von red 05.02.2018 10:46 Uhr

Dosenthunfisch oft nicht nachhaltig

Nach Jahrzehnten der Überfischung sind viele Thunfischbestände gefährdet und mehrere Arten in ihrem Überleben bedroht, teilt die Verbraucherzentrale Südtirol mit. Aus diesem Anlass haben die Konsumentenschützer ein Nachhaltigkeits-Ranking für Dosen-Thunfisch erstellt und erhoben, welche Angaben die Hersteller auf den Dosen machen.

Symbolbild

„In weiten Teilen der Welt gelten die Thunfischbestände heute aber als überfischt, der industrielle Thunfischfang verursacht zudem große Mengen an unerwünschtem Beifang. Die festgelegten Fangquoten wurden in den letzten Jahren immer wieder überschritten, zudem stammt weltweit vermutlich jeder fünfte gefangene Fisch aus illegaler Piratenfischerei. Der Nördliche und der Südliche Blauflossenthun sind laut der Roten Liste der bedrohten Tierarten der Weltnaturschutzunion IUCN vom Aussterben bedroht, der Großaugenthun ist gefährdet. Trotzdem landen diese Arten nach wie vor auf unseren Tellern – denn nicht zuletzt für die Zubereitung von japanischem Delikatess-Sushi wird (roher) Thunfisch gern und viel verwendet.“, so die Verbraucherzentrale.

Die Verbraucherzentrale Südtirol hat 2017 in vier verschiedenen Handelsketten insgesamt 88 Produkte von 19 Marken im Bereich Dosen-Thunfisch unter die Lupe genommen. Dabei wurden die Angaben auf der Verpackung, nämlich die Informationen zu Thunfischart, Fanggebiet und Fangmethode, sowie eventuell vorhandene Nachhaltigkeitszeichen bzw. -zertifizierungen überprüft. Die untersuchten Marken wurden in Hinblick auf ihre Transparenz und ihre Umweltfreundlichkeit bewertet. Das Ranking wurde aufgrund der Nachhaltigkeit erstellt.
Mehrheitlich wird im Handel Thunfisch in Öl angeboten (85% der untersuchten Produkte), das Angebot an Thunfisch Natur, also ohne Öl, macht nur knapp 15% aus.

Testsieger ist Frinsa mit dem Gelbflossenthun in Olivenöl (Tonno pinne gialle in olio di oliva). Die Produkte tragen sowohl das MSC-Zeichen für nachhaltige Fischerei als auch das SAFE-Zeichen für delfinschonenden Fang, der Thunfisch wurde mit Ringwaden ohne Fischsammler gefangen. Dafür gibt es vier Nachhaltigkeitspunkte. Es folgen die Marken AsdoMar, Despar und RIO mare, welche für ihre Thunfisch-Dosen jeweils zwei von maximal fünf Nachhaltigkeitspunkten erreichen. Sieben weitere Marken erreichen jeweils einen oder knapp einen Punkt in Sachen Nachhaltigkeit, nämlich Donzela, Mareblu, Coop, Poseidon, Olasagasti, Rizzoli und Primia. Von nachhaltiger Fischerei noch weit entfernt sind laut dem Ranking der VZS die Marken MareAperto, Nostromo, Angelo Parodi, Delicius, Spesa leggera, Consorcio und Palmera.

Insgesamt sind nur drei der 88 untersuchten Produkte MSC-zertifiziert (MSC = Marine Stewardship Council), 12 Produkte sind nach den Kriterien der Organisation „Friend of the Sea“ zertifiziert. Auf 49 Produkten ist das SAFE-Zeichen für delfinsicheren Fischfang oder ein anderes Logo mit explizitem Hinweis auf das Programm „Dolphin SAFE“ zu finden. Dieses Programm berücksichtigt jedoch einzig den delfinschonenden Fang und keine weiteren Nachhaltigkeitskriterien. Fünf Produkte schmücken sich mit Logos, die dem SAFE-Zeichen ähneln. Bei diesen ist jedoch unklar, ob tatsächlich ein seriöses Kontrollsystem dahinter steht. Acht der 14 untersuchten Produkte von RIO mare tragen neben dem SAFE-Zeichen auch das Zeichen „Qualità responsabile“, welches auf die Einhaltung weiterer Nachhaltigkeitskriterien hinweist. Für lediglich zwei Produkte wurde der Thunfisch mit Rute und Leine gefangen, für sechs Produkte wurden Ringwaden ohne Fischsammler verwendet.

„Leider zeigt unsere Erhebung, dass nachhaltiger Fischfang für viele Hersteller von Dosen-Thunfisch noch immer ein Fremdwort oder eine leere Worthülse ist. Nur vier von 19 Herstellern erreichen zwei oder mehr Nachhaltigkeitspunkte“, fasst Silke Raffeiner, Ernährungsexpertin der VZS, die Ergebnisse der Erhebung zusammen. „Auch in Sachen Transparenz gibt es noch Verbesserungsbedarf.

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