von ih 08.08.2025 10:29 Uhr

Zahl der Wolfsrisse steigt – Bauern in Mühlwald schlagen Alarm

In den Alpentälern Südtirols wächst die Sorge unter den Bauern: Die Zahl der Wolfsrisse auf den Almen rund um das Mühlwalder, Tauferer und Ahrntal nimmt stark zu. Ortsobleute des Südtiroler Bauernbunds (SBB) schlagen Alarm – sie sprechen von über 100 gerissenen oder verschwundenen Schafen und Ziegen innerhalb weniger Wochen. Die Forderung ist deutlich: Es müsse rasch gehandelt werden, um die Weidetierhaltung zu schützen.

Foto: Südtiroler Bauernbund

Allein in Zösenberg bei Lappach sollen laut SBB-Ortsobmann Roland Oberlechner rund 80 Tiere verschwunden sein. Auf der Pojer-Alm zwischen Ahornach und Klausberg wurden neun bestätigte Wolfsrisse sowie acht verschwundene Lämmer gemeldet. Ähnliche Vorfälle gibt es in Prettau und auf der Eppachalm. Viele Kadaver bleiben unentdeckt – sie liegen oft in unwegsamem Gelände oder wurden bereits von Aasfressern wie Gänsegeiern beseitigt.

Einige Bauern reagierten bereits und brachten ihre Tiere früher als geplant ins Tal. Fünf Tierhalter trieben ihre Herden Ende Juni von der Tesselberger Alm ab, nachdem es dort zu drei Wolfsangriffen gekommen war. Auch in Hofnähe sind Nutztiere nicht mehr sicher. So berichtet Artur Niederbrunner, Ortsobmann von Gais/Uttenheim, dass sechs seiner Schafe direkt auf der Weide neben einem Wanderweg gerissen wurden – bei Tageslicht. Für ihn ist klar: „Wenn sich nichts ändert, wird der Wolf irgendwann auch für Menschen zur Gefahr.“

Die bäuerlichen Vertreter fordern daher eine klare Linie im Umgang mit sogenannten Problemwölfen. Tiere, die mehrfach Nutztiere angreifen, insbesondere nahe an Höfen, müssten konsequent entnommen werden. Nur so könne die natürliche Scheu des Wolfs vor dem Menschen erhalten bleiben, heißt es.

Auch die Erfassung und Veröffentlichung von Rissdaten müsse transparenter werden. Oft könnten Verluste nicht offiziell bestätigt werden, weil die Kadaver fehlen oder Tiere nach Angriffen abstürzen. Videoaufnahmen aus Zösenberg zeigen beispielsweise, wie Gänsegeier einen Schafkadaver vollständig fressen – eine Herausforderung für die Nachweisbarkeit.

Rückendeckung erhalten die Bauern auch von der Politik. Mühlwalds Bürgermeister Paul Niederbrunner macht sich für den Schutz der Almwirtschaft stark: „Wer die Weidewirtschaft sichern will, muss bereit sein, Problemwölfe zu entnehmen. In vielen Ländern ist das längst Realität.“

SBB-Bezirksobmann und Landesobmannstellvertreter Manfred Vallazza fordert ein gezieltes Wolfsmanagement und lobt die bereits erlassenen Entnahmeverordnungen.

Doch das sei nicht genug: „Nach der Senkung des Schutzstatus des Wolfes auf EU- und internationaler Ebene müssen nun auch konkrete Schritte auf Landes- und Staatsebene folgen. Wölfe müssen in Zukunft reguliert werden können – so wie andere Wildtiere auch.“

Die Forderungen der Bauern sind unmissverständlich: Ohne wirksame Maßnahmen drohen weitreichende Folgen für die traditionelle Almwirtschaft in Südtirol.

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