von mmh 30.01.2026 16:34 Uhr

Crans-Montana-Abfahrt der Frauen nach Stürzen abgebrochen

Die Abfahrtsgeneralprobe der alpinen Skirennläuferinnen gut eine Woche vor Olympia ist am Freitag gründlich misslungen. Das Rennen in Crans-Montana musste nach nur sechs Läuferinnen abgebrochen werden, nachdem Nina Ortlieb, Marte Monsen und Lindsey Vonn bei schlechter Sicht auf einer unruhigen Piste schwer gestürzt waren. Die Norwegerin Monsen wurde abtransportiert, während US-Star Vonn unter Knieschmerzen litt. Ortlieb sagte, sie sei „mit einem blauen Auge davon gekommen“.

APA/AFP

Rennen unter keinem guten Stern

Die letzte Weltcup-Abfahrt der Frauen vor Olympia stand von Beginn an unter keinem guten Stern. Ortlieb, Schnellste im einzigen Training am Mittwoch, stürzte auf der verkürzten Strecke mit Startnummer eins nach 20 Fahrsekunden in einer Rechtskurve in die Fangnetze. Sie blieb aber augenscheinlich unverletzt. „Ich bin Gott sei Dank diesmal in einem guten Winkel ins Netz eingeschlagen. Der Airbag ist gleich aufgegangen“, berichtete die 29-Jährige im ORF. „Der Ski schaut nicht mehr gut aus, der ist kaputt. Da sieht man, was für Kräfte im Abfahrtssport auf einen zukommen“, meinte Ortlieb. „Das Wichtigste ist, dass ich gesund bin. Man kann nach so einem Sturz auch mit einem Helikopter wegfliegen.“

Dieser kam wenig später zum Einsatz. Monsen – als Dritte gestartet – erwischte die Zieleinfahrt nicht, fuhr durch die Torflagge und kam schwer zu Fall. Sie musste mit dem Akja und in weiterer Folge mit dem Hubschrauber abtransportiert werden. Mit Nummer sechs stürzte schließlich auch Vonn an der gleichen Stelle wie Ortlieb. Neun Tage vor der Olympia-Abfahrt in Cortina bangt die beste Abfahrerin in diesem Winter und Goldfavoritin nun um die finale Krönung ihrer Karriere. „Cortina war das große Ziel, daher hoffen wir, dass sie mitmachen kann. Sonst wäre es richtig schade“, sagte Svindal.

„Wenn das jetzt zu Ende sein sollte, wäre es ein brutaler Schock“, meinte auch Patrick Riml, der die von Red Bull unterstützten Skistars betreut. Vonn hatte in der letzten Saison ihr Weltcup-Comeback gegeben – mit einer Teilprothese im rechten Knie. Die Winterspiele sind das letzte große Ziel der 41-Jährigen. Heuer hatte Vonn bereits zwei Abfahrten gewonnen, darunter jene in Zauchensee. Die Weltcupwertung führt sie deutlich an.

Diskussion um Abbruch

Nach dem Sturz von Vonn wurde ein Vorläufer auf die Strecke bei einsetzendem Schneefall geschickt. Nach dessen Feedback wurde das Rennen abgebrochen. „Die Sicht ist immer schlechter geworden. Der Vorläufer hat uns gesagt, man sieht die Rennlinie nicht mehr. Die Wettervorhersage war zudem schlecht. Das hat zu unserer Entscheidung geführt. Wir wollen die Sicherheit der Athletinnen nicht gefährden“, erklärte FIS-Renndirektor Peter Gerdol, der zwar von Fehlern der Rennläuferinnen sprach. „Aber die Fahrfehler waren wegen der schlechten Sicht.“

Der Abbruch hatte eine Diskussion zur Folge. „Wenn ich in die Gesichter der Athletinnen und Coaches schaue, so 100 Prozent überzeugt von der Absage sind, glaube ich, nicht viele“, erklärte Athletenvertreterin Cornelia Hütter. „Wegen der Sicht kann ich es mir fast nicht vorstellen. Sicher, es schneit, aber es ist jetzt nicht so, dass der Nebel drin hängt.“ Die Steirerin sah den Grund der Absage eher im Pistenzustand, meinte aber auch: „Wir sind schon oft Trainings und Rennen gefahren, wo die nicht 100 Prozent perfekt war.“

Svindal unterstützte den Abbruch: „Ich glaube, es war von der FIS eine gute Entscheidung.“ Verständnis hatte auch Ortlieb. „Die Sichtbedingungen haben sich deutlich verschlechtert. Das hilft natürlich nicht, wenn die Piste so unruhig ist. Wenn die beste Skifahrerin auch scheitert, dann zeigt das schon, dass die Piste momentan sehr anspruchsvoll ist.“

Gedenken an Brandkatastrophe

Vor dem Rennen war eine Gedenkminute für die Opfer der Brandkatastrophe zu Silvester in dem Schweizer Wintersportort abgehalten worden. Die Hoffnung, mit dem Rennen dem Ort etwas Positives zu bringen, erfüllte sich am Freitag nicht. „Mir tut es leid für die Zuschauer. Wir hatten gehofft, ihnen eine positive Energie zu übermitteln“, sagte Ortlieb. „Das ist nicht das, was wir zeigen wollten.“

Ähnlich äußerte sich der Schweizer FIS-CEO Urs Lehmann: „Es war die Absicht, hier mit einer respektvollen, wertschätzenden Tonalität auch so ein Memorial zu machen für die Tragödie vor einem Monat in Crans-Montana. Das ist leider nicht aufgegangen. Es ist wirklich schade.“ Am Samstag (11.00 Uhr/live ORF 1) steht noch ein Super-G der Frauen auf dem Programm, 24 Stunden danach eine Abfahrt der Männer. „Ich hoffe, dass am Samstag und Sonntag noch zwei Rennen sein können, dass wir die positiven Emotionen aufs Wochenende hinbringen können“, sagte Hütter.

APA

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