von lif 11.01.2026 10:59 Uhr

Südtirols Tourismusdruck: Europas Spitze in greifbarer Nähe

Südtirol hat auch 2025 wieder sehr hohe Tourismuszahlen hingelegt. Mit rund siebzig Übernachtungen pro Einwohner liegt unser Land weiterhin ganz vorne in Europa.

Symbolbild

Die Zahlen des Landesinstituts für Statistik (ASTAT) sprechen eine klare Sprache: Zwischen Jänner und Oktober 2025 wurden über 34,4 Millionen Nächtigungen gezählt, ein Plus von 2,4 Prozent zum Vorjahr. Im Sommerhalbjahr allein kamen 5,6 Millionen Gäste . Bei rund 533.000 Einwohnern ergibt das eine Intensität von etwa siebzig Übernachtungen pro Kopf. Laut dem deutschen Statistischen Bundesamt und Eurostat rangiert Südtirol damit auf Platz drei in der EU, hinter der Südlichen Ägäis mit durchschnittlich 117 und den Ionischen Inseln mit 98 Übernachtungen pro Einwohner. Viele Alpenregionen bleiben da weit zurück.

Vergleich mit den Nachbarn

In Nordtirol sieht es ähnlich intensiv aus. Dort gab es im Tourismusjahr 2024/2025 knapp 49,6 Millionen Nächtigungen bei etwa 760.000 Einwohnern, was rund 65 pro Kopf macht. Die Wintersaison war besonders stark, mit einem Plus von 1,5 Prozent, wie die Landesstatistik Tirol meldet. Salzburg kommt auf etwa 30 Millionen Nächtigungen im Jahr, bei 560.000 Einwohnern sind das rund 54 pro Kopf. 

Graubünden in der Schweiz liegt niedriger: 2024 zählte man dort 5,5 Millionen Hotelnächte bei 200.000 Einwohnern, was rund 27,5 pro Kopf entspricht, allerdings ohne Ferienwohnungen und Camping. Für 2025 rechnete man mit ähnlichen Zahlen, wie das Schweizer Bundesamt für Statistik schätzt. Im Vergleich zu Südtirol ist die Belastung dort geringer. 

Wirtschaftlicher Motor?

Der Tourismus macht in Südtirol rund zehn Prozent der Bruttowertschöpfung aus, wie das Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO errechnet. Viele Betriebe melden gute Erträge: Fast alle Hotels und Pensionen sehen ihre Lage als befriedigend an, über ein Drittel sogar als gut. Besonders ausländische Gäste aus dem Nicht-EU-Raum pushen die Zahlen.

Der Hoteliers- und Gastwirteverband HGV betont: Qualität vor Masse. Neue Strategien wie nachhaltige Anreise und Besucherlenkung sollen helfen. Und 95 Prozent der Südtiroler beurteilen die Wirtschaft positiv, wie eine WIFO-Umfrage zeigt. Der Sektor schafft Arbeitsplätze und hält unsere Dörfer lebendig.

Die Schattenseiten

Trotzdem: Acht von zehn Südtirolern machen den Tourismus für Umweltbelastung, steigende Lebenshaltungskosten und hohe Mieten verantwortlich, so die WIFO-Befragung aus Juni 2025. Eurac Research warnt in einem Gutachten: Steigende Temperaturen und Extremwetter gefährden unsere Landschaft. Staus auf den Straßen, Lärm in den Bergen und der Druck auf den Wohnungsmarkt, das spürt man vor Ort.

Luxustourismus boomt, was die Wirtschaft ankurbelt, aber Einheimische wüten über die Folgen, wie das Portal Merkur berichtet. Hohe Preise machen Urlaub daheim für viele Familien unmöglich. Und der Kaufkraftverlust zeigt sich: Weniger einheimische Nächtigungen.

In Welschtirol und Italien insgesamt ist es ähnlich: Venedig kämpft mit 47 Übernachtungen pro Einwohner, aber Südtirol toppt das bei weitem.

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