von ih 16.01.2026 10:00 Uhr

Olympia: Antholz selbst auf Deutsch nur als „Anterselva“

Der Südtiroler Schützenbund hat scharfe Kritik an der offiziellen Webseite der Olympischen Spiele geübt. Anlass ist die Darstellung des Biathlonzentrums im Antholzertal auf olympics.com, wo der Ort selbst in der deutschen Sprachausgabe ausschließlich mit dem italienischen Namen „Anterselva“ beziehungsweise „Anterselva Biathlon Arena“ bezeichnet wird.

Foto: © SSB/Richard Andergassen

„Kulturpolitischer Tiefpunkt“

Besonders befremdlich sei laut dem Schützenbund, dass diese Bezeichnung nicht nur in der italienischen, sondern auch in der deutschen und englischen Version der Seite verwendet werde. Damit werde eine rein italienische Sichtweise auf ein historisch deutsch- und ladinischsprachiges Gebiet international verbreitet – ausgerechnet im Umfeld der Olympischen Spiele, die eigentlich für kulturelle Vielfalt und gegenseitigen Respekt stehen sollten.

Landeskommandant Christoph Schmid spricht von einem „kulturpolitischen Tiefpunkt“. Wenn selbst in der deutschen Fassung einer offiziellen Olympia-Plattform die historisch gewachsenen Ortsnamen nicht verwendet würden, handle es sich nicht mehr um neutrale Information, sondern um die Weitergabe einer nationalstaatlich geprägten Deutung. Diese werde der Geschichte Südtirols nicht gerecht.

Nachträgliche Umschreibung der Geschichte

Der Südtiroler Schützenbund verweist zudem auf den englischsprachigen Raum, in dem die ursprünglichen deutschen und ladinischen Namen der Alpenregion seit dem 19. Jahrhundert gut dokumentiert seien. Britische Alpinisten und Reiseschriftsteller hätten selbstverständlich die damals gebräuchlichen Orts- und Bergnamen verwendet. Die später im Faschismus von Ettore Tolomei eingeführten italienischen Kunstnamen hätten in dieser Zeit keine Bedeutung gehabt.

Wer Antholz heute international ausschließlich als „Anterselva“ darstelle, ohne den historischen Hintergrund zu berücksichtigen, betreibe eine nachträgliche Umschreibung der Geschichte, so Schmid. Der Südtiroler Schützenbund fordert daher die Verantwortlichen von olympics.com auf, die historisch gewachsenen Ortsnamen korrekt und gleichwertig zu verwenden und insbesondere in der deutschen und englischen Berichterstattung mehr Sensibilität gegenüber sprachlichen Minderheiten zu zeigen.

„Die Olympischen Spiele dürfen nicht zur Bühne für nationale Geschichtsfälschung werden“, betont Christoph Schmid.

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