Weiterer Abzug Israels aus Gaza

Israel entließ im Gegenzug auch 183 palästinensische Häftlinge aus seinen Gefängnissen. Aufnahmen von der Geiselübergabe an Vertreter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) zeigten, wie die drei schwach wirkenden Israelis zunächst von vermummten und bewaffneten Hamas-Mitgliedern auf eine Bühne in Deir al-Balah im Zentrum des Gazastreifens geführt wurden. Sie mussten sich in dem von der Hamas choreografierten Auftritt bei ihren Geiselnehmern bedanken.
Eli Sharabi sagte etwa auf Hebräisch, er freue sich auf ein Wiedersehen mit seiner Frau und seinen Töchtern – noch nicht wissend, dass diese bei dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 getötet worden waren.
Wut über „grausames Spektakel“ der Hamas
Die militärisch nach 16 Monaten Krieg extrem angeschlagene Islamistenorganisation nutzte die Freilassungen in den vergangenen Wochen stets als Machtdemonstration. Hunderte Schaulustige verfolgten das inszenierte Prozedere vor Ort, wie in Live-Übertragungen zu sehen war. Israels Staatspräsident Yitzhak Herzog sprach von einem „zynischen und grausamen Spektakel“.
Außenminister Gideon Saar verglich die augenscheinlich schlechte körperliche Verfassung der freigelassenen Geiseln mit Überlebenden der Shoah. „Die israelischen Geiseln sehen aus wie Holocaust-Überlebende“, schrieb er auf der Plattform X.
Mehr Binnenflüchtlinge können in Norden Gazas zurückkehren
Nach dem Abzug der Armee aus dem Netzarim-Korridor können Binnenflüchtlinge in noch größerer Zahl als bisher aus dem Süden des Gazastreifens in ihre weitgehend zerstörten Wohnorte im Norden zurückkehren. Der Korridor teilt den Küstenstreifen in eine nördliche und eine südliche Hälfte.
Die islamistische Hamas feierte den Abzug der Truppen aus dem Korridor als „Sieg“ des palästinensischen Volkes und Niederlage Israels. Erste Videoaufnahmen aus dem geräumten Gebiet zeigten massive Zerstörungen.
Gespräche in Katar über Fortsetzung der Waffenruhe
Eine israelische Delegation kam derweil zu weiteren Gesprächen über eine Fortsetzung der Waffenruhe in Katar an. Angehörige der weiter im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln werfen Israels Regierung vor, die nächste Gesprächsrunde nicht entschlossen genug anzugehen.
Die indirekten Gespräche in Doha, bei denen Katar, Ägypten und die USA vermitteln, sollen sich um die zweite Phase der Waffenruhe drehen, die Ende des Monats beginnen müsste. Diese soll zu einem endgültigen Ende des Kriegs und zur Freilassung der restlichen Geiseln führen, die noch am Leben sind. Kritiker werfen Netanyahu vor, diesbezügliche Schritte aus Rücksicht auf die politische Rechte in Israel hinauszögern. Hardliner verlangen, die Forderungen der Hamas nicht zu erfüllen und die palästinensische Terrororganisation stattdessen vollständig zu vernichten.
APA






