„Bildung darf kein Nebenschauplatz sein“ – Eltern fordern Neustart für Südtirols Schulen

Mit der Petition meldet sich die Elternschaft des Schulsprengels Gries Bozen zu Wort. Ihr Anliegen: die Sorge um die aktuelle Lage an Südtirols Schulen und der Appell, Bildung endlich wieder als zentrale gesellschaftliche Aufgabe zu begreifen.
Die Petition richtet sich an Landesrat Philipp Achammer, die Landesregierung, die Bildungsdirektion und die politische Öffentlichkeit. Innerhalb kurzer Zeit haben rund 980 Personen unterzeichnet – das Ziel von 1.000 Unterstützungen ist beinahe erreicht.
Hintergrund: Lehrer in Protest, Kinder als Leidtragende
Ausgangspunkt der Petition war die Entscheidung vieler Lehrkräfte, unterrichtsbegleitende Aktivitäten, Ausflüge und externe Projekte vorerst auszusetzen. Damit reagierten sie auf die Tatsache, dass die Landesregierung auf ihre – wie viele Eltern und Lehrer meinen – legitimen Anliegen nach besseren Arbeitsbedingungen, personeller Entlastung und angemessener Wertschätzung nicht zeitnah eingegangen ist.
Für die Eltern im Schulsprengel Gries Bozen ist klar: Die entstandene Situation trifft am Ende vor allem die Kinder. Das Streichen unterrichtsbegleitender Aktivitäten und Ausflüge, das Nicht-Einladen externer Experten und das Kürzen von sportlichen Angeboten besorgt sie zutiefst – nicht nur, weil diese Erlebnisse den Schulalltag bereichern, sondern weil sie für die soziale und persönliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen unverzichtbar sind.
In der Petition heißt es, solche Erfahrungen seien „weder nachholbar noch ersetzbar“. Besonders besorgniserregend ist für die Eltern, dass an vielen Schulen ausgebildetes Lehrpersonal fehlt, weil Südtirol seit Jahren keine attraktiven Arbeitsbedingungen für Pädagogen bietet. Dadurch verschärfen sich die bestehenden Probleme weiter – zulasten der Kinder, die immer häufiger unter Personalmangel, eingeschränkten Angeboten und überlasteten Lehrkräften leiden.
Bildung braucht bessere Rahmenbedingungen
Die Initiative verweist nicht nur auf die unmittelbaren Folgen der aktuellen Lage, sondern auch auf die strukturellen Schwächen im Bildungssystem: fehlendes Lehrpersonal, hohe Belastung der Schulleitungen, unzureichende Ausstattung und zu wenig Unterstützung bei Integration und Sprachförderung.
Die Eltern fordern daher:
- ausreichende finanzielle und personelle Ressourcen für Schulen,
- faire und moderne Arbeitsbedingungen für Lehrpersonen,
- mehr Personal für Integration und Sprachförderung,
- regelmäßige Instandhaltung der Gebäude,
- und eine langfristige, nachhaltige Bildungsstrategie, die Qualität, Inklusion und Entwicklung sicherstellt.
„Die Verantwortung liegt bei der Politik“
Im Gespräch mit UT24 erklärt Initiatorin Petra Amor, warum sie die derzeitige Situation als besorgniserregend empfindet:
„Warum Bildung in Südtirol lang zu einem politischen Nebenschauplatz wurde, kann ich mir nicht erklären. In den letzten Jahren lagen die Prioritäten vielfach auf Verwaltungsreformen, Imageprojekten und kurzfristigen Maßnahmen – während die strukturellen Probleme im Schulwesen ignoriert oder vertagt wurden. Die Verantwortung scheint mir klar bei der Landesregierung (und bei der Bildungsdirektion) zu liegen, insbesondere bei Landesrat Achammer. Es ist versäumt worden, rechtzeitig gegenzusteuern. Lehrpersonen arbeiten vielerorts unter schwierigen Bedingungen, Schulführungen stoßen an ihre organisatorischen Grenzen, und Eltern erleben immer öfter, dass Ressourcen, Personal und Zeit fehlen.“
„Was jetzt nötig ist, ist ein echter Neustart“
Auf die Frage, welche Schritte nun erforderlich seien, antwortet Amor:
„Was jetzt nötig ist, ist ein echter Neustart: deutliche Gehaltsaufbesserungen für Lehrpersonen, personelle und finanzielle Aufstockung der Schulen. Ein offener Bildungsdialog zwischen Politik, Eltern, Lehrpersonen und Schulleitungen – auf Augenhöhe. Verbesserte Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte und pädagogisches Personal, damit der Beruf wieder attraktiv wird. Klare Prioritäten: Sprachförderung, Integration, Unterrichtsqualität und Inklusion müssen Vorrang vor PR-Projekten haben.“
Abschließend betont sie: „Wenn die Politik wieder beginnt, Bildung als Zukunftsaufgabe zu begreifen – und nicht als Kostenfaktor –, kann Südtirol wieder zu einem Bildungsland werden, auf das wir stolz sind.“
Ein Signal für Dialog statt Polarisierung
Mit ihrer Petition setzen die Eltern des Schulsprengels Gries Bozen einen bewussten Gegenakzent zu einer Debatte, die zuletzt oft in Schuldzuweisungen zwischen Lehrern, Eltern und Politik feststeckte. Hier steht der gemeinsame Anspruch im Vordergrund: den Schulalltag so zu gestalten, dass Kinder wieder in einem Umfeld lernen können, das motiviert, stärkt und bildet. Ein konstruktiver Appell aus der Elternschaft – und ein deutliches Signal an die Politik, dass Bildung in Südtirol mehr sein muss als Verwaltung und Schlagworte: eine echte Zukunftsaufgabe.






