von su 25.04.2018 12:17 Uhr

Vahrn wehrt sich im Schulterschluss gegen Schuttdeponie

Die Bevölkerung von Vahrn ist in Aufruhr und wehrt sich gemeinsam mit aller Vehemenz und mit Fakten gegen das geplante Projekt einer Schuttdeponie im Gatschwiesenwald.

Blick auf die betroffene Zone des Gatschwiesenwaldes (Bild: Initiativgruppe)

Wer in den letzten Tagen aufmerksam und mit offenen Ohren durch das Vahrner Oberdorf geschlendert ist, hat bemerkt, dass an allen Ecken und Enden in der Bevölkerung ein neues Thema diskutiert wird.

Auf dem Spielplatz, in der Bars, im Wartesaal des Gemeindearztes, im Dorfladen und auf den Straßen hört man nur ein Thema: das „Gatschwiesenwaldele”. UT24 berichtete

„Ein Ort zum Durchschnaufen"

Für alle Ortsunkundigen erklärt: es handelt sich dabei um das erste Stück Wald, wenn in Richtung Vahrner See unterwegs ist.

Für alle passionierten Radfahrer, welche Richtung Franzensfeste unterwegs sind, ist dies der erste erholsame Schatten und gerade im Sommer ein beliebter Rastplatz zum durchschnaufen nach einer anstrengenden, der Sonne ausgesetzten Strecke von Brixen nach Vahrn.

Den Beginn des „Gatschwaldile“ bildet ein gewaltiger Kastanienbaum unter dessen weit ausladenden Ästen zu jeder Tageszeit Spaziergänger eine kleine Pause einlegen.

Dahinter teilen sich die Wege. Der untere Weg ist gesäumt von einem alten, wunderschönen Kastanienhain, der obere Weg führt mitten durch einen Mischwald.

Projekt wurde der Vahrner Bevölkerung vorenthalten

Nun sorgt eine Flugblattaktion zur geplanten Schuttdeponie im Gatsch-Wiesen-Wald für Aufruhr.

„Mittlerweile werden immer mehr Fakten bekannt und es stellt sich die Frage, warum solche einschneidenden Veränderungen im Vahrner Gemeindegebiet der Bevölkerung vorenthalten werden, gehört dieses Projekt doch wieder zu den Auswirkungen die die Vahrner dem BBT zu verdanken haben”, so die Initiativgruppe.

Vorschlag für Deponie nicht von Gemeinde oder Land

Einige aufmerksame Bürger in Vahrn wurden der Situation gewahr und haben kurzerhand eine Initiativgruppe gegründet, um die Bevölkerung über das bevorstehende Vorhaben zu informieren.

So wurde z.B. inzwischen bekannt, dass der Vorschlag in dieser Zone Material abzulagern, nicht von Seiten der Gemeinde oder des Landes, sondern von einem der Grundeigentümer selbst gemacht wurde.

Dies wurde so auch im Protokoll der entsprechenden Sitzung vom 20. März 2018 der Franzensfeste ausdrücklich vermerkt.

Dass der Vorschlag bei den Verantwortlichen des BBT auf offene Ohren gestoßen ist, liegt auf der Hand, so die Initiativgruppe.

Zwei Millionen Kubikmeter Aushubmaterial

Bei dieser Versammlung zwischen Vertretern der RFI, Italferr, Beobachtungsstelle, den Grundbesitzern und dem Schätzamt des Landes Südtirol wurde die Angelegenheit ausführlich diskutiert.

Dabei wurde erläutert dass die Ablagerung des Materials im Gatschwiesen-Wald in einem Zeitraum von zwei Jahren geplant sei und dass es sich insgesamt um ca. 2 Millionen m³ an Aushubmaterial handelt.

„Wenn man bedenkt, dass man hier von einem Volumen von ca. 2 Millionen m³ spricht (es wird vermutet, dass die effektive Menge um ein etliches hinausgehen wird), ist es natürlich verständlich, dass es sich, zumindest für einige wenige, auch um ein lukratives finanzielles Geschäft handelt”, munkelt die Initiativgruppe.

Besonders bedauerlich ist aber der Umstand, so die Initiativgruppe „dass die Deponie Gatschwiesen-Wald, nach den Deponien Unterseeber, Forch und Unterplattner bereits die VIERTE Deponie auf Vahrner Gemeindegebiet wäre. Ein zeit- und kosteneinsparendes Angebot, welches dem BBT hier unterbreitet wurde und von dessen Seite natürlich so schnell als möglich unter Dach und Fach gebracht werden möchte.“

Unterschriftenaktion gestartet

Die Initiativgruppe die sich vor wenigen Wochen formiert hat und welche sich vehement für die Beibehaltung der gesamten Zone in ihrer derzeitigen Form einsetzt, stellt sich derweil immer breiter auf. So gab es z.B. kürzlich Gespräche mit Vertretern des örtlichen Alpenvereins, des Südtiroler Heimatbundes, der Schützenkompanie Vahrn, des Verschönerungsvereins und der Umweltgruppe Vahrn, die allesamt ihre volle Solidarität und Unterstützung zugesagt haben.

Die Flugblätter wurden verteilt und eine Unterschriftenaktion wurde gestartet.

Seit wenigen Tagen kann auf www.openpetition.eu auch online unterzeichnet werden und zudem wird die geplante Deponie in den sozialen Netzwerken immer mehr zum Diskussionsthema.

Naturbelassene Naherholungszone erhalten

„Uns geht es vor allem darum, das nicht nur bei der heimischen Bevölkerung äußerst beliebte Gebiet als unverbaute und naturbelassene Naherholungszone zu erhalten“, so die Initiativgruppe.

Das ganze Jahr über wird Gatsch sowohl von Kindern und Familien als auch von zahlreichen Spaziergängern als nahes ruhiges Rückzugsgebiet genutzt. „Eine Diskussion, was die Dorfbevölkerung und was die Grundeigentümer davon halten, eine Naherholungszone in eine Deponie für Abbruchmaterial umzuwandeln, wurde bewusst vermieden“, beanstandet die Initiativgruppe.

Rekurs innerhalb von 30 Tagen

Dies verwundert umso mehr, so die Initiativgruppe, zumal äußerste Dringlichkeit geboten scheint. „Laut einem Schreiben des Umweltministeriums in Rom vom 9.April, welchem das Projekt anscheinend bereits vorliegt, kann von Seiten der Betroffenen innerhalb 30 Tagen Rekurs eingereicht werden.“

Laut Informationen der Initiativgruppe gibt es von Seiten der Gemeindeverwaltung folgenden äußerst knapp bemessenen Zeitplan:
– 7. Mai Bürgerversammlung/Informationsabend
– 8. Mai Gemeinderatssitzung
– 9. Mai letztmöglicher Termin für eine Rekurs-Einreichung

Bürgerversammlung am 7. Mai

Vollkommen unverständlich bleibt, dass die Vahrner Bevölkerung von der geplanten Deponie von der öffentlichen Verwaltung bisher überhaupt nicht informiert bzw. mit eingebunden wurde, gibt die Initiativgruppe zu bedenken.

„Eine Gemeinde, welche bereits durch Autobahn und Zug in der Mitte geteilt wird und durch dessen Lärm und Luftbelastung arg geplagt ist, sollte sich die wenigen Naherholungszonen, welche für alle Bevölkerungsschichten schnell und einfach zu erreichen nicht selber zerstören.

Die Initiativgruppe fordert die Einbindung der Bevölkerung und eine transparente Vorgehensweise im Interesse der Vahrner Bürger”.

Die Initiativgruppe ruft die Bevölkerung auf, zahlreich an der Bürgerversammlung am 7. Mai teilzunehmen um sich dadurch selbst ein konkretes Bild dieses Projekts machen zu können.

Dabei sollten nach den Vorstellungen der Initiativgruppe auch die Erörterung von folgenden Fragen Platz finden:

-Gibt es alternative Ablagerungsmöglichkeiten in z.Bsp. in Sarns und Albeins?

-Kann das Material zur sinnvollen Nutzung als Lärmschutz entlang der Brennerlinie genutzt werden? Dort fehlt entlang der neuen und stark bewohnten Wohnbauzone bereits seit deren Baubeginn eine korrekte Lärmschutzverbauung am fehlenden Geld von Seiten der italienischen Bahn.

-Darf der Vahrner Bevölkerung ein weiteres so belastendes und einschneidendes Projekt zugemutet werden, welches im Endeffekt zum Vorteil einiger Weniger gereicht?

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