von fe 17.05.2019 09:40 Uhr

Lebenserwartung in Südtirol steigt langsamer

In den letzten Jahrzehnten ist die Lebenserwartung bei der Geburt dank einer Reihe wichtiger Faktoren stark gestiegen. Zu diesen Einflussgrößen zählen eine rückläufige Säuglingssterblichkeit, ein gestiegener Lebensstandard, eine gesündere Lebensweise, bessere Bildung und Vorsorge sowie Fortschritte im Gesundheitswesen und in der Medizin. In den letzten Jahren hat sich die Zunahme der Lebenserwartung aber etwas abgeschwächt.

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In den Provinzen Trient und Bozen betrug der Zuwachs der Lebenserwartung zwischen 1977 und 2017 13,2 Jahre bei den Männern und 9,8 Jahre bei den Frauen, wobei sich der jährliche Zuwachs allmählich abschwächt. Erst ab dem Jahr 1992 liegen die Berechnungen getrennt für die beiden Autonomen Provinzen Bozen und Trient vor.

Die einst beträchtlichen geschlechtsspezifischen Unterschiede verringern sich langsam: Im Jahr 1977 betrug die Differenz noch 8,1 Jahre, im Jahr 2017 nur mehr 4,7 Jahre. Dies ist vor allem auf die verhältnismäßig stärker gestiegene Lebenserwartung der Männer zurückzuführen.

In Südtirol kann ein im Jahr 2017 geborener Junge mit einer Lebenserwartung von 81,4 Jahren rechnen, ein neugeborenes Mädchen mit 86,2 Jahren. Die Lebenserwartung beider Geschlechter liegt damit über dem gesamtstaatlichen Wert, der sich 2017 auf 80,6 Jahre für die Männer und auf 84,9 Jahre für die Frauen beläuft.

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen Italiens sind beträchtlich: Die höchste Lebenserwartung weist die Provinz Trient auf, die niedrigste die Region Kampanien. Die regionalen Unterschiede betragen 2,7 Jahre bei den Männern und 3,0 Jahre bei den Frauen.

Im österreichischen Bundesland Tirol beträgt die Lebenserwartung 85,0 bei den Frauen und 80,9 bei den Männern und ist somit die niedrigste in der Europaregion Tirol.

Die Lebenserwartung spielt eine zentrale Rolle in Bezug auf das Rentensystem: Die italienweite Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren dient nämlich als Grundlage für die Anpassung des Mindestalters, welches für den Antritt der Altersrente vorgesehen ist. Die
Pensionsreform des Jahres 2011 („riforma Fornero“, Gesetzesdekret vom 6. Dezember 2011, Nr. 201, umgewandelt mit Änderungen in Gesetz vom 22. Dezember 2011, Nr. 214) sieht vor, das Eintrittsalter alle drei Jahre (2013, 2016, 2019) an die Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren anzupassen, danach soll die Anpassung alle zwei Jahre erfolgen.

Die Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren hat in den letzten 40 Jahren kontinuierlich zugenommen: 1977 betrug sie auf gesamtstaatlicher Ebene 13,4 Jahre für den Mann und 16,8 Jahre für die Frau, 2017 bereits 19,0 Jahre für den Mann und 22,2 Jahre für die Frau.

Vergleicht man die gesamtstaatlichen Werte mit jenen der anderen EU-Staaten, so findet sich Italien bei beiden Geschlechtern auf den vordersten Plätzen der Rangordnung wieder: Die Lebenserwartung der italienischen Männer ist (zusammen mit den schwedischen Männern) die höchste in der EU, jene der Italienerinnen die dritthöchste nach jenen der Spanierinnen und Französinnen.

Gesunde Lebensjahre: Männer und Frauen gleichauf

Voraussetzung für einen längeren Verbleib im Arbeitsleben ist zweifelsohne eine gute gesundheitliche Verfassung. Um diese zu messen, wurde der Indikator „Gesunde Lebensjahre“ (Healthy Life Years, HLY, auch behinderungsfreie Lebenserwartung genannt) eingeführt, mit dem die Zahl der Jahre gemessen wird, die einer Person zum Zeitpunkt der Geburt voraussichtlich ohne Beeinträchtigungen durch Krankheit oder Behinderung bevorstehen. Chronische Erkrankungen, Gebrechlichkeit, psychische Störungen und körperliche Beeinträchtigungen sind im höheren Alter stärker verbreitet und mindern die Lebensqualität der Betroffenen. Gleichzeitig wirken sich die damit einhergehenden finanziellen Belastungen auf das Gesundheitswesen und das Rentensystem aus. Eines der Hauptziele der EU-Gesundheitspolitik besteht darin, einen Zuwachs an gesunden Lebensjahren zu erreichen, denn dies würde nicht nur die Lage des Einzelnen verbessern, sondern auch die öffentlichen Gesundheitsausgaben zurückgehen lassen und einen längeren Verbleib im Arbeitsleben ermöglichen.

Die Daten zu den selbst wahrgenommenen Aktivitätseinschränkungen stammen aus einem europäischen Modul zur Gesundheit, das in die Erhebung über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC) integriert ist. Seit in der Lissabon-Strategie die Bedeutung des Indikators „Gesunde Lebensjahre“ anerkannt wurde, zählt er zur Kerngruppe der europäischen Strukturindikatoren.

Der geschlechtsspezifische Unterschied bei den gesunden Lebensjahren ist deutlich geringer als bei der Lebenserwartung insgesamt: Auf EU-Ebene beträgt er 2017 lediglich 0,2 Jahre zugunsten der Männer, obwohl deren Lebenserwartung um durchschnittlich 5,2 Jahre geringer ist als jene der Frauen.

Die Berechnung der Lebenserwartung erfolgt anhand von Sterbetafeln: Diese weisen getrennt nach Geschlecht aus, wie viele Personen eines Ausgangsbestandes (von meist 100.000 Personen) aufgrund der aktuellen Sterbewahrscheinlichkeiten in den einzelnen Altersjahren überleben bzw. sterben werden.

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