von veo 22.02.2025 07:14 Uhr

Vom Dorf in den Krieg: Montans junge Männer an der Front

Montan – Der Bildungsausschuss und die Schützenkompanie hatten kürzlich eingeladen – und alle waren gekommen. Der Johann-Fischer-Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt, als die Dorfbevölkerung einen tiefen Einblick in die Geschichte der Montaner Soldaten im Ersten Weltkrieg erhielt

UT24

Der Krieg beginnt – und Montan wird erfasst

„In Montan wurde die Anordnung der allgemeinen Mobilmachung am Abend des 31. Juli 1914 bekannt. In der Nacht vom 31. Juli auf den 1. August kam ein Gendarm mit ungefähr 40 Einberufungskarten. Diese wurden sofort von Hilfsboten an die Betroffenen zugestellt. Die nächtliche Ruhestörung versetzte die Menschen in große Aufregung.“ Diese Zeilen stammen von Mathilde Amplatz, vulgo Jordan Tilla, die die dramatischen Ereignisse jener Zeit einst festhielt.

Dass ihre Aufzeichnungen nicht in Vergessenheit gerieten, ist Elmar Thaler zu verdanken. Er entdeckte diese wertvollen Dokumente und erweiterte sie um 60 weitere Schicksale – Geschichten von jungen Männern, die voller Hoffnung in den Krieg zogen und ihr Heimatdorf oft nie wieder sahen. Unterstützt wurde Thaler vom Archäologen Rupert Gietl, der mit akribischer Recherche die Spuren der gefallenen Montaner Soldaten verfolgte. Gemeinsam dokumentierten sie deren Einsatzorte, militärische Laufbahnen und letzte Ruhestätten mit beeindruckender Genauigkeit.

Berührende Schicksale und bewegende Erinnerungen

Eines dieser Schicksale ist das von Peter Erler, der Ende Oktober 1914 als erster Montaner Soldat fiel. Während der Veranstaltung las Nina Gallmetzer aus den Aufzeichnungen von Mathilde Amplatz, während Graziella Rizzolli ergänzende Tagebucheinträge eines Montaner Standschützen und die Verwandtschaftsverhältnisse der Gefallenen zu noch lebenden Angehörigen darstellte. Schützenhauptmann Lukas Wegscheider gab eine Einführung, bevor Rupert Gietl die Heeresgattungen und Einsatzorte der k.u.k. Armee näher beleuchtete. Einen besonderen Eindruck hinterließen sieben Montanerinnen und Montaner, die die Geschichten ihrer Vorfahren persönlich vortrugen. Ihre Worte ließen das Publikum nachdenklich zurück.

Erinnerung als Mahnung

Elmar Thaler fasste den Abend mit eindringlichen Worten zusammen: „Krieg ist kein fernes Ungetüm, das nur in der Ukraine, im Gazastreifen oder anderswo wütet. Krieg war auch hier. Er ist nicht so weit weg, nicht so lange her. Krieg hat auch unsere Geschichte geprägt. Das sollte uns eine kleine Verpflichtung sein. Nur dann war dieser Abend sinnvoll.“

Der Abend endete nicht nur mit nachdenklichen Gesichtern, sondern auch mit neuem Material: Einige Besucher brachten weitere, bislang unbekannte Dokumente zu den gefallenen Montaner Soldaten mit. Ein Zeichen dafür, dass die Erinnerung weiterlebt.

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