von ih 07.04.2022 11:51 Uhr

Bruneck: Alpini planen kriegsverherrlichende Zeremonie

Ausgerechnet in Zeiten des Ukraine-Kriegs haben sich Vertreter der Alpini dazu entschieden, Fragmente des einstigen Kapuzinerwastls zurück nach Bruneck zu bringen. Damit soll dem Angriffskrieg im 20. Jahrhundert auf das heutigen Äthiopien gedacht werden. UT24 hat bei Brunecks Bürgermeister Roland Griessmair und Renzo Bordin, dem Vorsitzenden der Alpini-Veteranen nachgefragt, was sie davon halten. Woraufhin es zu einer sofortigen Absage der Kriegsveranstaltung gekommen ist – auf Drängen des Bürgermeisters.

Die Brunecker Alpini wollen Fragremte des faschistischen Kapuzinerwastls, der einem Angriffskrieg gedenkt, zurück nach Bruneck holen. - Foto: UT24

Brunecks Bürgermeister Roland Griessmair reagierte äußerst überrascht, als ihn UT24 am Donnerstagmorgen mit einer geplanten Veranstaltung der Alpini konfrontiert. So wollen diese ein Fragment des faschistischen Kapuzinerwastls, das 1979 durch Widerstandskämpfer gesprengt wurde, wieder zurück nach Bruneck bringen.

Die Hand des ehemaligen Wastls sollte demnach feierlich am 23. April dieses Jahres in der Brunecker Lugrami-Kaserne als „neues Denkmal“ und gut von außen sichtbar aufgestellt werden. Doch dazu soll es vorerst doch nicht kommen – auf Intervention des Bürgermeisters, der von UT24 von der geplanten Enthüllung der „Alpini-Hand“ erfuhr.

Bürgermeister interveniert - Alpini verschieben Kriegs-Zeremonie

„Sofort nachdem ich von Ihnen von der Veranstaltung erfahren habe, habe ich mit dem Kommandanten der Alpini vom 6. Regiment telefonisch Kontakt aufgenommen. Dabei habe ich mich mit ihm dahingehend verständigt, nachdem der Krieg in der Ukraine ist, es aktuell sicher nicht der richtige Zeitpunkt dafür ist, Symbole die mit dem Krieg in Verbindung gebracht werden könnten, irgendwo zu installieren“, erklärt Griessmair.

Bürgermeister Griessmair habe sich dabei mit den Alpini darauf verständigt, dass die Zeremonie verschoben wird. Verschoben, aber nicht abgesagt. Sollte es dennoch zu einem späteren Zeitpunkt zu der Zeremonie kommen, wolle Griessmair „nicht daran teilnehmen“. Er sei bis dato aber auch nicht dazu eingeladen worden und habe selbst nur über UT24 davon erfahren.

„Kommandant hat mir versprochen, das Ganze abzublasen“

„Es ist für mich einfach absolut nicht der richtige Zeitpunkt, Symbole zu präsentieren, die in irgend einer Weise in einen Zusammenhang mit Krieg gebracht werden könnten. Aber da hat mir der Kommandant der Alpini auch zugestimmt und versprochen, das ganze vorerst abzublasen“, erklärt Griessmair weiter im Gespräch mit UT24.

Wo die gesprengten Teile des Wastls bisher waren

Nach dem Anschlag von Südtirol-Aktivisten im Jahre 1979 wurden einige gesprengten Teile des faschistischen Denkmals nach Veneto gebracht. Mit dem Material wurde unweit von Treviso in einem Waldstück ein neues Denkmal errichtet.

Während die abgesprengten Füße des Kapuzinerwastls auf einen Sockel gestellt wurden, blieb die abgesprengte Hand bei der Alpinivereinigung ANA von Conegliano. Aufbewahrt wurde sie von einem gewissen Lino Chies. Dieser war es auch nun, der die Initiative ergriff, um dieses Fragment des kriegsverherrlichenden Denkmals zurück nach Bruneck zu bringen.

So rechtfertigen die Alpini ihre Kriegsverherrlichung

Einer gewissen Vorbildfunktion scheint man sich bei den Alpini aber nicht bewusst zu sein. Angesprochen auf die Symbolik hinter der ganzen Geschichte meinte der Vertreter der Alpini-Veteranen von Bruneck, Renzo Bordin, die Soldaten hätten damals im Zweiten Weltkrieg „nur Befehle befolgt, die ihnen gegeben wurden“. Inwieweit sich dadurch die begangenen Kriegsverbrechen im heutigen Äthiopien rechtfertigen lassen, muss jeder für sich selbst entscheiden.

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