von ih 06.01.2026 10:17 Uhr

Aus Angst vor Rassismus: Südtirols Sternsinger nur noch „weiß“?

In Südtirol sorgt eine Empfehlung der Katholischen Jungschar für Diskussionen: Sternsinger sollen sich künftig nicht mehr schwarz oder farbig anmalen. Was von der Katholischen Jungschar Südtirol als zeitgemäßer Schritt zu mehr Sensibilität verstanden wird, stößt bei vielen Menschen im Land auf Unverständnis. Kritiker sprechen von übertriebener politischer Korrektheit – und davon, dass am Ende ausgerechnet Vielfalt unsichtbar wird. UT24 hat bei den Verantwortlichen direkt nachgefragt. 

Ein System, das schwarze Menschen unsichtbar macht? Wenn vermeintlicher Antirassismus glaubt, für Toleranz zu sorgen. Und genau das Gegenteil bewirkt. - Foto: UT24.

Jungschar: „Passt nicht mehr zu unserer heutigen Realität“

Der Vorsitzende der Katholischen Jungschar Südtirols, Matthias Komar, betont auf Anfrage von UT24, es handle sich ausdrücklich nicht um ein Verbot, sondern um eine Empfehlung. Diese sei das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung mit der Symbolik des Sternsingens gewesen.

„Menschen allein aufgrund ihrer Hautfarbe einem Kontinent zuzuordnen, passt nicht mehr zu unserer heutigen Realität“, meint Komar. Auf allen Kontinenten lebten Menschen mit unterschiedlichsten Hautfarben; die frühere Darstellung der drei Könige werde heute oft anders wahrgenommen als früher und könne verletzend oder ausgrenzend wirken.

Die zentrale Botschaft des Sternsingens – Frieden, Segen und weltweite Solidarität – bleibe auch ohne das Schminken von Hautfarben vollständig erhalten. Zudem verzichteten viele Gruppen schon seit Jahren darauf, teils aus ganz praktischen Gründen: Die Farbe jucke, verschmutze Kleidung oder sei schlicht unpraktisch.

  • Matthias Komar, 1. Vorsitzender der Katholischen Jungschar Südtirols(Foto: Daniela Tschöll/ / Katholische Jungschar Südtirols)

Nur noch „weiße“ Sternsinger auf den Straßen?

Auf Nachfrage von UT24 weist Matthias Komar den Vorwurf zurück, es würden durch die Empfehlung der Jungschar nur noch „weiße“ Sternsinger auf den Straßen Südtirols zu sehen sein. Jedes Kind könne nämlich laut ihm mitmachen, unabhängig von Aussehen, Herkunft oder Geschlecht. „Die Kinder sollen so zum Sternsingen kommen, wie sie sind“, sagt er. Entscheidend sei nicht das äußere Erscheinungsbild, sondern die gemeinsame Botschaft.

Dennoch bleibt ein Spannungsfeld: Gerade Menschen afrikanischer Herkunft äußern mitunter Verwunderung darüber, dass plötzlich ausschließlich „weiße“ Sternsinger unterwegs sind – ausgerechnet im Namen von Antirassismus.

Kritiker sehen darin ein grundsätzliches Problem unserer Zeit: Oft seien es Weiße, die glauben, für Schwarze sprechen zu müssen. Aus falscher Toleranz würden Traditionen umgedeutet oder eingeschränkt, obwohl sie von den vermeintlich Betroffenen gar nicht als verletzend empfunden werden.

Kinder dürfen angeblich selbst entscheiden

Auch die Katholische Jungschar räumt ein, dass es unterschiedliche Sichtweisen zu dem Thema gibt. Wenn sich ein Kind dennoch farbig anmalen möchte, passiere „nichts“, behauptet Komar.

Ob dies in der Praxis tatsächlich so gehandhabt wird, kann schwer überprüft werden. Schlussendlich liegt es auch am Ermessen und der politischen Einstellung des jeweiligen Jungscharleiters, wie dieser mit den Wünschen der teilnehmenden Kinder umgeht.

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