Von der österreichischen Kaserne zur größten Mittelschule Südtirols

Die Anfänge: Bau und Nutzung als Kaserne
Im Jahr 1908 beschloss die Gemeinde Brixen auf Antrag des 8. Österreichisch-Ungarischen Armeekorps den Bau einer Kaserne in der Kachlerau an der alten Straße von Brixen nach Vahrn. Die Detailpläne wurden im Juli 1911 vom Architekten Franz Lukesch aus Bregenz ausgearbeitet und genehmigt. Bereits Anfang 1912 begannen die Bauarbeiten.
Am 4. Januar 1913 waren zentrale Einrichtungen wie das Magazingebäude, die Werkstätten, die Reitschulen, die Hufbeschlagschmiede sowie das Augmentationsmagazin fertiggestellt. Nach nur zweijähriger Bauzeit wurde die Kaserne 1913 feierlich als „Erzherzog-Karl-Kaserne“ eingeweiht. Sie bestand aus einem großen Mannschaftsgebäude – dem heutigen Schulgebäude –, dem Offizierskasino (heute Mittelschule Manzoni) sowie 16 Nebengebäuden.
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs im Jahr 1918 wurde die Kaserne von italienischen Truppen besetzt und in „Caserma Pavia“ umbenannt. Fortan diente sie der italienischen Armee als Garnison.
Nachkriegsjahre und der Wandel zur Schule
Nach dem Zweiten Weltkrieg, ab 1946, begann eine zivile Nutzung des Geländes. Mehrere Gebäude wurden an das Energieunternehmen ENEL sowie an hiesige Handwerksbetriebe vermietet. Teile der Gebäude dienten als provisorische Wohnunterkünfte.
1951 setzte sich Bürgermeister Dr. Natale Dander erfolgreich dafür ein, das ehemalige Mannschaftsgebäude für schulische Zwecke zu nutzen. Trotz einiger Widerstände wurde das Areal schließlich für deutsch- und italienischsprachige Schulen adaptiert.
Entwicklung zur modernen Mittelschule
Mit der Einführung der Einheitsmittelschule im Jahr 1963 stieg die Nachfrage nach Schulplätzen im Brixner Raum rasant an. 1969/70 wurde daher eine zweite deutsche Mittelschule gegründet. Die erste Schulratssitzung zur Gründung der neuen Einrichtung fand am 30. September 1969 unter dem Vorsitz von Dr. Franz Wiesthaler statt. Zunächst waren 418 Schüler auf vier Gebäude verteilt.
1970 erhielt die Einrichtung ihren heutigen Namen „Oswald von Wolkenstein“, mit Dr. Eduard Innerkofler als engagiertem Direktor. Bereits 1971 wurde eine Außensektion im Schülerheim Salern eingerichtet.
Der anhaltende Zuwachs der Schülerzahlen führte 1977 zur Eröffnung einer dritten Mittelschule, der „Arthur March“. Aufgrund sinkender Anmeldungen wurde diese jedoch 1996 wieder aufgelöst und der „Oswald von Wolkenstein“ angegliedert.
Bauliche Erweiterungen und Modernisierungen
1986 begann die Gemeinde Brixen mit einer umfassenden Sanierung des Schulgebäudes. Der in den 1960er Jahren auf Betonsäulen errichtete Westflügel wurde architektonisch an das Hauptgebäude angepasst.
Nach einer zwölfjährigen Bauphase wurde die modernisierte Einrichtung 1997 feierlich eingeweiht. 1998 folgte die Eröffnung einer großzügig angelegten Bibliothek sowie modern ausgestatteter Computerarbeitsplätze.
Aktuelle Zahlen und Fakten
Im Schuljahr 2025/26 besuchen rund 600 Schüler die Mittelschule, die von etwa 80 Lehrpersonen unterrichtet werden. Neben dem Lehrpersonal sorgen zahlreiche Verwaltungs- und Betriebskräfte für den reibungslosen Schulalltag.
Der Hauptsitz befindet sich in der Dantestraße, wo sich die Klassen der acht Züge A bis H befinden. Zusätzlich gibt es eine Außenstelle im Kloster Neustift mit dem Klassenzug I.
Eine Schule mit Geschichte und Zukunft
Von einer österreichisch-ungarischen Kaserne zu einer modernen Bildungseinrichtung mit breit gefächertem Angebot: Die Mittelschule „Oswald von Wolkenstein“ in Brixen blickt auf eine faszinierende Geschichte zurück und bleibt eine zentrale Bildungsinstitution in Südtirol. Mit ihrem historischen Charme und ihrer zeitgemäßen Ausstattung bietet sie den Schülern beste Voraussetzungen für ihre Zukunft.






