Warum der Altschnee so tückisch bleibt

Der Lawinenlagebericht des Landeswetterdienstes zeigt weiter Stufe zwei bis drei, stellenweise aber auch höher. In Nordhängen ab 2.500 Metern lauert der alte, schwache Schnee tief unten. Das heißt: kantige Kristalle, die sich seit Wochen kaum verändert haben. Darüber kommen dann immer wieder neue Schichten, die schlecht halten. Ein Bergretter der AVS-Bergrettung sagt: „Bei dieser Kälte heilt die Schneedecke einfach nicht. Minus zehn bis 15 Grad in der Höhe, da verändert sich nichts. Wir sehen das bei fast jedem Einsatz: Der Altschnee ist wie eine Glasplatte, auf der alles rutscht.“
Ein weiterer Retter aus dem Pustertal ergänzt: „Viele unterschätzen Stufe drei. Man denkt, das ist machbar, aber eine einzige Spur oder ein Sprung kann alles auslösen. Wir waren kürzlich bei einer Gruppe, die zu spät umgedreht hat. Glücklicherweise nur Schrecken, aber die Uhr tickt immer.“
In Nordtirol klingt es ähnlich. Ein Bergretter erzählt über vergleichbare Situationen: „Drei ist doppelt so gefährlich wie zwei. Ich weiß nicht, was da in den Köpfen passiert“.
Die Retter raten einhellig: Immer den aktuellen Bericht lesen, nie allein gehen, LVS, Sonde und Schaufel dabei haben. Wer unsicher ist, besser einen Bergführer nehmen oder einen Kurs machen. „Der Schnee lügt nicht“, sagt ein Südtiroler Retter. „Aber er verzeiht keine Fehler.“






