von Alexander Wurzer 30.10.2025 08:00 Uhr

Italien – Europas Schlusslicht an der Börse

Die Deutsche Bank hat im Oktober 2025 ihre neue Studie „Long-Term Asset Return Study – The Ultimate Guide to Long-Term Investing“ veröffentlicht – eine der umfangreichsten Untersuchungen zur Geschichte der Kapitalmärkte. Für diese Studie haben Forscher des Deutsche-Bank-Research-Teams historische Finanzdaten aus 56 Ländern ausgewertet. Für einige dieser Märkte reichen die Aufzeichnungen über mehr als 200 Jahre zurück, für 22 Länder liegen durchgehende Daten über mindestens ein Jahrhundert vor. Ziel der Untersuchung war es herauszufinden, wie sich Aktien, Anleihen und andere Anlageformen über sehr lange Zeiträume entwickelt haben – und welche wirtschaftlichen oder politischen Bedingungen über Erfolg oder Misserfolg entschieden.

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Im Fokus stehen dabei reale Renditen, also inflationsbereinigte Erträge. Sie zeigen, welche Länder ihren Anlegern über Generationen hinweg tatsächlichen Vermögenszuwachs beschert haben – und welche nicht.

Gewinner der Stabilität

Das Ergebnis ist klar: Länder mit stabiler Politik und soliden Finanzen belohnen ihre Investoren langfristig. Schweden erzielte im vergangenen Jahrhundert die höchste reale Aktienrendite mit 7,5 Prozent pro Jahr, gefolgt von den USA mit 7,2 Prozent. Bei Staatsanleihen lag Dänemark mit 3,5 Prozent vorne. Politische Kontinuität, gesunde Haushalte und stabile Währungen erwiesen sich als entscheidende Erfolgsfaktoren.

Italien – das Gegenbeispiel

Am anderen Ende der Skala steht Italien. Die Deutsche-Bank-Studie zeigt, dass das Land über die letzten 100 Jahre die schlechteste Aktien- und Anleiheperformance unter allen untersuchten westlichen Staaten verzeichnete. Italienische Aktien erzielten im Schnitt nur 2,5 Prozent reale Rendite pro Jahr, Anleihen sogar minus 1,1 Prozent.

Erfasst wurden ausschließlich Länder mit durchgehenden Kapitalmarktdaten über mindestens ein Jahrhundert – also westliche Industrienationen. Ehemalige Ostblock-Staaten, deren Märkte im 20. Jahrhundert durch Kriege und Systemwechsel unterbrochen waren, sind in der Studie nicht enthalten.

Ursachen der Schwäche

Die Autoren führen Italiens schlechte Bilanz auf politische Instabilität, hohe Schulden und langfristig schwaches Wachstum zurück. Kaum ein anderes westliches Land erlebte im 20. Jahrhundert so viele Regierungswechsel. Ständige Richtungswechsel in der Wirtschaftspolitik und wiederkehrende Währungskrisen – die alte Lira wurde mehrfach abgewertet – schwächten das Vertrauen der Märkte. Hohe Defizite führten zu Inflationsdruck und geringen realen Erträgen, während das Wirtschaftswachstum deutlich hinter dem anderer europäischer Länder zurückblieb.

Die Lehre aus einem Jahrhundert

Das Fazit der Deutschen Bank ist eindeutig: Langfristige Renditen entstehen aus Stabilität. Wer über Generationen verlässliche Rahmenbedingungen schafft, wird an den Finanzmärkten belohnt.

Italien zeigt das Gegenteil. Ein Jahrhundert voller politischer Turbulenzen, hoher Schulden und wirtschaftlicher Stagnation hat das Vertrauen der Märkte untergraben. Damit bleibt das Land das Schlusslicht der westlichen Börsenwelt – wirtschaftlich bedeutsam, für Anleger jedoch auf lange Sicht enttäuschend.

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