von lif 08.01.2026 12:24 Uhr

Kindergarten: Mehr Betreuung bis 17 Uhr?

Der Katholische Familienverband Südtirol (KFS) bekennt sich klar zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Für viele Familien ist eine Kindergartenbetreuung bis 17 Uhr keine Komfortfrage, sondern eine notwendige Voraussetzung, um Erwerbsarbeit und Familienleben miteinander vereinbaren zu können. Diese gesellschaftliche Realität verdient Anerkennung.

Symbolbild: APA/dpa

„Gleichzeitig halten wir fest, dass eine Ausweitung der Betreuungszeiten nicht auf Kosten der pädagogischen Qualität und nicht auf dem Rücken der Pädagogen erfolgen darf. Das Wohl der Kinder muss dabei stets oberste Priorität haben“, betont KFS-Präsidentin, Sieglinde Aberham. Seit Jahren wird zugesichert, dass längere Öffnungszeiten nur gemeinsam mit verbesserten Rahmenbedingungen umgesetzt werden können. Dazu gehören ausreichend qualifiziertes Personal, faire und klar geregelte Arbeitszeiten, verlässliche Schutzmaßnahmen sowie die Sicherung pädagogischer Qualität. Diese Zusagen waren richtig und notwendig. Umso größer ist die Sorge, gibt der Familienverband zu bedenken, wenn nun ein Anspruch auf Betreuung bis 17 Uhr angekündigt wird, ohne dass diese strukturellen Voraussetzungen flächendeckend gewährleistet sind. Flexible Abdeckungsmodelle dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, was sie im Alltag bedeuten können. Wenn Betreuung durch personelle Engpässe aufgefangen wird, führt das zu Überlastung des Personals, zu Phasen eingeschränkter pädagogischer Begleitung und langfristig zu Qualitätseinbußen. Das ist weder im Interesse der Kinder noch der Familien.

„Wir wenden uns entschieden gegen eine öffentliche Debatte, in der Eltern, insbesondere Mütter, unter moralischen Rechtfertigungsdruck geraten. Familien brauchen Wahlfreiheit. Sie müssen selbst entscheiden können, welches Betreuungsmodell zu ihrer Lebenssituation passt. Kinder am Nachmittag betreuen zu lassen bedeutet nicht, sie abzugeben, sondern Verantwortung unter den Bedingungen einer modernen Arbeitswelt zu übernehmen. Diese Verantwortung tragen Mütter und Väter gemeinsam und sie wird von der Gesellschaft insgesamt mitgetragen“, betont die Vorsitzende vom KFS-Fachausschuss Familienpolitik Margareth Mair Engl.

„Familien stärken, ohne Pädagogen zu vergessen“

Ein zeitgemäßer Kindergarten kann verlängerte Öffnungszeiten pädagogisch hochwertig gestalten. Voraussetzung dafür sind ausreichende personelle Ressourcen, angemessene Gruppengrößen und Arbeitsbedingungen, die den gestiegenen Anforderungen gerecht werden. Nur so entsteht ein verlässliches Angebot, das Familien Wahlfreiheit ermöglicht.

„Unser Appell ist eindeutig. Familienpolitik und Bildungspolitik dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Maßnahmen, die Familien stärken sollen, müssen zugleich jene stärken, die täglich Verantwortung für unsere Kinder übernehmen“, so der Katholische Familienverband Südtirol, der sich daher klar für verlängerte Kindergartenöffnungszeiten ausspricht, sofern sie mit ausreichenden Investitionen, mit Respekt gegenüber dem pädagogischen Personal und mit dem Wohl der Kinder im Zentrum umgesetzt werden.

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