von veo 13.01.2026 08:09 Uhr

Abschied vom ehemaligen Freiheitskämpfer Claudius Molling

Der ehemalige Freiheitskämpfer, Bildhauer, Maler und Restaurator Claudius Molling ist im Alter von 92 Jahren in Innsbruck verstorben. Zeit seines Lebens setzte er sich für das Recht auf Selbstbestimmung Südtirols ein und blieb dieser Forderung bis zuletzt treu.

Foto: SID

Ein Leben zwischen Kunst, Herkunft und politischem Engagement

Claudius Molling wurde 1933 geboren und entstammte einer Familie mit engen historischen Bezügen zu Südtirol. Sein Großvater stammte aus Campill im Gadertal und übersiedelte nach Nordtirol. Seine Mutter wurde in Brixen als Tochter des Brauherrn Hugo Seidner geboren und kam durch ihre Heirat mit dem Offizier Alois Molling nach Innsbruck. Alois Molling diente im Ersten Weltkrieg als Offizier bei den Tiroler Kaiserschützen, wurde schwer verwundet und zog 1945 als Mandatar in den Tiroler Landtag ein.

Sein Sohn Claudius war akademischer Bildhauer, Maler und Restaurator – geprägt jedoch vor allem von seinem politischen Einsatz. Wie Roland Lang, Obmann des „Südtiroler Heimatbundes“, berichtet, erreichte die Nachricht, dass Claudius Molling am 31. Dezember 2025 im Alter von 92 Jahren in Innsbruck verstorben ist. Sein Beileid gilt seiner Frau Herlinde. Das Ehepaar wirkte an der Planung und Vorbereitung der „Feuernacht“ 1961 mit, in der aus Protest gegen die fortgesetzte Unterdrückungspolitik zahlreiche Hochspannungsmasten gesprengt wurden. Herlinde Molling dokumentierte diese Zeit in einem Buch. Wie der Südtiroler Informationsdienst in einer Aussendung berichtet, schmuggelten beide bei zahlreichen Fahrten große Mengen Sprengstoff über die Grenze und wirkten am Untergrundsender „Radio Freies Tirol“ mit. Bis zu seinem Tod bekannte sich Claudius Molling unbeirrt zum Recht auf Selbstbestimmung Südtirols.

Bild: Ausstellung „BAS Opfer für die Freiheit“ in Bozen

Erinnerungen eines Mitstreiters und der historische Kontext

Der ehemalige Freiheitskämpfer Univ.-Prof. Dr. Erhard Hartung erinnert an den in Innsbruck geborenen Künstler als einen der aktivsten Freiheitskämpfer in Österreich zu Beginn der 1960er Jahre. Gemeinsam mit Prof. Dr. Helmut Heuberger, Dr. Heinrich Klier und Kurt Welser beschaffte Molling Sprengstoff und transportierte diesen über Jahre hinweg gemeinsam mit seiner Frau unbehelligt nach Südtirol. Er selbst war an zwei Sprengungen von Strommasten beteiligt, wurde jedoch weder in Österreich noch in Italien vor Gericht gestellt. Molling pflegte enge Kontakte zu Georg Klotz, Kurt Welser und Dr. Helmut Heuberger und unterstützte geflüchtete Aktivisten wie die Pusterer Buabn, denen er zeitweise Unterkunft bot.

Von links nach rechts: Der ehemalige Freiheitskämpfer Univ.-Prof. Dr. Erhard Hartung, Claudius Molling, Dr. Herlinde Molling

Zeit seines Lebens kritisierte er die gegen den Willen der Bevölkerung erfolgte militärische Besetzung Südtirols und die ungesühnten Folterungen inhaftierter Freiheitskämpfer sowie die Ermordung von Luis Amplatz. Gemeinsam mit seiner Frau wirkte er an der Organisation einer dauerhaften Ausstellung in Bozen über die 1960er Jahre mit, welche die Südtiroler Zeitgeschichte auch für ein breiteres Publikum zugänglich machen soll und derzeit thematisch erweitert wird (Ausstellung „BAS Opfer für die Freiheit“, Lauben 9, Bozen).

Am 14. April 2012 hatte das Ehepaar Molling in Bozen an dem „Freiheitsmarsch“ des „Südtiroler Schützenbundes“ teilgenommen. Dieses Bild zeigt sie inmitten der Schützen.

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