe verbüßt, nachdem er sich der Anstiftung zur Prostitution einer Minderjährigen schuldig bekannt hatte. Damals hatten Ermittler umfangreiche Beweise für sexuellen Missbrauch minderjähriger Mädchen in seinem Anwesen in Palm Beach gesammelt. Im Gegenzug für sein Geständnis verzichtete die Staatsanwaltschaft jedoch auf weitergehende Anklagen auf Landesebene.
Im Jahr 2021 wurde Ghislaine Maxwell von einem Bundesgericht in New York wegen Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung verurteilt. Sie soll Epstein bei der Rekrutierung minderjähriger Opfer unterstützt haben und verbüßt derzeit eine 20-jährige Haftstrafe in einem Gefangenenlager in Texas. Maxwell bestreitet bis heute jegliches Fehlverhalten.
Weitere Personen wurden von der US-Staatsanwaltschaft nie angeklagt. Eines der bekanntesten Opfer, Virginia Roberts Giuffre, erhob jedoch in mehreren Klagen schwere Vorwürfe. Sie beschuldigte Epstein, sie im Alter von 17 und 18 Jahren zu sexuellen Begegnungen mit Politikern, Wirtschaftsmagnaten und anderen einflussreichen Persönlichkeiten gezwungen zu haben. Alle Beschuldigten wiesen die Anschuldigungen zurück.
Zu den von Giuffre genannten Namen zählte auch der britische Prinz Andrew. Dieser bestritt, sexuelle Kontakte mit ihr gehabt zu haben, einigte sich jedoch außergerichtlich auf eine nicht genannte Zahlung. Giuffre beging im vergangenen Jahr im Alter von 41 Jahren auf ihrer Farm in Westaustralien Selbstmord.
Mit der nunmehrigen Veröffentlichung weiterer Millionen Seiten rückt der Epstein-Komplex erneut ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit – und dürfte die Aufarbeitung eines der größten Missbrauchsskandale der jüngeren US-Geschichte weiter anheizen.
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