von lif 06.03.2025 07:49 Uhr

Die Mystery-Box: Schnäppchen oder riskante Lotterie?

In vergangener Zeit hat das Phänomen der so genannten „Mystery Box“ immer mehr an Boden gewonnen. Die Popularität dieses Trends wurde insbesondere durch Live-Veranstaltungen in verschiedenen europäischen Städten, darunter auch in Rom, gefördert. Das EVZ und die VZS haben beschlossen, das Phänomen durch einen Test genauer unter die Lupe zu nehmen. Die damit verbundenen Risiken sind in der Tat nicht gering.

Bild: PublicDomainPictures vonPixabay

Was ist eine „Mystery Box“ und woher kommt dieser Trend?

Eine „Mystery Box“ ist eine Schachtel, die ohne Angaben zum Inhalt verkauft wird. Der Kauf erfolgt in der Hoffnung, Gegenstände vorzufinden, die einen höheren Wert haben als der bezahlte Preis. Der Überraschungseffekt steht dieser Erfahrung, die sich auch auf den sozialen Plattformen viral verbreitet hat.

Unternehmen, die diese Art von Verkauf anbieten, behaupten, dass sie die verloren gegangenen oder nicht abgeholten Pakete großer Online-Verkaufsplattformen aufkaufen. Der Ankauf erfolgt nach Gewicht, um sie dann kiloweise weiterzuverkaufen. Die Unternehmen behaupten, dabei einen Beitrag im Sinne eines nachhaltigen Wirtschaftskreislaufes zu leisten, indem sie Waren wieder auf den Markt bringen, die sonst entsorgt oder zerstört werden müssten. Die Formel klingt natürlich verlockend: Man hofft, in dem gekauften Paket Waren zu finden, die viel mehr wert sind als das, was man bezahlt hat. Verbraucher sollten den Versprechungen jedoch mit Vorsicht begegnen und den Green-Claim-Anspruch hinterfragen.

Probleme beim Verkauf von „Mystery Boxes”

An wunden Punkten mangle es aber nicht, berichtet die Verbraucherzentrale. Bei näherer Betrachtung fallen nämlich gleich mehrere problematische Aspekte auf.

Erstens schließen die Unternehmen, die diese Art von Blindverkäufen anbieten, in ihren Vertragsbedingungen das gesetzlich garantierte Rücktrittsrecht aus, zumindest sobald der Inhalt der Packung geöffnet wurde. Unzweifelhaft verstößt der Ausschluss des Rücktrittsrechts bei Verbraucherkäufen gegen europäisches und italienisches Recht und verwandelt den Kaufvertrag in eine echte Lotterie oder ein Glücksspiel.

Darüber hinaus umfassen die vorgesehenen Haftungsausschlüsse auch die gesetzliche Gewährleistung für Mängel und die Haftung für gefährliche Produkte. Dabei handelt es sich ebenfalls um unzulässige Klauseln, da die verkaufende Partei, die eine Ware in Umlauf bringt, nach dem Gesetz sowohl für die Mangelhaftigkeit der Produkte als auch für deren Sicherheitsrisiken haftet?

„Klauseln dieser Art sind als missbräuchlich zu betrachten“, erklärt Gunde Bauhofer, Direktorin der VZS, und fährt fort: „Wir haben daher beschlossen, die Angelegenheit bei der zuständigen Wettbewerbs- und Marktaufsichtsbehörde (AGCM) anzuzeigen“.

Der Test des EVZ Italien und der VZS

Das Europäische Verbraucherzentrum und die Verbraucherzentrale haben beschlossen, der Sache auf den Grund zu gehen und eine Mystery Box zu kaufen, um deren Inhalt zu überprüfen. Die Wahl fiel auf ein drei Kilogramm schweres Paket, das angeblich aus Päckchen von Amazon-Rücksendungen bestand (wofür ein Aufpreis gezahlt wurde) und zu einem Preis von 74,90 Euro plus 11,90 Euro Lieferspesen gekauft wurde (bei 15 kg liegt der Preis bereits bei 250 Euro). „Das Endergebnis war eine bittere Enttäuschung!“, so die Verbraucherzentralen. Das bestellte Paket enthielt drei Schwimmmasken, eine Powerbank für Mobiltelefone und zwei Päckchen mit Möbelgriffsets. Dies alles zu einem Preis, der weit höher als der tatsächliche Warenwert lag. Außerdem waren die Produkte größtenteils unbrauchbar oder sogar potenziell gefährlich, da fast keines von ihnen die erforderliche CE-Kennzeichnung aufwies. Wer neugierig ist, kann sich das Öffnen unseres Testpaketes unter folgendem Link ansehen.

Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Website, bei der sie eingekauft haben, klar und deutlich betont, dass „unsere Pakete in genau dem Zustand verkauft werden, in dem wir sie erhalten haben, und niemand den Inhalt kennt“. Die Produkte, welche die Verbraucherzentralen aber erhalten haben, wurden jedoch tatsächlich ausgepackt und neu verpackt, so dass es unmöglich ist, dass die Vorbereitung des Pakets für den Versand ohne Kenntnis des Inhalts vonstattenging.

Und zum Schluss die Frage: Lohnt es sich?

Die Antwort ist für uns klar und eindeutig negativ: Die Teilnahme an dieser Art von Kaufangeboten lohnt sich nicht. Mit der Einschränkung der Verbraucherrechte geht nämlich die wahrscheinliche Enttäuschung nach dem Öffnen der „Mystery Box“ einher. Dazu trägt der undurchsichtige und intransparente Prozess, wie die Produkte ausgewählt werden, bei. Selbst die Hoffnung, an einer ökologisch nachhaltigen Aktion teilzunehmen, werde sofort zerstört. Anstatt die Produkte wieder in Umlauf zu bringen, scheint es, als wälze man einfach nur die Verantwortung für die Entsorgung solcher Waren auf die Verbraucher ab. Ein verlockendes Angebot, von dem man aber besser die Finger lässt, wenn man damit nicht sein sprichwörtliches Päckchen tragen möchte.

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