von lf 16.11.2017 12:45 Uhr

Italien beschließt eine Nationalhymne

Der „Canto degli Italiani“ von Goffredo Mameli ist als die italienische Nationalhymne weltbekannt. Das Kuriose daran: Bis Anfang der Woche verfügte der Stiefelstaat über keine offizielle Hymne. Erst durch einen am Dienstag erlassenen Beschluss im Senat wurde das Lied, welches mit der Textzeile „Fratelli d’Italia“ beginnt, zur offiziellen Staatshymne gemacht.

Foto: By unknonw (not declared and picture not signed) (military postal Card RSI) [Public domain], via Wikimedia Commons

Die Hymne war am 12 Oktober 1946 vom Ministerrat als provisorische Nationalhymne auserkoren worden. Seither ist die Diskussion um die Einführung einer offiziellen Staatshymne meist zu Beginn einer Legislaturperiode aufgetaucht, meist aber auch rasch wieder im politischen Nichts versandet.

Beim letzten Anlauf kam jedoch alles anders: Die Kommission für Verfassungsangelegenheiten hat sich dazu durchgerungen, das Lied der Italiener von Mameli gesetzlich zur Hymne zu erklären.

Der Text der Mamelihymne gilt als äußerst martialisch und blutrünstig. Sie enthält außerdem jede Menge antiösterreische Passagen, wie etwa die 5. Strophe, in der es heißt:

„Der österreichische Adler – hat schon die Federn verloren – Das Blut Italiens – Das Blut Polens – Hat er mit den Kosaken getrunken – Aber sein Herz ist verbrannt“.

Durch die gesetzliche Verankerung der Hymne gewinnt diese an Bedeutung, gilt als endgültig. Eine Entschärfung der Hymne, wie sie von vielen aus oben genannten Gründen als notwendig erachtet wird, scheint jedenfalls nicht auf der Tagesordnung zu stehen.

Welche konkreten Auswirkungen der Beschluss nach sich ziehen wird, bleibt abzuwarten. Denkbar wäre beispielsweise, dass das Abspielen beziehungsweise das Mitsingen der Hymne zu bestimmten Anlässen im gesamten Staatsgebiet – somit auch in Südtirol – verpflichtend wird.

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  1. Diandl
    16.11.2017

    Wenn der Wauwau das nächste Mal über den Brenner fährt, um mit seinen italienischen Kollegen zu feiern, kann er sie fragen, wie das blutrünstige Lied gemeint ist. Ob es der Freundschaftspflege dient.

  2. lowin
    16.11.2017

    Was für ein ungewöhnliches Land. Es steht finanziell sehr nah am Staatsbankrott, aber man kümmert sich lieber um ein altes Lied statt um eine positive Gestaltung der Zukunft der Bürger..

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