Beipackzettel müssen endlich verständlicher werden

Fachchinesisch statt Klartext
Für viele Seniorinnen und Senioren gehört die Einnahme von Medikamenten zum Alltag. Doch beim Blick in den Beipackzettel stößt man häufig auf unverständliche Fachausdrücke, lange Sätze und winzige Schrift. „Diese Beipackzettel sollen eigentlich zum Schutz der Patienten dienen, doch sie sind so kompliziert verfasst, dass sie genau das Gegenteil bewirken“, kritisiert Otto von Dellemann.
Begriffe wie Indikationen, Kontraindikationen oder Nebenwirkungen seien für viele ältere Menschen kaum nachvollziehbar. Das führe zu Unsicherheit und Missverständnissen – manchmal sogar dazu, dass Medikamente falsch eingenommen oder ganz abgesetzt werden. „Für viele klingt das wie Chinesisch“, sagt von Dellemann.
Verständliche Informationen sind ein Grundrecht
Die aktuellen Vorgaben für die Gestaltung von Beipackzetteln beruhen auf einer EU-Richtlinie aus dem Jahr 2001. Damit seien sie längst überholt, so von Dellemann: „Es ist höchste Zeit, die Packungsbeilagen sprachlich und gestalterisch zu überarbeiten und den Bedürfnissen der älteren Generation anzupassen.“
Die Generation 60+ fordert, dass Packungsbeilagen künftig kurz, klar und allgemeinverständlich formuliert werden. Ein besonderes Anliegen ist auch die Schriftgröße: „Die Schrift muss groß genug und gut lesbar sein. Das ist kein Luxus, sondern eine Frage der Sicherheit“, betont von Dellemann.
Gleichzeitig warnt er davor, die Beipackzettel ausschließlich digital anzubieten. „Viele ältere Menschen haben keinen Zugang zu digitalen Geräten oder tun sich mit deren Nutzung schwer. Eine rein digitale Lösung wäre eine Form der Altersdiskriminierung“, so von Dellemann.
Bis Änderungen umgesetzt sind, rät er älteren Menschen, sich Beipackzettel von Arzt oder Apotheker erklären zu lassen. Langfristig aber müsse die Politik handeln: „Verständlichkeit ist kein Luxus, sondern ein Grundrecht.“






