Zusatzrente in Südtirol: Warum sie unverzichtbar ist

Doch genau hier setzt der Laborfonds an – ein Zusatzrentenfonds, der Arbeitnehmern langfristig finanzielle Sicherheit bietet. Trotz wachsendem Bewusstsein für private Vorsorge zögern viele junge Menschen noch, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Dabei zeigen die Zahlen, dass es sich lohnt: Der Laborfonds verzeichnete 2024 eine hervorragende Performance mit einer Rendite von 9,4 Prozent in der dynamischen Linie und 5,57 Prozent in der ausgewogenen Linie. Zudem steigt die Zahl der Mitglieder kontinuierlich – mittlerweile sind 141.611 Arbeitnehmer eingeschrieben, 4.000 mehr als im Vorjahr.
Warum lohnt sich der Laborfonds besonders? Welche steuerlichen Vorteile gibt es? Und was passiert in Krisenjahren? Diese und weitere Fragen klären wir mit Alex Piras, Verwaltungsratmitglied des Laborfonds und Vize-Vorsitzender des ASGB, der als Experte für Zusatzrente wertvolle Einblicke gibt.
Herr Piras, viele junge Menschen denken nicht an ihre Rente. Warum ist das ein Fehler?
Es ist schwierig, die jungen Menschen dazu zu bringen, sich heute schon mit dem Thema Rente zu befassen, es erscheint vielen zu zukunftsfern. Allerdings müssen die Jugendlichen und jungen Arbeitnehmer wissen – die Möglichkeiten, sich darüber informieren und beraten zu lassen sind heutzutage sehr vielfältig – dass Rentenreformen, die in der jüngeren Geschichte gemacht wurden, genau bei ihnen im Alter die nachteilhaften Effekte entwickeln werden, wenn sie nicht heute schon damit beginnen, in Form einer langfristig angelegten Zusatzrentenvorsorge gegenzusteuern.
Die gesetzliche Rente in Italien ist oft niedrig. Können Sie anhand eines Beispiels verdeutlichen, wie groß die Rentenlücke ohne eine Zusatzvorsorge ausfallen kann?
Dies an einem Beispiel darzustellen, wäre zu verallgemeinernd. Es hängt ja davon ab, wie regelmäßig und wie viele Rentenbeiträge der Einzelne während seines Arbeitslebens ins sogenannte beitragsbezogene Rentensystem einzahlt. Hochrechnungen sprechen teilweise von nur 50 – 60 Prozent Rente gemessen am Gehalt vor der Pensionierung. Denselben Lebensstandard kann man damit in der Rente sicher nicht halten und wer dann gleichbleibende Ausgaben wie z.B. die Miete stemmen muss, läuft konkret Gefahr, ein Rentnerleben in Armut führen zu müssen. Es braucht also die Weitsicht für eine ergänzende Vorsorge wie die Zusatzrente, um diese finanzielle Lücke im Alter zu einem guten Teil schließen zu können.
Der Laborfonds konnte 2024 eine starke Performance verzeichnen. Welche Vorteile bietet er im Vergleich zu anderen Pensionslösungen?
In der Tat hat Laborfonds das Jahr 2024 mit einem sehr guten Ergebnis abgeschlossen. Laborfonds kann aber auch im Mehrjahresvergleich, worauf ja das eigentliche Hauptaugenmerk liegen sollte, gute Zahlen präsentieren und dies trotz großer und verschiedener Krisen auf der ganzen Welt. Wenn man sich die gesamte Entwicklung seit Beginn des Laborfonds vor Augen hält, sieht man, wie wichtig diese Vorsorge für die Arbeitnehmer in unserer Region ist und zunehmend wichtiger wird. Laborfonds bietet den Vorteil gegenüber anderen Zusatzrentenfonds, dass auch der Arbeitgeber zugunsten des eingeschriebenen Arbeitnehmers einen Teil von dessen Zusatzrente einzahlt. Zudem hat Laborfonds die niedrigsten Kosten von allen Fonds in Südtirol, was den Mitgliedern beim Aufbau einer Zusatzrente ebenso zugutekommt und langfristig Tausende von Euros sparen hilft.
Ein großer Vorteil sind auch die steuerlichen Abzüge. Wie können Arbeitnehmer davon profitieren?
Die Steuervorteile der Zusatzrente können für die Eingeschriebenen sehr von Vorteil sein. Der Grundsatz lautet, dass die Beiträge an den Laborfonds unversteuert einfließen. Dadurch spart man sich je nach persönlichem Einkommen auf die eingezahlten Beiträge den höchsten Einkommenssteuersatz von 23 , 35 oder 43 Prozent. Bei der Auszahlung der Rentenleistungen seitens des Fonds beträgt die fällige Steuer dann max. 15 Prozent und kann je nach Länge der Zugehörigkeit zum Zusatzrentensystem bis auf 9 Prozent absinken.
Neben der klassischen Altersvorsorge bietet der Laborfonds auch Möglichkeiten für den Wohnungskauf. Wie funktioniert das Bausparen mit dem Laborfonds?
Das Bausparen über die Zusatzrente ist eine wichtige Säule der Altersvorsorge in Südtirol, weil Zusatzrentensparer bereits nach acht Jahren Mitgliedschaft auf ein günstiges Darlehen des Landes mit einem fixen Zinssatz von nur 1 Prozent zurückgreifen können, um ihre Erstwohnung durch Kauf, Neubau oder Sanierung zu finanzieren. Arbeitnehmer der Privatwirtschaft erhalten das Doppelte des im Fonds angesparten Kapitals als Bauspardarlehen, jene des öffentlichen Dienstes das Dreifache ihres Kapitals, da bei Letzteren der Abfertigungsanteil nicht oder nur zum Teil für das Bausparen berücksichtigt werden kann. Die Höchstgrenze des Bauspardarlehens liegt derzeit bei 150.000 Euro, als Paar, das ein Eigenheim zusammen erwirbt, bei 250.000 Euro. Auch als ASGB befürworten wir dieses Bausparmodell sehr, da für uns das Eigenheim eine wichtige Form der Altersvorsorge darstellt. Ein junger Arbeitnehmer in Südtirol sollte sich schon allein wegen dieser Möglichkeit, früh in den Laborfonds einschreiben.
Viele Menschen fürchten Krisenjahre und Schwankungen an den Börsen. Sollte man in schwierigen Zeiten in Panik geraten oder gibt es gute Gründe, ruhig zu bleiben? Gibt es historische Beispiele?
Wie jeder Fonds, spürt auch der Laborfonds die Schwankungen auf den Finanzmärkten. Diese wird es immer geben. Panik ist hierbei absolut der falsche Berater, da im Moment der Panik meist die Krise schon in vollem Gange ist und man durch eine Auszahlung oder den Wechsel in eine risikoärmere oder risikofreie Investitionslinie den erlittenen Teilverlust realisieren bzw. das Aufholen dieses Verlustes sehr verlangsamen würde. Daher sollte man grundsätzlich daran denken, sein angespartes Kapital im Hinblick auf den sich nähernden Auszahlungszeitpunkt, meist wegen des Rentenantritts, rechtzeitig in die Investitionslinie mit Kapitalgarantie zu verlegen. Jene, die noch einen langen Einzahlungszeitraum vor sich haben, sollten sich hingegen die langfristige Entwicklung vor Augen halten. Daran erkennt man, dass die drei aktiengewichtigen Investitionslinien des Laborfonds trotz wiederkehrender Finanzkrisen auf der Welt eine stetige positive Entwicklung hinlegen. Als Beispiel dienen die weltweite Finanzkrise von 2008, der kurzzeitige Kursabfall in der Coronazeit und jüngst der Krieg in der Ukraine. In allen drei Fällen folgte wieder ein Aufschwung bei den verschiedenen Investitionslinien.
Ein oft genannter Kritikpunkt ist, dass Pensionsfonds wie der Laborfonds nicht die einzige Vorsorgemöglichkeit sind. Manche setzen auf ETFs oder andere Investments. Was sagen Sie dazu?
Das sehe ich absolut nicht als Kritikpunkt. Jeder Bürger muss am Ende für sich selbst entscheiden, was für ihn das Beste ist. Wichtig ist, dass jeder eine zusätzliche Vorsorge für sein Alter trifft, da die gesetzliche Rente zwar garantiert ist, aber immer stärker reduziert wird. Wer sich ernsthaft mit den Möglichkeiten und Vorteilen einer Zusatzrente beim Laborfonds auseinandersetzt, wird schnell merken, dass beispielsweise ETFs kein Ersatz für eine Zusatzrente sein können, sondern eine eventuelle Ergänzung dazu. ETFs sehen keinen verpflichtenden Arbeitgeberbeitrag zugunsten des Arbeitnehmers vor, sind nicht vom Einkommen absetzbar (Steuervorteil) wie die Laborfondsbeiträge und sie unterliegen der Kapitalertragssteuer von 26 Prozent, während die Renditen der Zusatzrentenfonds mit 20 Prozent besteuert werden. Zusatzrentenfondsmitglieder erhalten zudem von der Region und vom Land eine Reihe von Unterstützungsbeiträgen in bestimmten Situationen wie Arbeitslosigkeit, Kindererziehung, Pflege von Familienmitgliedern, usw., ein weiterer Vorteil also gegenüber anderen Investitionsformen. Das Bausparen habe ich als weiteren Vorteil bereits genannt.
Zum Abschluss: Was raten Sie einem jungen Arbeitnehmer, der sich erstmals mit dem Thema Zusatzrente auseinandersetzt?
Südtirol hat ein europaweit einmaliges Netz, um die gesamte Bevölkerung umfassend über die Möglichkeiten, mittlerweile muss man schon sagen die Notwendigkeit, sich eine Zusatzrente aufzubauen, zu informieren. Pensplan, die Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände mit ihren vielen Infopoints in Südtirol bieten allen Interessierten kostenlose Beratungen zu diesem Thema an, damit jeder für sich eine verantwortungsvolle Entscheidung treffen kann. Ich rate also jedem jungen Menschen in Südtirol in jedem Falle, sich an einen Zusatzrenteninfopoint in Bozen oder der Bezirksstelle in seiner Nähe zu wenden und sich das Zusatzrentenmodell erklären zu lassen. Je früher desto besser. Es ist die ideale Sparform, um sich langfristig mit kleinen monatlichen Beiträgen ein beachtliches Kapital für das Rentenalter anzusparen.






