Alte Tirolensien neu gelesen (Teil 64)

Im Fokus steht die Innsbrucker Linie der Familie Thurn und Taxis, die über fast 300 Jahre das Postwesen als landesfürstliches Lehen prägte, bis es unter Maria Theresia in den Staatsdienst integriert wurde. Die Untersuchung geht auf die institutionellen Strukturen als auch die praktischen Abläufe des Postbetriebs ein und präsentiert die Post als Herrschaftsinstrument, Kommunikationsnetz und wirtschaftlichen Faktor. Eine Rezension von Andreas Raffeiner.
Vorbemerkung
Das beinahe 500 Seiten umfassende Buch ist Teil der bekannten Schlern-Schriften (Bd. 371) und stellt einen sehr bedeutenden Beitrag zur österreichischen und europäischen Postgeschichte dar. Kustatscher verbindet sorgfältige Archivarbeit mit einer klaren methodischen Herangehensweise: Sie befasst sich nicht nur mit institutionenhistorischen Fragestellungen, sondern berücksichtigt auch sozialgeschichtliche und wirtschaftliche Aspekte.
Gliederung
Die Gliederung ist chronologisch aufgebaut: Sie reicht von den Anfängen des Postwesens in Tirol (im späten 15. Jahrhunderts) über die Etablierung des Postregals und die Integration in das habsburgische Herrschaftssystem bis hin zur zunehmenden Verstaatlichung im 18. Jahrhundert. Der Abschnitt über die Funktion der Innsbrucker Thurn-und-Taxis-Linie als oberste Postmeister ist besonders aufschlussreich. Die Handlungsspielräume dieser Familie werden hier zwischen dem Landesfürst, der Verwaltung und den lokalen Posthaltern eindringlich sichtbar.
Stärken und Schwächen des Werkes
Die Stärken des Buches liegen in der detaillierten Darstellung der Postlinien (wie Innsbruck-Ala, Innsbruck-Füssen oder die Verbindungen durch das Pustertal), die mit zahlreichen Karten, Tabellen und Kurzporträts der Posthalter illustriert sind. Dadurch wird die Darstellung der Kommunikationsnetze, die Tirol und die Vorlande mit dem Reich und Italien verbanden, sehr anschaulich.
Die Autorin verbindet ihre institutionelle Analyse mit Fragen zu den sozialen Trägern des Postwesens. Die prosopografischen Kurzporträts zeigen, wie eng das Postsystem mit regionalen Gesellschaften verbunden war und wie es den Aufstieg bestimmter Familien unterstützte.
Es ist nur kritisch zu bemerken, dass die Vielzahl an Detailinformationen die Lektüre teilweise erschwert. Eine stärkere Zusammenfassung hätte die Zugänglichkeit erhöht. Trotzdem wird die Arbeit gerade für Fachleute zur essentiellen Referenz.
Fazit
Mit Die Innsbrucker Linie der Thurn und Taxis präsentiert Erika Kustatscher ein maßgebliches Werk zur Postgeschichte Österreichs. Es kombiniert in vorbildlicher Weise quellengesättigte Detailstudien mit umfassenden historischen Kontexten und demonstriert die Post als wesentliches Element der frühneuzeitlichen Staatlichkeit. Das Buch hat sowohl für die Tiroler Landesgeschichte als auch für die europäische Kommunikationsgeschichte einen bleibenden Wert.
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Erika Kustatscher: Die Innsbrucker Linie der Thurn und Taxis. Die Post in Tirol und in den Vorlanden (1490–1769) (Schlern-Schriften, Bd. 371), Innsbruck 2018.






