von mmh 21.01.2026 13:07 Uhr

„Erst Gleichstellung, dann Pflichten“: SPÖ-Frauen gegen Wehrdienst für Frauen

Die Diskussion um eine mögliche Wehrpflicht für Frauen sorgt in Tirol erneut für politische Spannungen. Die SPÖ-Frauen Tirol sprechen sich klar gegen eine verpflichtende Einbeziehung von Frauen in den Wehrdienst aus und fordern stattdessen echte Wahlfreiheit. Hintergrund sind einerseits bundesweite Debatten zur Wehrpflicht, andererseits aktuelle Kontroversen rund um den Ausschluss von Frauen bei den Tiroler Schützen.

Symbolbild: APA/BARBARA GINDL

Die SPÖ-Landesfrauenvorsitzende Selma Yildirim kritisiert, dass Frauen in unterschiedlichen Bereichen mit widersprüchlichen Argumenten konfrontiert würden. Während über eine Wehrpflicht für Frauen diskutiert werde, werde ihnen gleichzeitig unter Verweis auf „Tradition“ der Zugang zu bestimmten Rollen bei den Schützen verwehrt. Aus Sicht der SPÖ-Frauen sei dies demokratiepolitisch problematisch und nicht mehr zeitgemäß.

Forderung nach Gleichstellung vor neuen Pflichten

Zentraler Punkt der Kritik ist die nach wie vor bestehende Ungleichverteilung unbezahlter Arbeit. Laut den SPÖ-Frauen leisten Frauen in Tirol rund 80 Prozent der unbezahlten Sorge- und Care-Arbeit. Unter diesen Voraussetzungen sei es nicht vertretbar, Frauen zusätzliche staatliche Pflichten aufzuerlegen. Erst wenn tatsächliche Gleichstellung erreicht sei, könnten weitere Forderungen diskutiert werden, heißt es.

Auch wirtschaftliche Zahlen werden ins Treffen geführt: Tirolerinnen arbeiten laut Angaben der SPÖ im Vergleich zu Männern rechnerisch 68 Tage im Jahr unbezahlt, was einem durchschnittlichen Einkommensnachteil von rund 11.300 Euro oder 19 Prozent entspreche. In der Pension betrage der Unterschied sogar 43,6 Prozent, was für Frauen umgerechnet 159 Tage ohne Pensionseinkommen bedeute.

Die SPÖ-Frauen betonen daher ihre klare Linie: Frauen, die freiwillig zu den Schützen oder zum Österreichisches Bundesheer gehen möchten, sollen dies tun können. Eine verpflichtende Wehrpflicht lehnen sie jedoch ab, solange Gleichberechtigung nur formal bestehe.

Kritik an Traditionsargumenten und Appell an Männer

Auch der Umgang mit dem Thema Tradition steht in der Kritik. Yildirim verweist darauf, dass historisch belegt sei, dass auch Frauen als Schützinnen gekämpft hätten. Traditionen seien zudem nicht statisch, sondern würden sich im Laufe der Zeit weiterentwickeln. Der pauschale Ausschluss von Frauen lasse sich daher sachlich kaum begründen.

Gleichzeitig betonen die SPÖ-Frauen, dass das Interesse vieler Frauen an einer aktiven Rolle bei den Schützen überschaubar sei, da sie vielfach durch berufliche, familiäre und gesellschaftliche Aufgaben stark belastet seien. Dennoch gelte der Grundsatz: Wer will, muss dürfen.

Abschließend fordern die SPÖ-Frauen Tirol eine stärkere Beteiligung von Männern an unbezahlter Arbeit. Eine gerechtere Aufteilung nach dem Prinzip „Halbe-halbe“ sei notwendig, um echte Gleichstellung zu erreichen – erst dann könne auch über neue Pflichten auf Augenhöhe gesprochen werden.

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