von Alexander Wurzer 14.10.2025 18:43 Uhr

Zweisprachigkeit à la Landesregierung: viel Gerede, null Konsequenzen

Es ist schon fast bewundernswert, mit welcher Eleganz die Südtiroler Landesregierung konkrete Fragen ignorieren kann. Jüngstes Beispiel: die Antwort von Landeshauptmann Arno Kompatscher auf die Landtagsanfrage Nr. 1003/25 der Süd-Tiroler Freiheit zum wiederholten Verstoß des NISF/INPS gegen die Zweisprachigkeitspflicht.

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Ein Bürger erhielt vom NISF/INPS eine offizielle E-Mail – ausschließlich auf Italienisch, ein Absatz sogar auf Englisch. Deutsch? Fehlanzeige. In Südtirol, wohlgemerkt, wo der Gebrauch der Muttersprache nicht nur moralisch, sondern verfassungsrechtlich garantiert ist.

Klare Fragen – keine Antworten

Die Abgeordneten der Süd-Tiroler Freiheit wollten es genau wissen: Warum verschickt das NISF/INPS seine Mitteilungen nicht zweisprachig? Welche Maßnahmen setzt die Landesregierung? Hat man jemals beim NISF/INPS interveniert? Und wozu kassieren eigentlich 188 Mitarbeiter eine Zweisprachigkeitszulage, wenn dann trotzdem alles nur auf Italienisch geschrieben wird?

Die Antwort des Landeshauptmanns ist – mit Verlaub – eine Zumutung. Auf keine dieser Fragen gibt es eine konkrete Antwort. Stattdessen verweist Kompatscher einfach auf eine frühere Anfrage aus dem Jahr 2024, in der bereits dasselbe Problem angesprochen worden war. Schon damals erklärte die Landesregierung, man „setze sich für den Sprachgebrauch ein“, und das Amt für Landessprachen „ermahne“ die betroffenen Behörden bei Verstößen gegen die Zweisprachigkeitspflicht.

Ein Jahr später, in der neuen Antwort von 2025, wiederholt sich das Spiel: Wieder kein einziges konkretes Beispiel, keine Information darüber, ob überhaupt mit dem NISF/INPS Kontakt aufgenommen wurde, keine Darstellung von Ergebnissen oder Maßnahmen. Wortwörtlich wird auf die alte Antwort verwiesen, als wäre seitdem nichts passiert – was offensichtlich auch stimmt.

Damit ist klar: Zwei Landtagsanfragen, zwei Jahre Abstand – und zweimal dieselbe leere Floskel. Kein Fortschritt, keine Konsequenzen, kein Wille zur Veränderung.

Autonomie als Schönwetterprojekt

Die Landesregierung ermahnt, das NISF/INPS bleibt einsprachig – und alle tun so, als sei das normal. So wird aus der Autonomie ein Schönwetterprojekt: Die Bürger dürfen sich beschweren, das Land darf mahnen, und Rom darf weitermachen wie bisher.

Dass bei einer Behörde, die über fast zweihundert zweisprachige Mitarbeiter verfügt, immer noch E-Mails ausschließlich auf Italienisch verschickt werden, ist nicht nur eine Respektlosigkeit gegenüber den deutschsprachigen Bürgern, sondern eine schlichte Verhöhnung des Gesetzes. Doch anstatt endlich durchzugreifen, begnügt sich Kompatscher mit einem digital unterschriebenen „Mit freundlichen Grüßen“. Das ist Bürokratie auf höchstem Niveau – inhaltsleer, folgenlos und bequem.

Ein Amt ohne Zähne

Das „Amt für Landessprachen und Bürgerrechte“ nimmt Beschwerden entgegen, koordiniert und mahnt – eigene Sanktionsbefugnisse sind öffentlich nicht ausgewiesen. Solange die Landesregierung diesem Amt keine verbindlichen Durchgriffsrechte gibt, bleiben Ermahnungen oft ohne Konsequenz. Das Amt steht damit sinnbildlich für die Sprachpolitik des Landes: viel Prozess, wenig Wirkung.

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