von lif 28.01.2026 19:16 Uhr

Ein Zehntel leidet an neuropathischem Schmerz

Rund zehn Prozent der österreichischen Bevölkerung leiden an sogenannten neuropathischen Schmerzen, bei Menschen mit Diabetes sind es sogar rund 30 Prozent. Es handelt sich um brennende, einschießende oder elektrisierende Schmerzen, bei denen zunächst unklar ist, woher sie kommen, erläuterte der Mediziner Richard Crevenna bei einer Pressekonferenz der Schmerzgesellschaft (ÖSG).

Bild: APA

Für die richtige Behandlung ist eine rasche Diagnose wichtig, wurde erläutert. Neuropathische Schmerzen entstehen, wenn Nerven geschädigt oder fehlgesteuert sind. Auslöser können neben Diabetes beispielsweise auch eine Chemotherapie, Gürtelrose (Herpes Zoster), ein Ausriss von Nerven bei einem Unfall, Multiple Sklerose, toxischer Alkoholkonsum, Nervenwurzelirritationen nach einem Bandscheibenvorfall, ein Karpaltunnelsyndrom oder eine Polyneuropathie sein. Auch bei zehn bis 20 Prozent der Kieferimplantate entstehen neuropathische Schmerzen.

Klassische Schmerzmittel helfen nicht

Die klassische Art von Schmerzmitteln „können wir nicht verwenden, um den Schmerz, der als neuropathischer Schmerz bezeichnet wird, in den Griff zu bekommen“, sagte ÖSG-Präsident Crevenna. Die Mediziner arbeiten in diesen Fällen beispielsweise mit Salben, mit bestimmten Opioiden und mit Cannabinoiden erläuterte Stromer. Auch bestimmte Antidepressiva kommen zum Einsatz, aber nicht gegen Depressionen, sondern weil durch diese auch Schmerzhemmung passiert, berichtete sie.

„20 bis 40 Prozent sprechen nicht auf die Therapie an“, sagte Stromer. Dann müsse auf ein anderes Medikament gewechselt werden. „Wir müssen unterschiedliche Medikamente einsetzen, um unterschiedliche Mechanismen zu unterdrücken“, erläuterte Stromer. „Das ist auch Cocktail-Medizin.“ 60 Prozent der Betroffenen sprechen zudem nur auf ein einziges Medikament an, betonte sie.

Gute Therapieerfolge in Österreich

Neben Medikamenten wird zusätzlich auf Elektro- oder Hochton- oder Bewegungstherapie sowie auf kognitive Verhaltenstherapie gesetzt, berichtete Crevenna. Auch die Vagusnerv-Stimulation ist eine mögliche Behandlungsmethode, ergänzte der frühere ÖSG-Präsident Wilhelm Eisner. In Österreich werden bei neuropathischen Schmerzen bessere Therapieerfolge erzielt als im internationalen Vergleich, betonte er. 1.744 Behandler haben ein Schmerzdiplom.

Solche Spezialisten sollten auch aufgesucht werden, wenn die Schmerzen von einem Behandler als psychosomatisch abgetan werden oder keine Diagnose gefunden wird, sagte Crevenna auf Nachfrage. Er riet etwa zu spezialisierten Neurochirurgen, Anästhesiologen oder Orthopäden. Auch die psychischen Folgen chronisch starker Schmerzen dürfen nicht unterschätzt werden, warnten die Experten.

Versorgung und Forschung ausbaufähig

ÖSG-Generalsekretär Rudolf Likar forderte pro Bundesland mindestens zwei Schmerzzentren und mehr Forschung auf dem Gebiet in Österreich. Für die Schmerzversorgung müsse Geld in die Hand genommen werden, betonte er. „Die Österreichische Schmerzgesellschaft sorgt sich um eine bessere Schmerzversorgung der österreichischen Gesellschaft“, sagte auch Crevenna.

APA/UT24

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