„Südtirol dankt Bruno Kreisky“ – Dankesfeier für den Mann, der Südtirols Autonomie möglich machte

Bruno Kreisky spielte eine entscheidende Rolle in der Lösung der Südtirolfrage. Als österreichischer Außenminister setzte er sich mit großem diplomatischem Geschick für die Rechte der Südtiroler Minderheit ein.
UT24 sprach mit Günther Ploner (Schützenkompanie Peter Kemenater Schabs), Mitglied des Organisationskomitees der Veranstaltung und Florian Lechner, Bezirksmajor des Schützenbezirkes Brixen.
Weshalb sollte sich Südtirol bei Bruno Kreisky bedanken?
Ploner: Der Dank an Bruno Kreisky und Österreich ist überfällig. An dieses positive Ereignis zu erinnern ist auch für Südtirol wichtig. Denn zum Erscheinungsbild Südtirols gehören nicht nur Wirtschaftsdaten, sondern auch das Verhalten seiner Bürger sowie der politischen Führung in ethischen Fragen. Ein aufrichtiger Dank, von ehrlichen Menschen steht allen Minderheiten gut an. Nicht große Töne, sondern auch Dankbarkeit macht unser Land und seine Menschen sympatisch.
Wie steht es um die Vorbereitungen? Wie ist das konkrete Programm?
Lechner: Das Programm ist bereits veröffentlicht, und wir haben im Raum Eisacktal mit Plakataktionen begonnen. Auch die Online-Werbung läuft schon. Zum konkreten Ablauf: Die Veranstaltung beginnt mit dem Einmarsch der Ehrenformation, gefolgt vom landesüblichen Empfang durch Landeshauptmann Arno Kompatscher. Danach folgen die Ansprachen laut Programm. Den feierlichen Abschluss bildet der Große Österreichische Zapfenstreich, bevor die Veranstaltung mit der Landeshymne beendet wird.
War es für Kreisky und Österreich schwierig etwas für Südtirol zu erreichen?
Ploner: Die 60-iger Jahre waren eine komplizierte Zeit. Die UNO gab es gerade 15 Jahre, Österreich war gerade gefestigt in die Unabhängigkeit entlassen worden. Wien hatte selbst große Probleme, trotzdem nahm es sich der Bedürfnisse Südtirols an. Italien versuchte die Hilfe durch Österreich zu verhindern, der italienische Nationalismus war wieder schwanger. Zusätzlich bahnte sich die Kuba Kriese an, der Vietnam Konflikt prodelte, afrikanische Kolonien strebten nach Eigenständigkeit. Der eiserne Vorhang senkte sich langsam quer durch Europa, Österreich war an seiner Ostgrenze direkt davon betroffen. In Wien dachte man jedoch weiterhin an die Südtiroler, die immer noch auf ihre Rechte warteten. Diese hatte man ihnen zugesagt, nachdem unsere Vorfahren das Recht auf Selbstbestimmung nicht in Anspruch nehmen durften. In diesem äußerst schwierigen europäischen sowie globalen Umfeld reiste der Kosmopolit Dr. Bruno Kreisky nach New York in die UNO. Er erreichte gegen den Willen Italiens die Internationalisierung Südtirols. Für das junge kleine Österreich und seinem mutigen Außenminister eine politische Großtat!
Wird der Schützenbezirk Brixen von der öffentlichen Hand ausreichend unterstützt?
Lechner: Ja, wir wurden von der öffentlichen Hand gut unterstützt – insbesondere durch Beiträge des Amts für Kultur. Diese Unterstützung ist für uns eine große Hilfe und ermöglicht es uns, die Veranstaltung in dieser Form umzusetzen.
Warum war es gerade Kreisky der diesen Erfolg hatte ?
Ploner: Natürlich war es auch ein Erfolg der damals jungen österreichischen Diplomatie, aber die treibende, dynamische Kraft war Bruno Kreisky. Das lag wohl an seinem politischen Horizont, an der Fähigkeit in größeren Zeiträumen zu denken und zu handeln. Ihm zu Hilfe kam sicherlich auch seine jüdische Konfession und die Erfahrungen seines Volkes. Als Kosmopolitischer Denker konnte er sich wohl vorstellen was mit Minderheiten passieren würde, wenn man sie schutzlos den bösen Geistern des Nationalismus überlassen würde.
Welchen Appell möchten Sie an die Bevölkerung richten – warum sollten die Menschen unbedingt an der Veranstaltung teilnehmen?
Lechner: Ich denke, wir sind es Bruno Kreisky schuldig, dass wir seiner gedenken. Er hat sich stark für Minderheiten eingesetzt. Man muss sich vor Augen halten: Als 49-jähriger Außenminister hatte Kreisky damals keinen einfachen Stand. Österreich war auf der internationalen Bühne noch relativ isoliert, während Italien innerhalb der NATO eine ganz andere Position vertrat. Das Gruber-De-Gasperi-Abkommen von 1946, das die Rechte Südtirols regeln sollte, war bis dahin unzureichend umgesetzt worden – und durch die Zusammenlegung mit dem Trentino praktisch entwertet. Erst mit der UNO-Resolution von 1960 wurde Italien gezwungen, mit Österreich ernsthaft zu verhandeln. Dadurch erhöhte sich der diplomatische Druck erheblich. Das Ergebnis dieser Bemühungen war schließlich das 1972 in Kraft getretene Autonomiestatut – ein entscheidender Schritt, der unserem Land Wohlstand, Eigenständigkeit und eine Grundlage für Selbstbestimmung gebracht hat. Für sein Engagement wurde Bruno Kreisky von der Südtiroler Landesregierung sogar für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Auch wenn er ihn nie erhielt, war er mehrfach nominiert. Gerade deshalb – 30 Jahre nach seinem Tod und 65 Jahre nach diesen wichtigen Errungenschaften – ist es richtig, seiner Leistungen zu gedenken. Kreisky hat für uns Südtiroler einen bedeutenden Grundstein gelegt.
Auch die Silvius Magnago Stiftung gestalte diese Gedenken mit?
Ja, diese ist eine feste Säule in dieser Vorbereitung. Besonders die Vorsitzende Frau Dr. Martha Stocker trägt die Ideale und den Grundgedanken dieser Gedenkfeier mit viel Einsatz mit. Frau Dr. Martha Stocker wird auch die gesamte Moderation dieser Veranstaltung übernehmen.
Vielen Dank für das Gespräch!






