Südtirol nimmt Abschied von Freiheitskämpfer Claudius Molling

Claudius Molling wurde 1933 geboren und entstammte einer Familie mit engen historischen Bezügen zu Südtirol. Sein Großvater stammte aus Campill im Gadertal und übersiedelte nach Nordtirol. Seine Mutter wurde in Brixen als Tochter des Brauherrn Hugo Seidner geboren. Durch ihre Heirat mit dem Offizier Alois Molling kam sie nach Innsbruck. Alois Molling, der Vater von Claudius, diente im Ersten Weltkrieg als Offizier bei den Tiroler Kaiserschützen, bis er schwer verwundet wurde. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war er Teil der Tiroler Widerstandsbewegung und zog 1945 als Mandatar in den Tiroler Landtag ein.
Claudius Molling war als akademischer Bildhauer, Maler und Restaurator tätig. Über den künstlerischen Bereich hinaus prägte ihn jedoch vor allem sein politisches Engagement. Gemeinsam mit seiner Frau Herlinde war er an der Planung und Vorbereitung der sogenannten „Feuernacht“ im Jahr 1961 beteiligt, bei der Hochspannungsmasten in Südtirol als Zeichen des Widerstands gegen die fortgesetzte Unterdrückungspolitik gesprengt wurden.
Herlinde Molling dokumentierte diese Zeit später in ihrem Buch „So planten wir die Feuernacht“. Das Ehepaar unternahm zahlreiche Fahrten nach Südtirol, bei denen es unter hohem persönlichen Risiko erhebliche Mengen an Sprengstoff über die Grenze schmuggelte – in einer Phase, in der festgenommene Südtiroler Freiheitskämpfer schwerer Misshandlung ausgesetzt waren.
Darüber hinaus wirkte Claudius Molling gemeinsam mit seiner Frau am Betrieb des geheimen Untergrundsenders „Radio Freies Tirol“ mit, der sich für das Recht der Südtiroler auf Selbstbestimmung einsetzte. Bis zu seinem Tod bekannte sich Molling konsequent zu dieser Forderung.
Für ihre Verdienste um die Landeseinheit wurden Claudius Molling und seine Frau Herlinde im Jahr 2012 zu Ehrenmitgliedern des Südtiroler Heimatbund ernannt.
Mit dem Tod von Claudius Molling verliert Tirol eine Persönlichkeit, deren Lebensweg von künstlerischem Schaffen, politischem Mut und unbeirrbarer Überzeugung geprägt war.
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