von red 03.03.2025 17:00 Uhr

Alte Tirolensien neu gelesen (Teil 45)

Das umfassende und detailreiche Werk 100 Jahre Fremdenverkehr in Tirol: Die Geschichte einer Organisation aus der Feder von Adolf Lässer ist eine sehr wertvolle Lektüre für alle, die für die Entwicklung des Tiroler Tourismus und dessen institutionelle Organisation Interesse zeigen. Der Autor gibt einen tiefen Einblick in die Entstehungs- und Evolutionshistorie der Fremdenverkehrsorganisationen in Tirol, beginnend bei den frühen Anfängen bis hin zur Struktur nach dem Zweiten Weltkrieg. Eine Rezension von Andreas Raffeiner.

100 Jahr Fremdenverkehr in Tirol von Adolf Lässer

Erste organisatorische Tourismusformen

Der erste Teil des zu besprechenden Buches behandelt die ersten organisatorischen Formen des Tiroler Fremdenverkehrs bis zur Gründung des Landesverbandes im fernen Jahr 1889. Lässer schildert mit der Liebe zum Detail die Rolle von Kurkommissionen, Verschönerungsvereinen und Bergführervereinen und zeigt anschaulich, wie diese das Fundament für die spätere institutionelle Entwicklung des Tiroler Tourismus legten. Ein weiterer Schwerpunkt liegt ferner auf der Entstehung des ersten Landesverbands und seiner Bedeutung für die regionale Organisation und Werbung des Fremdenverkehrs.

Prägende Phase vor dem Ersten Weltkrieg

Das Buch geht in der weiteren Folge auf die prägende Phase zwischen 1889 und 1910 ein, als der Landesverband für Fremdenverkehr in Tirol gegründet wurde. In dieser Zeit nahmen wichtige Persönlichkeiten wie beispielsweise Dr. Johann Angerer und Wilhelm von Pernwerth Bärnstein Einfluss auf die Struktur und Organisation des Landesverbandes. Der Autor beleuchtet die ersten erfolgreichen Werbemaßnahmen, Publikationen und Ausstellungen, die Tirol als Fremdenverkehrsdestination auf dem internationalen Markt positionierten.

Institutionalisierung des Fremdenverkehrs

Mit dem Erscheinen des ersten Landesfremdenverkehrsgesetzes im Jahr 1910 und der Gründung des Landesverkehrsamts wird der Weg zur Institutionalisierung des Fremdenverkehrs weiter beschrieben. Die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg zeigen hingegen die Herausforderungen des Fremdenverkehrs in der Ersten Republik, einschließlich des Aufbaus neuer Netzwerke und Verbände, sowie der Zunahme des Wintersports, der bis in die Jetztzeit eine mehr als zentrale Rolle im Tiroler Tourismus spielt.

Politische und wirtschaftliche Veränderungen in der Zwischenkriegszeit

Besonders zu unterstreichen ist der umfangreiche geschichtliche Zusammenhang, den Lässer in jedem Kapitel dem Leser bietet. Von den Kriegsjahren bis zum Wiederaufbau nach 1945 zeigt der Verfasser auf anschauliche Art und Weise, wie sich Tirols Fremdenverkehrsorganisationen stets den politischen und wirtschaftlichen Veränderungen anpassten und demzufolge eine stabile Basis für den Tourismus in Tirol schufen.

Zwischen Gesetzgebungen und institutionellen Entwicklungen

Sowohl die wissenschaftliche Tiefe als auch die präzise Darstellung von Gesetzgebungen und institutionellen Entwicklungen machen die zu rezensierende Publikation zu einer wertvollen Quelle für Historiker und Tourismusforscher. Aber auch für den interessierten Laien ist die Geschichte des Tiroler Fremdenverkehrs durchaus ein faszinierendes Kapitel der Kultur- und der Sozialgeschichte, welches die als engmaschig zu bezeichnende Verbindung zwischen regionaler Entwicklung und Fremdenverkehr eindrucksvoll beleuchtet.

Fazit

Abschließend lässt sich sagen, dass Adolf Lässer mit diesem Buch ein bahnbrechendes Meisterwerk der regionalen Geschichtsschreibung geschaffen hat, das auf keinen Fall bloß die Entwicklung eines Wirtschaftszweiges dokumentiert, sondern auch das gesellschaftliche und ökonomische Leben in Tirol über ein Jahrhundert hinweg widerspiegelt und auch über dreieinhalb Jahrzehnte nach dem Erscheinen nichts an seiner Aktualität eingebüßt hat.

Von Andreas Raffeiner

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Adolf Lässer, 100 Jahre Fremdenverkehr in Tirol. Die Geschichte einer Organisation (Tiroler Wirtschaftsstudien, Folge 40), Innsbruck 1989.

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