Zeithistorisches Dokument belegt: Vatikan begrüßte das Optionsabkommen

Schon seit jeher findet der „L’Osservatore Romano“ eine breite Beachtung in der Weltpresse. Die Berichterstattung ist zum Teil vergleichbar mit jener eines Amtsblatts, wobei die offizielle Veröffentlichung des Apostolischen Stuhls die Acta Apostolicae Sedis ist. Die Tageszeitung des Vatikans veröffentlicht Reden, Verlautbarungen und Dokumente des Papstes, offizielle Berichte, kirchenamtliche Meldungen und Kommentare.
Umsiedlung von fremdstämmigen Massen
Am 28. Oktober 1939 erschien auf Seite zwei des „Osservatore Romano“ ein aufsehenerregender Artikel mit dem Titel „Dopo gli accordi italo-tedeschi per gli allogeni“. Und dieser Artikel hat es wirklich in sich. Der Vatikan verurteilt darin das Umsiedlungsabkommen, welches die beiden Diktatoren Hitler und Mussolini vereinbart hatten, keineswegs, sondern bejaht die „friedliche Lösung“ des Südtirolproblems. Der italienische Staat, „Wiege und Mittelpunkt universeller Zivilisation“, hat das Recht auf die Grenzen, die von „Gott gezogen“ seien. Die Assimilierung fremder Volksgruppen vollziehe sich dann von selbst, was im Aostatal, in Friaul, in den deutschen Gemeinden der Provinz Vicenza usw. bereits offenkundig sei. Die heutige Zeit erfordere aber schnellere Lösungen. Es handle sich bei den Südtirolern nur um „eine Rückkehr zu ihrem Muttervolk, von dem sie sich gelöst hätten“.
Damaliger Chefredakteur des „Osservatore Romano“ – und dadurch auch verantwortlich für diesen Artikel – war kein geringerer als Giuseppe Dalla Torre del Tempio di Sanguinetto, ein enger Vertrauter von Papst Benedikt XV. Dalla Torre galt als Feind der Faschisten und konnte sich einer Verhaftung nur knapp entziehen. Er und seine Familie wohnten daraufhin aus Sicherheitsgründen in der Vatikanstadt und waren Bürger des Vatikans.
Ausgabe des Osservatore Romano vom 28. Oktober 1939 (Übersetzung: Dr. Eduard Stoll)
Verwehrte Audienz bei Mussolini
Es gilt zu bedenken, dass es sich beim Optionsabkommen wohl um die schwerste Entscheidung, die in der über 1.000-jährigen Geschichte des Bistums Brixen je gefällt werden musste, handelte. Nicht nur die Südtiroler Bevölkerung, auch die hiesige Geistlichkeit war sich in der Optionsfrage – auch aufgrund der massiven Propaganda – extrem unsicher.
Bischof Geisler hatte deshalb unmittelbar nach dem Erscheinen des Artikels im „Osservatore Romano“ sogar um eine Audienz bei Benito Mussolini angesucht. Im November 1939 weilte Fürstbischof Geisler in Rom und wollte dabei unter anderem auch Mussolini treffen. Gegenstand dieser Aussprache sollte die Klärung der „Sizilianischen Legende” werden, welche die Südtiroler Bevölkerung in Panik versetzte.
Dem Fürstbischof wurde ein Termin mit Mussolini allerdings verwehrt.
Rehabilitation gefordert
„Durch diesen Artikel im „Osservatore Romano“, der wohl die offizielle Meinung des Vatikans wiedergibt, muss auch die damalige Haltung der Südtiroler Kirchenführung hinterfragt werden“, zeigt sich Günther Ploner, Obmann der Europa-Union Tirol überzeugt. Denn von gar einigen Historikern, werden sowohl der damalige Fürstbischof Johannes Geisler wie auch sein Generalvikar Alois Pompanin, die sich beide 1940 für die Abwanderung in das Deutsche Reich entschieden, gerne als „radikale Anhänger des Deutschtums“ und als „Nazi-Sympathisanten“ bezeichnet.
„Dabei haben die beiden die Anweisungen der höchsten Kirchenorgane nur ernst genommen und sich dafür entschieden, was ihnen von Seiten des Vatikans empfohlen wurde“, so Ploner. „Es ist daher höchst an der Zeit, die beiden großen Tiroler Geistlichen zu rehabilitieren“ fordert der Obmann der Europa-Union Tirol.
Neueste Meldungen






