Tourismus statt Transparenz? Brixner Gemeindeführung in der Kritik

„System der Verantwortungslosigkeit“
Unterberger wirft der Verwaltung vor, politische Verantwortung an Gremien und Vereine abzugeben. „Vertreter der Tourismusgenossenschaft müssen sich nun öffentlich rechtfertigen, während sich die Gemeindeverwaltung im Hintergrund hält – das ist kein Zeichen von Offenheit“, kritisiert der Gemeinderat.
Besonders problematisch sei, dass immer mehr Themen in Kommissionen und Untergremien behandelt werden, zu denen der Gemeinderat kaum Zugang habe. „Man verliert zunehmend den Überblick. Diskussionen finden hinter verschlossenen Türen statt, und im Gemeinderat wird man dann vor vollendete Tatsachen gestellt“, so Unterberger. Der viel beschworene „neue Stil“ früherer Bürgermeister sei längst passé.
Zenit des Tourismus erreicht
Neben der Kritik an der Entscheidungsstruktur warnt die Süd-Tiroler Freiheit auch vor einer Überlastung durch den Tourismus. „Brixen hat seinen Zenit längst überschritten. Infrastruktur, Bevölkerung und Umwelt sind am Limit“, mahnt Unterberger. Man müsse „vom immer mehr zum besser und verträglicher“ kommen. Der Tourismus dürfe nicht dazu führen, dass Einheimische unter Verkehrsbelastung, hohen Preisen oder überfüllten Orten leiden.
Geld soll Bürgern zugutekommen
Auch bei der Verwendung öffentlicher Gelder fordert die Süd-Tiroler Freiheit ein Umdenken. „Die Gemeinde steckt jährlich beträchtliche Summen in den Tourismus, doch der Nutzen für die Bevölkerung ist kaum spürbar“, erklärt Konrad Unterfrauner, Ortssprecher der Bewegung.
Er schlägt konkrete Entlastungsmaßnahmen vor: etwa kostenlose Eintritte für Senioren mit Mindestpension in die Acquarena oder einen günstigeren Stromtarif für heimische Familien. „Solche gezielten Schritte würden den Menschen mehr bringen als jede zusätzliche Werbekampagne“, so Unterfrauner.
Abschließend fordert er klare Zuständigkeiten: „Es kann nicht sein, dass sich Vertreter von Genossenschaften rechtfertigen müssen, während die eigentlichen politischen Verantwortungsträger abtauchen. Verantwortung gehört in die Hände der Verwaltung – nicht in ausgelagerte Strukturen.“






