von Alexander Wurzer 16.09.2025 08:00 Uhr

Medizin-Fakultät in Bozen: Für Südtiroler ein Flop? – Teil 3

Die neuen Zahlen zur Medizin-Fakultät in Bozen sorgen für Diskussionen: Von insgesamt 56 eingeschriebenen Studierenden stammen lediglich 12 aus Südtirol, 13 aus dem Trentino und die große Mehrheit aus anderen Teilen Italiens oder dem Ausland. Offiziell sollte die Fakultät helfen, dem akuten Ärztemangel entgegenzuwirken. Doch wenn die meisten Absolventen ihre berufliche Laufbahn außerhalb Südtirols einschlagen, bleibt die Frage offen, welchen konkreten Nutzen die Einrichtung für die Gesundheitsversorgung hierzulande überhaupt hat.

Foto: Otto Mahlknecht

Vor diesem Hintergrund hat UT24 zwei Fragen an die politischen Vertreter im Landtag gestellt. Die ersten Antworten liegen nun vor – wir haben bereits die Stellungnahmen von Sven Knoll von der Süd-Tiroler Freiheit und von Jürgen Wirth Anderlan von der Lista JWA veröffentlicht. Heute folgt die Stellungnahme von Otto Mahlknecht von den Freiheitlichen.

Wie kann diese Fakultät unter den gegebenen Umständen tatsächlich einen wirksamen Beitrag zur Lösung des Ärztemangels in Südtirol leisten?

Wenn nur 12 von 56 Studenten aus Südtirol stammen, dann ist klar: Der Großteil der politischen, infrastrukturellen und finanziellen Kosten wird von uns hier gestemmt, während der Nutzen – nämlich dass Ärzte in Südtirol tätig sind und bleiben – nicht gesichert ist.

Ohne verbindliche Mechanismen, die sicherstellen, dass Absolventen auch in Südtirol arbeiten, bleibt der Ärztemangel bestehen.

Die Zusage einer Kooperation mit einer deutschen oder österreichischen Universität hätte dazu dienen sollen, Standards zu garantieren, Akkreditierungen und Mobilität zu erleichtern und damit auch die Attraktivität und Verbindlichkeit für Südtiroler Studierende zu erhöhen. Dass dies bislang nicht umgesetzt wurde, schwächt die Wirkung der Fakultät enorm.

Worin liegt der konkrete Mehrwert für die medizinische Versorgung der Südtiroler Bevölkerung, wenn der Großteil der Absolventen aller Voraussicht nach nicht in Südtirol tätig sein wird?

Ein potentieller Vorteil besteht darin, dass die Anwesenheit einer medizinischen Fakultät vor Ort symbolisch und infrastrukturell wichtig ist: Forschung, Universitätsklinik, Weiterbildung, Anziehung von Fachkräften und Beitrag zur lokalen Wertschöpfung.

Allerdings reicht Symbolpolitik nicht aus. Wenn viele Absolventen direkt wieder wegziehen, verbleibt der konkrete Nutzen gering — insbesondere dort, wo ärztliche Versorgung in abgelegenen Regionen und in den Krankenhäusern stark unter Druck steht.

Für viele Ärzte in Südtirol ist entscheidend, dass eine Universität vor Ort vorhanden ist — dies erleichtert Spezialisierungen, Forschung, Weiterbildungen und kann helfen, Beziehungen zu Heimatregion und Familie zu stabilisieren. Aber das wirkt nur, wenn Rahmenbedingungen stimmen: etwa attraktive Arbeitsverträge, Karrieremöglichkeiten, Anreizsysteme, und eine klare Verpflichtung, zumindest Teile der Ausbildung und Berufsausübung in Südtirol zu verankern.

Ich begrüße grundsätzlich, dass das Problem des Ärztemangels endlich angegangen wird. Aber die derzeitigen Rahmenbedingungen sind unzureichend. Es müssen folgende Dinge passieren:

  1. Verbindliche Partnerschaften: Die im Regierungsprogramm zugesagte Kooperation mit einer deutschen oder österreichischen Universität muss endlich umgesetzt werden.
  2. Studienplätze für Südtiroler reservieren, so wie Österreich das mit seinen Studienplätzen handhabt. Das könnte man z.B. mit der Zweisprachigkeitsprüfung als Studienvoraussetzung erreichen.
  3. Attraktive Bedingungen für Ärzte in Südtirol: Karrierechancen, Forschung, Weiterbildung vor Ort. Ein Medizinstudium in Bozen muss auch über die Studienzeit hinaus attraktiv bleiben.
  4. Verpflichtende Arbeit an Südtiroler Krankenhäusern nach dem Studium, damit nicht nur Ausbildungskosten hier anfallen, sondern auch ein Teil der Arbeitsleistung.

Morgen die Stellungnahme vom Team K

Morgen erscheint Teil 4 mit der ausführlichen Stellungnahme von Maria Elisabeth Rieder vom Team K. Damit wird die Diskussion rund um die neue Medizin-Fakultät in Bozen fortgesetzt und um eine weitere Perspektive ergänzt.

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